Neubau Neue Synagoge in Dessau frühestens Ende 2022 fertig

In Dessau wird eine neue Synagoge gebaut. Es ist der erste Neubau eines jüdischen Gotteshauses in Sachsen-Anhalt seit dem Zweiten Weltkrieg. Zum jüdischen Neujahrsfest im September sollte sie eingeweiht werden, doch das verzögert sich nun mindestens bis zum Jahresende.

Ein rundes Gebäude mit hebräischen Buchstaben an der Fassade
So soll die Synagoge in Dessau nach Fertigstellung aussehen. Bildrechte: Architekturbüro Alfred Jacoby

Die neue Synagoge in Dessau wird nicht wie geplant im September fertig. Wie ein Sprecher der Jüdischen Gemeinde Dessau am Donnerstag sagte, wird sie vermutlich gegen Jahresende oder Anfang 2023 eingeweiht. Ursprünglich sollte das zum jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschana geschehen, das in diesem Jahr von 25. bis 27. September gefeiert wird.

Erster Synagogen-Neubau seit 1938

Historische Aufnahme der Synagoge in Dessau.
Die ehemalige Synagoge in Dessau, bevor sie 1938 von den Nazis niedergebrannt wurde. Bildrechte: Stadt Dessau

Der Neubau ist das erste jüdische Gotteshaus, das in Sachsen-Anhalt nach dem Zweiten Weltkrieg entsteht. Errichtet wird er auf dem Grundstück der ehemaligen Synagoge, die in der Reichspogromnacht 1938 ausgeplündert und niedergebrannt wurde. Die Synagoge soll in Erinnerung an die jüdische Familie des Komponisten Kurt Weill (1900-1950) den Namen Weill tragen. Kurt Weills Vater Albert war einst Kantor der jüdischen Gemeinde in Dessau.

Von der jüdischen Gemeinde wird das neue Gotteshaus sehnsüchtig erwartet. Verwaltungsleiter Aaron Russ sagte, der vorhandene Gebetsraum sei bei Gottesdiensten und an hohen Feiertage viel zu klein. Die jüdische Gemeinde in Dessau zählt insgesamt rund 300 Mitglieder. Hinzu kommen etwa 160 Familienangehörige. In der neuen Synagoge soll es 60 Plätze für Männer und eine Empore für 30 Frauen. Dass Frauen und Männer getrennt sitzen, sei üblich bei orthodoxen Juden, so Russ.

Den Neubau der Synagoge unterstützen Bund, Land und Stadt mit Fördermitteln. Dazu beteiligen sich unter anderem auch Stiftungen und private Geldgeber an den Baukosten von knapp drei Millionen Euro.

epd, MDR (Cornelia Winkler)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 30. Juni 2022 | 16:30 Uhr

5 Kommentare

Jana vor 6 Wochen

Ein Synagogenneubau in Deutschland ist doch einmal eine gute Nachricht.
In eine Zeit in der der Atheisus um sich greift und damit auch die Verbindlichkeit von Werten immer mehr dem Einzelnen überlassen wird, finde ich ein neues Gotteshaus und damit ein hoffentlich erstärktes Gemeindeleben wichtig.

Gerne wird ja vergessen, dass so eine "Kichengemeinde" mehr beeinhaltet als eine Stunde "Gottesdienst" pro Woche.

Mediator vor 6 Wochen

Schön dass in Deutschland wieder neue Synagogen entstehehen.
Noch schöne wäre es, wenn man diese Synagogen nicht vor hirnlosen Rechtsextremisten schützen müsste und man in Deutschland so selbstverständlich Jude sein könnte wie man Atheist oder Katholik sein kann.

Es ist in meinen Augen schon ein besonders dummer Menschenschlag der seine Vorurteile an der Religionszugehörigkeit eines Menschen fest macht, nur weil man diese Vorurteile aus bekannten Gründen seit Jahrhunderten in Europa gepflegt hat.

Simone vor 6 Wochen

Schön, dass die jüdische Gemeinde vor Ort ein neues Gotteshaus bekommt und das jüdisches Leben, dass zur deutschen und zur europäischen Kultur gehört, sich nach den Massenmorden unserer Vorfahren in ganz Europa, sich auch im Heimatland des Holocaust wieder entwickelt.

Leider sind die ostdeutschen Bundesländer inzwischen Hochburgen des Rechtsextremismus, wie man diversen Statistiken von Polizei und Verfassungsschutz entnehmen kann. Von daher hoffe ich, dass die Synagoge gut geschützt ist und die Polizei nicht so ignorant auf die Bedrohung jüdischer Einrichtungen reagiert, wie sie es beim rechtsextremistischen TErroranschlag auf die Synagoge in Halle getan hat.

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