16. Jahrestag Initiativen erinnern an Oury Jallohs Feuertod

Am Donnerstag vor 16 Jahren verbrannte der Asylbewerber Oury Jalloh in Dessauer Polizeigewahrsam. Bis heute sind die Umstände nicht zweifelsfrei aufgeklärt. In Dessau, Berlin und Halle wurde seiner erinnert.

Dessau: Teilnehmer einer Demonstration zum Gedenken an Oury Jalloh gehen durch die Stadt.
In mehreren deutschen Städten – so wie hier in Dessau – erinnerten am Donnerstag Menschen an den vor 16 Jahren in Polizeigewahrsam verbrannten Oury Jalloh. Bildrechte: dpa

Mehrere Bewegungen haben am Donnerstag an den Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh vor 16 Jahren erinnert. Vor dem Dessauer Hauptbahnhof knieten Teilnehmer einer Demonstration symbolisch nieder. Zudem gab es einen Gedenkaufzug und eine Kundgebung vor dem Polizeirevier. Nach Angaben der Polizei nahmen etwa 150 Menschen daran teil. Den Veranstaltern zufolge fand das Gedenken wegen der Pandemie nur in kleinem Kreis statt. In den Vorjahren waren dazu stets mehrere Hundert Menschen nach Dessau gekommen.

Gedenkveranstaltungen auch in Halle und Berlin

Zeitgleich fanden auch vor der Landesvertretung Sachsen-Anhalts in Berlin eine Mahnwache sowie eine Gedenkveranstaltung statt. Auch hier gab es nach Polizieiangaben rund 150 Teilnehmer.

Bildern in Sozialen Medien zufolge hatten Aktivisten dort das Straßenschild der Luisenstraße mit "Oury Jalloh Straße" überklebt – vergleichbare Aktionen gibt es seit Jahren. Für den späteren Nachmittag war zudem eine Mahnwache auf Halles Marktplatz angekündigt.

Der Gedenk-Initiative zufolge waren bundesweit in zwölf Städten Gedenkveranstaltungen an Oury Jalloh geplant.

Ermittlungen trotz Widersprüchen eingestellt

Oury Jalloh war am 7. Januar 2005 in Zelle fünf des Polizeireviers Dessau verbrannt. Bis heute sind die genauen Hintergründe des Todes ungeklärt. In zwei Prozessen war festgestellt worden, dass sich der Asylbewerber aus Sierra Leone selber angezündet haben soll. Ein Polizist war 2012 wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen zu einer Geldstrafe verurteilt worden. 2017 hatte die Justiz ihre Ermittlungen dann eingestellt. Den zahlreichen Zweifeln und Ungereimtheiten, die der Fall hinterlassen hatte, hat der WDR 2020 in einem mehrteiligen Podcast zusammengetragen

2018 wurden von Sachsen-Anhalts Landtag zwei Sonderberater eingesetzt. Sie sollten den Fall aufarbeiten. Der Rechtsanwalt Jerzy Montag und der ehemalige Generalstaatsanwalt Manfred Nötzel sichteten Polizei- und Justizakten. Sie kommen im Sommer 2020 zu dem Ergebnis, dass es keine neuen Ansätze gibt, um wegen Mordes oder Mordversuchs zu ermitteln. Sie stellen aber Rassismus sowie Versagen und Fehlleistungen von Justiz und Polizei fest. Jedes Jahr am 7. Januar erinnern Freunde, Bekannte und Aktivisten in Dessau-Roßlau an den Tod Jallohs.

Überregionale Pressestimmen zum 16. Todestag von Oury Jalloh

Die sozialistische Tageszeitung "nd.DerTag" hat in ihrer Donnerstagsausgabe ein Interview mit Nadine Saeed, Sprecherin der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh, abgedruckt. Sie zeigt sich optimistisch, dass der Todesfall doch noch aufgeklärt werden kann. Saeed verweist auf die beim Bundesverfassungsgericht anhängige Beschwerde der Familie Jallohs. "Wir gehen davon aus, dass über diese negativ entschieden wird", so die Sprecherin. Dann wolle die Initiative mit der Familie vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen.

Der Tagesspiegel hat für seinen Bericht einen Freund Jallohs, Mouctar Bah, getroffen. Dieser und Mitstreiter hatten der in der Vergangenheit Ungereimtheiten in dem Fall benannt und so öffentlichen Druck erzeugt. Ein Kampf gegen so offensichtliches Unrecht über so lange Zeit koste Kraft und könne einen buchstäblich krank machen, zitiert die Zeitung Bah. Den im August vorgelegten Abschlussbericht der Sonderberater des Landtags Sachsen-Anhalts nennt Bah "Show", da die zentrale Frage, ob die Selbstanzündung möglich gewesen sei, ausgeklammert wurde.

Darauf nimmt auch "die tageszeitung" in einem Kommentar Bezug. Den Bericht könne man "getrost zu den vielen Bemühungen rechnen, die ganze Sache ein für allemal zum Abschluss zu bringen", heißt es darin. Der Kommentar kommt aber zu dem Schluss, dass das Gegenteil der Fall sei. "Zurücktreten hat zwar niemand müssen, aber losgelassen hat die Polizei, die Justiz und die Regierenden in Sachsen-Anhalt der Fall nie. Er haftet ihnen bis heute an, und das wird auf lange Zeit so bleiben", so das Fazit.

Ein Bild von Oury Jalloh auf einer Akte 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr zum Thema

Kerzen bei Gedenk-Demonstrationen am 8. Todestag des aus Sierra Leone stammenden Flüchtling Oury Jalloh, der im Dessauer Polizeigewahrsam zu Tode kam
Bildrechte: imago/imagebroker

Quelle: MDR/ap,mk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 07. Januar 2021 | 19:00 Uhr

17 Kommentare

Kritiker vor 41 Wochen

@Peter Riesler: +...Alles bekannte Fakten und seit Jahren zugänglich....+
SICHER, nur es sind Fakten deren Ergebnisse oder auch Erkenntnisse, die je nach Initiatoren entsprechend bewertet wurden und ZU KEINEM ERGEBNIS FÜHRTEN, eher gegensätzliche Erkenntnisse zeigten.

Kritiker vor 41 Wochen

@Peter Riesler: +..Allein die Festnahme war gesetzlich ungerechtfertigt und somit nicht zulässig....+
Nur eine Frage: WAREN SIE PERSÖNLICH DABEI oder in der Nähe als eine Festnahme erfolgte, das Sie solch eine Schlussfolgerung ziehen können oder ggf. besser wollen?

Benutzer vor 41 Wochen

Welche Bestätigung?

Er war kein Unschuldslamm. er hat Frauen belästigt. Also........oder finden sie das voll okay das man Frauen belästigt?

Weil viele Linke Organisationen diese "Demos" veranstalten. Deshalb sind es Linke.

Und ich muss kein Artikel lesen. weil ich mir meien eigeen Meinung bilde.

Und wegen besseren deutsch sollten sie sich an die eigene Nase fassen.

Mehr aus Dessau-Roßlau, Anhalt und Landkreis Wittenberg

Mehr aus Sachsen-Anhalt