Dezernenten-Wahl Diese Kandidaten gehen ins Rennen um die Spitzenposten im Dessauer Rathaus

In Dessau-Roßlau scheiden zum Ende des Jahres alle noch amtierenden Dezernenten aus dem Amt. Die kreisfreie Stadt muss vier Schlüsselpositionen neu besetzen. Das Auswahlverfahren ist auf der Zielgeraden, von anfangs 39 Bewerbern sind noch acht übrig. Sie stellen sich am 12. Juli dem Stadtrat zur Wahl. MDR SACHSEN-ANHALT liegen die Namen der Kandidaten bereits jetzt vor.

Torsten Haß und Eter Hachmann konkurrieren bei den Dezernten-Wahlen in Dessau-Roßlau um das Sozialdezernat.
Torsten Haß und Eter Hachmann konkurrieren um das Sozialdezernat in Dessau-Roßlau. Auch für drei weitere Dezernate in der Verwaltung der Doppelstadt gibt es jeweils zwei Kandidaten. Bildrechte: MDR/Torsten Haß, MDR/Eter Hachmann

  • Dessau-Roßlau steht vor richtungsweisenden Wahlen: Vier Dezernenten-Posten sind neu zu besetzen. Die neuen Spitzen-Beamten, die der Stadtrat wählt, werden die Stadtentwicklung entscheidend prägen.
  • Acht Kandidaten und damit zwei pro Dezernenten-Stelle sind noch im Rennen und dürfen sich am 12. Juli im Stadtrat vorstellen. Direkt danach folgt die Wahl.
  • Vorangegangen war eine heiß umkämpfte Vorauswahl durch Stadträte und Verwaltung.

In Dessau-Roßlaus Rathaus steht ein tiefgreifender Umbruch bevor. Zum Ende des Jahres scheiden turnusmäßig alle derzeit noch amtierenden Dezernenten der kreisfreien Stadt aus dem Amt. Das Oberzentrum hat damit gleich vier offene Schlüsselpositionen zu füllen, deren neue Chefs die Stadtentwicklung viele Jahre entscheidend mit prägen werden.

Ministern vergleichbar leiten Dezernenten ein nach Sachthemen zugeschnittenes Ressort, zu dem entsprechende Fachämter gehören. Da sie Landräten oder Oberbürgermeistern als Führungsteam "beigeordnet" sind, ist auch der Begriff "Beigeordnete" geläufig. Als sogenannte Wahlbeamte müssen Dezernenten vom jeweiligen Stadtrat oder Kreistag gewählt werden. Die Amtszeit beträgt in Sachsen-Anhalt sieben Jahre.

Acht Kandidaten aus anfangs 39 ausgesiebt

Blick auf das Rathaus in Dessau-Roßlau, im Vordergrund parken Autos.
Ins Dessau-Roßlauer Rathaus sollen Anfang 2023 vier neue Dezernenten einziehen. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Für die vier Dezernenten-Posten an Dessaus Verwaltungsspitze warfen Anfang des Jahres nach einer öffentlichen Ausschreibung 39 Bewerberinnen und Bewerber ihren Hut in den Ring. In den vergangenen Monaten hat eine eigens eingesetzte Findungskommission bestehend aus Stadträten eine Vorauswahl getroffen.

Acht – und damit zwei pro Stelle – sind jetzt noch übrig und dürfen am 12. Juli zur Beigeordnetenwahl im Stadtrat gegeneinander antreten. MDR SACHSEN-ANHALT liegen die Namen bereits jetzt vor.

Dezernat "Soziales, Bildung, Jugend und Senioren"

Um die Stelle des künftigen Beigeordneten für Soziales, Bildung, Jugend und Senioren konkurrieren nach MDR-Informationen Eter Hachmann und Torsten Haß.

Eter Hachmann arbeitet gegenwärtig für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung in Dresden. Sie ist außerdem Vorstandsvorsitzende des Vereins Ausländerrat Dresden. Bei der jüngsten Kommunalwahl in der sächsischen Landeshauptstadt im Jahr 2019 trat sie für die SPD an. Die 32-Jährige wurde in Georgien geboren. Sie studierte nach eigenen Angaben Rechts- und Politikwissenschaften in der georgischen Hauptstadt Tbilissi (vormals Tiflis) sowie in Göttingen und Dresden. An der Universität Leipzig machte sie ihren Doktor.

Ich liebe diese Stadt mit ihren Stärken und Schwächen.

Eter Hachmann Kandidatin für das Sozialdezernat

Jugend einbinden, Barrieren abbauen

Zur Doppelstadt hat Eter Hachmann bereits eine enge Beziehung: "Dessau-Roßlau ist meine zweite Heimat, da meine Familie hier wohnt", sagte sie dem MDR. Das Oberzentrum habe mit seinem Kulturangebot, seinem innovativen Klinikum und seiner Umgebung Großstadtqualitäten. "Ein Traum für jede Person, die die politische Leidenschaft mitbringt, diese traditionsreiche Stadt noch attraktiver und bekannter zu machen."

Zu ihren ersten Zielen als mögliche neue Dezernentin gehört, die Jugend sowohl in die Politik als auch ins Stadtbild besser einzubinden und Barrieren in allen Lebensbereichen und für alle Altersgruppen abzubauen.

Bildung und kluges Quartiersmanagement

Ihr Kontrahent Torsten Haß leitet derzeit das Sozialamt der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Zudem ist er Chef der dortigen Volkshochschule und nach eigenen Angaben seit 2009 Ortsteilbürgermeister einer Plattenbausiedlung. Laut seiner Webseite engagiert sich der 49-Jährige neben dem Beruf außerdem in zahlreichen gesellschaftlichen Institutionen und Unternehmen. Haß ist fünffacher Familienvater und seit 1996 SPD-Mitglied. 2019 trat er bei der Landtagswahl in Thüringen als Direktkandidat für Erfurt an.

Ich möchte mithelfen, dass Dessau-Roßlau sozial und lebenswert bleibt.

Torsten Haß Kandidat für das Sozialdezernat

In der Stelle des Beigeordneten für Soziales, Bildung, Jugend und Senioren in Dessau sieht Haß die Bündelung seiner bisherigen, vielfältigen Tätigkeiten verwirklicht. Als Leiter der Stabsstelle Bildungsstadt Erfurt habe er auch schon erste Kontakte nach Dessau-Roßlau geknüpft.

"Bei dem einen oder anderen Besuch vor Ort habe ich die Stadt mit ihrer hervorragenden Lage, ihrer bedeutungsvollen Geschichte und ihren engagierten Akteuren kennen und lieben gelernt", sagte Haß dem MDR. Für ihn zentral ist das Thema Bildung, das durch ein kluges Quartiersmanagement gestützt werden müsse.

Dezernat "Bauen und Stadtgrün"

Im künftigen Dezernat für "Bauen und Stadtgrün" wollen Jacqueline Lohde und Mohsen Khosravi das Ruder übernehmen.

Jacqueline Lohde hat in der Doppelstadt bereits Spuren hinterlassen. Die 56-jährige Architektin war ab 1999 über 15 Jahre lang Mitglied im Dessauer Stadtrat. Zwischenzeitlich führte sie die CDU-Fraktion, mit der sie sich jedoch überwarf. Es folgte erst der Rauswurf aus der Fraktion und später sogar aus der Partei. Lohde ist seit 2015 Beigeordnete in der baden-württembergischen Stadt Metzingen und dort auch stellvertretende Oberbürgermeisterin. Zu ihrem Dezernat dort gehört der Bereich Planen und Bauen. Zuvor war sie unter anderem Referatsleiterin für die Baumaßnahmen des Landes Sachsen-Anhalt.

Einfache, praktikable Lösungen zu finden, ist mir ein wichtiges Anliegen.

Jacqueline Lohde Kandidatin für das Baudezernat

Über ihre Motivation sagte Lohde dem MDR, dass es an der Zeit sei, an den Ort, dem sie sich eng verbunden fühle, zurückzukehren und sich einzubringen. "Dessau-Roßlau ist eine lebendige Stadt mit größtem Potential und engagierten Menschen, Freunden, Weggefährt*innen." 

Fokus auf klimagerechtem Bauen

Einen besonderen Fokus will Lohde auf klimagerechtes Bauen legen – aber zum Beispiel auch auf eine bessere Kosten- und Terminkontrolle bei Bauvorhaben. Gerade bei diesem letzten Punkt hat Dessau-Roßlau immer wieder Probleme. Viele Bauvorhaben werden in der Doppelstadt zum Beispiel aufgrund fehlenden Personals nicht planmäßig umgesetzt.

Mohsen Khosravi leitet im Klinikum Peine (Niedersachsen) derzeit die Abteilung Bau und Technik. Über seine sonstige Vita ist im Internet wenig zu finden. Eine Kontaktaufnahme gelang bislang nicht.

Dezernat "Digitalisierung und moderne Verwaltung"

Um das künftige Dezernat für "Digitalisierung und moderne Verwaltung" – vormals Dezernat für Finanzen – konkurrieren Sylvia Günther und André Ulbrich. Der Bereich Finanzen samt Kämmerei der Stadt ist dem Ressort zwar weiterhin zugeordnet, aber nicht mehr allein prägend.

Sylvia Günther wirkt nach MDR-Informationen aktuell als Abteilungsleiterin in der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt. Zuvor soll sie für den Landesbetrieb Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt gearbeitet haben. Günther wird in Stadtratskreisen zugeschrieben, sich insbesondere mit Finanzen bestens auszukennen.

Ihr Herausforderer André Ulbrich werden dagegen vor allem Kompetenzen in Sachen Digitalisierung eingeräumt. Er soll als Mitarbeiter einer Beraterfirma arbeiten und Kunden bei genau diesem Thema unterstützen.

Silvia Günther und André Ulbrich wollten sich beide wegen des laufenden Verfahrens auf MDR-Anfrage nicht zur Beigeordnetenwahl äußern.

Dezernat "Bürgerdienste, Umwelt und Sicherheit"

Robert Reck, der neue Oberbürgermeister von Dessau-Roßlau
Dessau-Roßlaus Oberbürgermeister Robert Reck hat bald vier neue Dezernenten an seiner Seite. Bildrechte: 3undzwanzig, O. Harloff

Die Aufgabenbereiche aller Dezernate in Dessau wurden vor dem laufenden Besetzungsverfahren mehr oder weniger stark umgestaltet. Auf diese Weise will Oberbürgermeister Robert Reck (parteilos) die Verwaltung umbauen. Viele Abteilungen hat Reck dabei direkt bei sich konzentriert - auch das früher eigenständige Dezernat für Wirtschaft, Kultur und Sport, das er vor seiner Wahl zum OB selbst als Beigeordneter geführt hatte.

Komplett neu geschaffen wird das Dezernat für Bürgerdienste, Umwelt und Sicherheit. Um den Chefposten konkurrieren hier Aleksander A. Hinkel und Stefan Horváth.

Aleksander A. Hinkel ist derzeit als Referatsleiter im Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt tätig. Der 52-jährige Jurist war zuvor Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Landtag sowie Leiter des Ministerbüros im Umweltministerium. Hinkel gehört überdies dem Grünen-Kreisverband Dessau-Roßlau an.

Stefan Horváth arbeitet bereits seit langem im Rathaus der Doppelstadt. Zuletzt leitete der 45-jährige Jurist das Amt für Wirtschaftsförderung. In Dessau-Roßlaus Politik-Szene gilt er als Vertrauter des Oberbürgermeisters.

Sowohl Aleksander Hinkel als auch Stefan Horváth wollten sich wegen des noch laufenden Verfahrens ebenfalls bisher noch nicht zur Beigeordnetenwahl äußern.

Fachliche Eignung nicht allein ausschlaggebend

Das letzte Wort bei der Kür der neuen Dezernenten hat nun der Stadtrat. Und weil das so ist, entscheidet bei der Wahl nicht allein die fachliche Kompetenz der Bewerber. Denn die Fraktionen versuchen, bevorzugt die Kandidaten ins Amt zu bekommen, die sich im eigenen politischen Spektrum bewegen. Das verspricht Einfluss an der Verwaltungsspitze.

Eine Beigeordnetenwahl gilt daher als heiß umkämpfter Prozess. So auch in Dessau. Schon bei der Vorauswahl der acht Kandidaten aus dem Bewerberfeld durch eine Findungskommission, die mit Stadträten besetzt war, kam es zu Streit. Ärger bereitete laut Sitzungsteilnehmern vor allem der Fall des amtierenden Sozialdezernenten Jens Krause. Dieser hatte sich erneut beworben, wurde jedoch vorzeitig aussortiert.

Hochschulabschluss wird zum Stolperstein

Der Grund: Paradoxerweise erfüllte er die Voraussetzungen für die Stelle nicht. Denn anders als noch sieben Jahre zuvor ist diesmal ein universitärer Hochschulabschluss für den Posten zwingend notwendig. Diesen besitzt der Amtsinhaber aber nicht. Einigen Stadträten wurde diese kleine, aber feine Änderung des Ausschreibungstextes erst im Nachhinein bewusst. Sie fühlten sich hintergangen, obwohl die Stellenvoraussetzungen zuvor vom Stadtrat selbst beschlossen worden waren.

Die amtierende Beigeordnete für Stadtentwicklung und Umwelt, Christiane Schlonski, hatte sich anders als Krause nicht nochmals beworben. Dessaus verdiente Finanzdezernentin Sabrina Nußbeck geht zum Jahresende in den Ruhestand.

MDR (Daniel Salpius)

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