Erneuerbare Energie Orte im Landkreis Wittenberg wollen Entschädigung für hohe Windräder

Wenn Windkraftanlagen in die Jahre kommen, werden sie ausgetauscht. Neuere Anlagen sind bis zu 250 Meter hoch. Sie sollen an einigen Orten in Sachsen-Anhalt aufgestellt werden. Manche Kommunen wehren sich dagegen. Der Bürgermeister von Gräfenhainichen zum Beispiel verhandelt darüber, dass die Anlagen nachts nur bei Flugverkehr blinken sollen. In Straach fordert man als Entschädigung niedrigere Strompreise.

Drei Windräder stehen auf einem Hügel
Im Landkreis Wittenberg sollen mehrere alte Windkraftanlagen durch neuere, höhere Anlagen ersetzt werden. Einige Kommunen wollen dafür entschädigt werden. (Symbolbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Einige Kommunen in Sachsen-Anhalt fordern ein Entgegenkommen dafür, dass bei ihnen besonders hohe Windkraftanlagen aufgestellt werden sollen. Die Anlagen der neuesten Generation sind bis zu 250 Meter hoch und sollen vielerorts nun ältere kleinere Generatoren ersetzen.

Der Bürgermeister der Stadt Gräfenhainichen im Landkreis Wittenberg, Enrico Schilling (CDU), sagte MDR SACHSEN-ANHALT, als Gegenleistung könnten beispielsweise alte Fundamente zurückgebaut werden. Außerdem forderte er für die Nacht, "dass diese Anlagen nicht immerzu blinken, sondern nur, wenn sich, wie das im Amtsdeutsch heißt, Luftfahrzeuge nähern". Schilling mahnte zudem an, Abstände konsequent einzuhalten. Für Windräder gilt ein Mindestabstand von 1.000 Metern zu Grundstücken.

Bürgermeister will verhandeln

Der Gräfenhainichener Bürgermeister will sich aber nicht gegen den Windkraft-Ausbau wehren. Wo sogenannte Windpark-Eignungsgebiete ausgewiesen seien, könnten Generatoren aufgestellt oder "repowert" werden. Da lohne sich kein Widerstand. Man könne allerdings verhandeln und so das Beste für die Anwohnerinnen und Anwohner herausholen.

Das ist Repowering

Windkraftanlagen drehen sich auch bei guter Wartung nur etwa 20 bis 25 Jahre. Wenn ältere Windräder in Teilen oder vollständig gegen moderne, leistungsfähigere Modelle ausgetauscht werden, nennt man das "Repowering". Durch die schnelle Entwicklung der Windenergie-Technologie rentiert es sich oft, alte, kleine Anlagen schon vor Ablauf ihrer technischen Lebensdauer durch neue, größere zu ersetzen.

Aus der Sicht von Sachsen-Anhalts Landesverband Erneuerbare Energie wird sich die Frage nach einer Umrüstung in den nächsten Jahren für jedes dritte Windrad in Sachsen-Anhalt stellen, denn zahlreiche Rotoren drehen ihre letzten Runden und werden demnächst ausgemustert.

Der Ort Straach fordert niedrigere Strompreise

Der Ortsbürgermeister des zur Lutherstadt Wittenberg gehörenden Dorfes Straach, Klaus Eckert (Freie Wähler), sagte MDR SACHSEN-ANHALT, sein Ort habe die Belastung durch Windräder seit fast 20 Jahren. Das könne man nicht wegreden. Wenn Straach neue Anlagen bekomme, wolle man davon profitieren.

Eckert forderte einen etwas geringeren Strompreis für die Einwohnerinnen und Einwohner von Straach durch einen Bonus. Außerdem sollten Einrichtungen in Straach unterstützt werden. Der Ortsbürgermeister verwies auf Nachbargemeinden in Brandenburg, in denen bereits so gehandelt werde.

In Straach sollen demnächst statt bisher zehn kleine Windkraft-Generatoren sechs große stehen. Dieser Austausch-Prozess wird "Repowering" genannt.

Regierung will Anreize für Bürgerenergie schaffen

Die neue schwarz-rot-gelbe Landesregierung in Sachsen-Anhalt hat in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, dass die örtliche Bevölkerung direkt vom Ausbau der erneuerbaren Energien profitieren soll. Dazu heißt es konkret: "Um die Akzeptanz für die Anlagen der erneuerbaren Energien zu erhöhen, werden wir Anreize für Bürgerenergie schaffen. Damit erhöhen wir auch die regionale Wertschöpfung und schaffen Transparenz bei der Errichtung und Planung von Anlagen."

Der Ausbau der Windenergie ist in Sachsen-Anhalt ins Stocken geraten: 2019 standen landesweit 2.810 Anlagen, im Vorjahr waren es nur elf mehr. Viele Kommunen treten auf die Bremse, weil Anwohnerinnen und Anwohner sich gestört fühlen. Experten rechnen damit, dass sich die Zahl der Generatoren künftig weiter verringern kann, wenn größere Anlagen aufgestellt werden sollen.

MDR/André Damm, Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. September 2021 | 12:00 Uhr

42 Kommentare

Thommi Tulpe vor 4 Wochen

"Fliegt" jemandem aber irgendwann einmal wie in Tschernobyl oder Fukushima ein Atomkraftwerk "um die Ohren", muss der dort Ansässige dann selten noch Steuern zahlen oder "Reißaus" nehmen, von dort wegziehen.

goffman vor 4 Wochen

Unter jedem Artikel zum Thema Windkraft, lese ich, wir müssten bei Flaute teuren Strom importieren und Windkraft sei generell zu teuer. Frankreich, mit seinen KKWs, das sei doch ein Vorbild.

Zur Richtigstellung:
1. Viele KKW in Frankreich sind von der Kühlung durch Flüsse abhängig und müssen ihre Leistung reduzieren, wenn diese wenig Wasser führen. In trockenen Sommern und kalten Wintern musste Frankreich bisher oft Strom aus Deutschland importieren.
2. Die Kosten für den Rückbau und die Endlagerung werden in Frankreich systematisch zu niedrig kalkuliert. Hier kommen immense Kosten auf die französische Staatskasse zu.
3. Sowohl bezüglich des geplanten französischen Endlagers als auch der derzeit in Betrieb befindlichen KKWs gibt es einige Sicherheitsbedenken.

Richtig ist: Windkraft ist schon jetzt eine der billigsten Stromquellen und auch deutlich billiger als Atomkraft, wenn wir die Ewigkeitskosten und die Kosten potenzieller Risiken angemessen einbeziehen.

Eulenspiegel vor 4 Wochen

Also zum Strompreis nur ein Beispiel:
Mittlerweile sind die Produktionskosten für Windenergie günstiger als für Kohlestrom. Das Problem ist beide werden subventioniert. Der Kohlestrom mit Steuergelder die natürlich nicht die Stromrechnung erhöhen. Und der Windstrom mit dem EEG was über die Stromrechnung finanziert wird.

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