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Bildrechte: picture alliance/dpa | Federico Gambarini

Christopher Street DayKöthen feiert erstmals CSD – mit Unterstützung von Jan Böhmermann

15. Juni 2024, 10:20 Uhr

Zum ersten CSD in Köthen am Sonnabend haben die Veranstalter ein großes Programm auf die Beine gestellt. Politik-Talks, eine Demo, Musik, Tanz und Bühnenprogramm zum Motto: "Queer: Wir waren schon immer hier". Finanziert wird das Progamm teilweise mit Spenden von Satiriker Jan Böhmermann. Laut Polizeiangaben haben rund 380 Menschen an der Veranstaltung teilgenommen. Zu körperlichen Angriffen sei es nicht gekommen, Teilnehmende seien aber beleidigt worden.

  • Der erste CSD in Köthen, der am Samstag stattgefunden hat, sollte ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt setzen. Rund 380 Teilnehmende kamen laut Polizeiangaben zusammen. Die Feiern wurden dabei von Gegnern gestört.
  • Satiriker Jan Böhmermann hat Spenden für den CSD gesammelt – die in eine Aktionswoche und ein großes Programm geflossen sind.
  • Rund um den CSD fand bereits seit Montag eine Aktionswoche in Köthen statt.

Am Samstag hat zum ersten Mal der Christopher Street Day in Köthen stattgefunden. Unter dem Motto "Queer: Wir waren schon immer hier" hat Organisator Julian Miethig (SPD) ab dem Mittag ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz setzen und queeren Menschen in Köthen zeigen können, dass sie nicht alleine sind.

Laut Polizeiangaben nahmen rund 380 Teilnehmende am CSD teil. Die Organisatorinnen und Organisatoren rechneten mit rund 1.000. CSD-Teilnehmer seien von Gegnern beleidigt worden, sagte ein Polizei-Sprecher am Samstag. Zu körperlichen Auseinandersetzungen sei es jedoch nicht gekommen. Schon vor der Demonstration hätten Gegner Schmierereien an Hauswände angebracht. Auf dem Markt und am Bahnhof sei zudem Buttersäure verteilt worden. "Das führte zu einer Geruchsbelästigung", so der Polizeisprecher. 

Miethig (Mitte) ist Organisator des CSD in Köthen. Bildrechte: Julian Miethig

"Queere Menschen gab es schon immer in Köthen. Gerade in meiner Jugend hätte ich mir gewünscht, dass es CSD gerade auch im ländlichen Raum gibt", sagte Julian Miethig MDR SACHSEN-ANHALT. Im ländlichen Raum gebe es oft noch mehr Diskriminierung von queeren Menschen. Vielen fiele das Outing hier schwerer. Darum sei ein CSD hier besonders wichtig, sagt Miethig, der selbst in Köthen aufgewachsen ist.

Der CSD in Köthen sei aber ausdrücklich nicht ausschließlich für queere Menschen gewesen, sondern sollte alle vereinen, die Lust darauf haben, zu kommen und gemeinsam zu feiern. Der Tag sei auch eine Chance gewesen, den schlechten Ruf der Stadt beizulegen und Toleranz zu zeigen, so Miethig.

Was bedeutet "queer""Queer" ist ein Sammelbegriff für alle sexuellen Orientierungen, die nicht heterosexuell sind sowie für alle Geschlechtsidentitäten, die nicht binär oder nicht cis-gender sind. Das können zum Beispiel Menschen sein, die lesbisch, schwul, bi, transgeschlechtlich, intergeschlechtlich, genderqueer oder nichtbinär sind.

Programm wird zum Teil finanziert mit Spenden von Böhmermann

Das Programm des CSD wurde zum Teil durch Spenden vom Satiriker Jan Böhmermann finanziert. Der hatte mit der "Fest-und-Flauschig Weihnachtsgala" seines Podcasts zusammen mit seinem Kollegen Olli Schulz zwei Millionen Euro Spenden gesammelt, von denen gut 500.000 Euro an die Partnerschaft für Demokratie in Köthen gegangen sind. Das Geld wird an Projekte zur Demokratieförderung verteilt – unter anderem auch an den CSD in Köthen.

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Organisator Julian Miethig freute sich sehr über die Spende: "Dadurch konnten wir uns natürlich auch höher-klassige Künstlerinnen und Künstler besorgen, als wir das ohne Förderung hätten tun können. (...) Das Engagement von Herrn Böhmermann schätzen wir sehr, weil wir so noch mehr Queer-Sichtbarkeit erzeugen können."

Mehr Informationen zum CSD Köthen:

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Aktionswoche und buntes Programm

Rund um den CSD in Köthen fand bereits seit Montag eine Aktionswoche statt. Die Bürgermeisterin von Köthen, Christina Buchheim (Die Linke), hat als Schirmherrin des CSD bereits zusammen mit Miethig die Regenbogenflagge am Rathaus gehisst. Außerdem gab es eine bunte Stadtführung, einen Film-Empfang mit Sekt im Cine Circus, eine Führung im Tierpark und weitere Projekte.

Julian Miethig, Bürgermeisterin Christina Buchheim (die Linke) und der Vorsitzende des Jugendforums, Christoph Tischendorf, haben zusammen die Regenbogenfahne am Rathaus gehisst. Bildrechte: Stadt Köthen

Auch auf dem CSD selbst hat es ein großes Programm gegeben. Politik-Talks, einen Demonstrationszug durch die Stadt, verschiedene Bühnenprogramme und eine große Feier mit Musik haben die Veranstalter in Zusammenarbeit mit dem CSD Sachsen-Anhalt e.V. und der Partnerschaft für Demokratie auf die Beine gestellt.

Sicherheit: Zusammenarbeit mit Stadt und Polizei "sehr gut"

In vergangenen Jahren hatte es auf CSD-Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt immer wieder Vorfälle durch meist rechtsextreme Störer gegeben. Auch beim ersten Vorbereitungs-Treffen für den CSD in Köthen im Mai 2023 hatte es Probleme gegeben. "Leider gibt es immer wieder Angriffe und Pöbeleien auf den CSD", so Miethig.

Im Vorfeld der Veranstaltung wandte sich Miethig frühzeitig an Polizei und Stadt. Er äußerte sich zufrieden über die Zusammenarbeit: "Die Arbeit mit der Polizei in Köthen gestaltet sich sehr gut. Die Polizei war bei verschiedenen Vorbereitungs-Treffen vor Ort. Wir haben gemeinsam unsere Bedürfnisse abklären können." Die Polizei sei mit einem Präventions-Stand vor Ort gewesen.

Transparenz-Hinweis: Organisator Julian Miethig arbeitet als studentischer Mitarbeiter für den Hörerservice von MDR SACHSEN-ANHALT. Er ist außerdem SPD-Mitglied und Gründer des Teams "Queer4mat" aus Köthen, mit dem er schon auf vielen CSDs Videos gedreht hat.

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MDR (Leonard Schubert, Sebastian Gall), dpa

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | 13. Juni 2024 | 19:00 Uhr

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