Radwege und Bürokratie Wenn der Radweg mitten auf der Landstraße endet

Beim Radwege-Ausbau hinkt Sachsen-Anhalt vielerorts hinterher. Nicht selten sind vorhandene Wege in einem miserablen Zustand – oder sie fehlen ganz. Und bevor Radwege neu gebaut oder saniert werden, vergehen oft Jahre. Oder es passiert überhaupt nichts, etwa wenn Radwege Kreis- oder gar Landesgrenzen kreuzen. So auch in der Region Anhalt und Wittenberg.

Ein Radweg geht einfach in die Landstraße über
Der Radweg zwischen Zschornewitz und Burgkemnitz geht einfach in die Landstraße über. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT/Martin Krause

Wer mit dem Fahrrad vom Goitzschesee nach Wittenberg unterwegs ist, erlebt in Zschornewitz eine böse Überraschung: "Da fehlt ein Stück Radweg", sagt eine Zschornewitzerin, die regelmäßig nach Burgkemnitz fährt. "Schlimm und gefährlich", findet ein Mann. Der Radweg endet einfach an der Landstraße. Dabei seien auf dem Weg unglaublich viele Touristen unterwegs. "Ein sicheres Fahren ist da nicht möglich", findet er.

Der Ortsteil von Gräfenhainichen liegt im Kreis Wittenberg. Das nur wenige Kilometer entfernte Burgkemnitz gehört zur Gemeinde Muldestausee und damit zum Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Und genau da liegt das Radwege-Problem. "Warum können sich die beiden Kreise in der Planung nicht einigen?", fragt eine ältere Frau. "Wahrscheinlich geht es um die Kosten", vermutet eine andere Radlerin. Dass an einer Kreisgrenze eine Lücke klafft, kann niemand verstehen.

So ist es um die Radwege in Sachsen-Anhalt bestellt

Zwar wirbt das Land mit einem Netz aus 1.319 Kilometern straßenbegleitenden Radwegen, überregionalen und kommunalen Radrouten. Doch wenn man die Radnetze mit den Nachbarländern Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Niedersachsen vergleicht, gibt es in Sachsen-Anhalt deutlich weniger Fahrradwege.

Ärger an der Kreis- und an der Landesgrenze

Auch Martina Schön nicht. Die Ortsbürgermeisterin von Zschornewitz bemüht sich seit Jahren um den Ausbau der Radverbindung, bisher vergeblich: "Das ist ein heikles Thema, wir haben das schon mehrmals beim Landkreis Wittenberg angemeldet, aber es tut sich nichts". Dabei sind es vielleicht 700 Meter Radweg, die fehlen. Unverständnis bei der Bürgermeisterin: "Wir liegen an der touristischen Route Kohle-Dampf-Licht-Seen, viele Familien sind mit dem Rad unterwegs und beschweren sich." An der Kreisgrenze tut sich aber auf absehbare Zeit nichts.

Gar keinen Radweg gibt es nur wenige Kilometer entfernt zwischen Schwemsal und Bad Düben in Sachsen. Wenn Schwemsaler in die Kurstadt zum Einkaufen, zur Schule oder zum Arzt wollen, bleibt ihnen nur die Bundesstraße. "Auf der B107 fahren so viele Laster, das ist lebensgefährlich", beklagt sich ein Mann aus Schwemsal. Eine ältere Frau winkt ab: "Auf der Bundesstraße kann ich nicht mit dem Rad fahren, da hab ich Angst." Mehrfach hätte es schon schlimme Unfälle gegeben, sagt die Rentnerin.

Bei länderübergreifender Planung geht es nicht voran

Auf schnelle Abhilfe können die Schwemsaler aber nicht hoffen. Ein Radweg aus dem Ortsteil der Gemeinde Muldestausee über die Landesgrenze hinweg ins sächsische Bad Düben ist eine bürokratische Herausforderung, heißt es aus dem Gemeindeamt.

Wir bemängeln seit Jahren, dass es keinen fahrbahnbegleitenden Radweg an der Bundesstraße Richtung Bad Düben gibt.

Ferid Giebler, Bürgermeister der Gemeinde Muldestausee

Die Gemeinde Muldestausee sei dafür nicht zuständig. "Das Land und der Bund reagieren bisher nicht", zuckt Giebler mit den Schultern. Der Bürgermeister sieht einen erheblichen Bedarf für einem sicheren Radweg nach Bad Düben. Dafür wäre eine länderübergreifende Planung und Finanzierung notwendig. Doch es tut sich nichts.

Die Gemeinde Muldestausee ist inzwischen der Arbeitsgruppe fahrradfreundliche Kommunen beigetreten. "Im Verbund mit vielen weiteren Kommunen in Sachsen-Anhalt wollen wir mehr Druck auf Land und Bund ausüben, das die ihren Verpflichtungen nachkommen", sagt der Bürgermeister. Wohlgemerkt: es geht hier nicht um ein internationales Verkehrsgroßprojekt, so Giebler, sondern um vier Kilometer Radweg in der Dübener Heide.

Quelle: MDR/aso

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 02. November 2020 | 07:10 Uhr

5 Kommentare

Denkschnecke vor 46 Wochen

"So weit ich weis gibt es für die Radfahrer auch keine Pflicht Radwege zu benutzen."
Das ist doch leicht herauszubekommen, wenn Sie da vorbeifahren: Wenn da ein blaues Schild mit einem weißen Fahrrad drauf ist, dann ist er benutzungspflichtig, und sonst nicht.

uevchen vor 46 Wochen

Ich stimme Reiner zu. Wo Radwege sind werden diese nicht genutzt. (Reinsdorf-Apollensdorf)Diese Radwege sind keine Huckelpisten. So weit ich weis gibt es für die Radfahrer auch keine Pflicht Radwege zu benutzen. Also warum mehr bauen.

Reiner202 vor 46 Wochen

Wir haben seit Jahren einen Radweg, aber??? Niemand fährt darauf ,obwohl die B180 sehr stark befahren ist. Der Fahrradbund (Kasperverein ) kritisiert zu wenig Fahrradwege, wenn sie da sind werden nicht genutzt.

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