Gründerin im ländlichen Raum Das Gute liegt so nah: Geschäft für regionale Produkte eröffnet in Tornau

Porträtaufnahme von MDR SACHSEN-ANHALT-Reporterin Jana Müller
Bildrechte: Jana Müller

Warum Tomaten, Äpfel oder Gurken aus Spanien kaufen, wenn die auch in Sachsen-Anhalt wachsen? Das fragt sich Elke Grosskopf aus Tornau im Landkreis Wittenberg schon lange. Nun eröffnet die 51-Jährige ein Lebensmittelgeschäft in Tornau, in dem es ausschließlich Produkte aus der Region gibt. Eine Geschichte über Mut und Eigeninitiative.

Elke Grosskopf erfüllt sich ihren Traum vom eigenen Geschäft. Bildbeschreibung: Eine rothaarige Frau steht hinter einen Verkaufstresen mit Kasse. Auf dem Tresen liegen jede Menge Papiere
Elke Grosskopf steht die Vorfreude ins Gesicht geschrieben. Schon bald eröffnet sie ihren eigenen Laden in Tornau. Bildrechte: MDR/ Jana Müller

Noch sind die Körbe in den Regalen im kleinen Laden in Tornau direkt an der B2 leer. "Ich bin gerade dabei, die ersten Waren zu bestellen", sagt Elke Grosskopf und zeigt auf einen Haufen Papier vor sich auf dem Verkaufstresen. "Einen Laden umbauen ist das eine, der Papierkram ist das andere. Und meistens dauert der Papierkram länger", sagt sie lachend. Man kann ihr die Vorfreude auf die kommende Zeit richtig ansehen.

Dabei gehörte ein eigener Laden nicht unbedingt zu den Lebenszielen von Elke Grosskopf, die schon mit 14 Jahren die Gastronomie kennen und lieben lernte. 35 Jahre lang hat sie als gelernte Restaurantfachfrau in unterschiedlichen Lokalen gearbeitet, nach der Lehre hätte sie gern eine eigene Gaststätte gehabt. "Aber ich war schon immer ein Schisser. Und dann kamen die Kinder und da hätte das gar nicht gepasst." In den letzten Jahren häuften sich die gesundheitliche Probleme, sodass Elke Grosskopf die Gastronomie an den Nagel hängen musste und an einer Tankstelle arbeitete. Bis ihr Nachbar in geselliger Runde eine verrückte Idee hatte.

Elke und Rinaldo Grosskopf sind ein gutes Team. Gemeinsam haben sie den kleinen Laden in Tornau eingerichtet. Bildbeschreibung: Eine rothaarige Frau und ein Mann im schwarzen Pullover beugen sich über eine Tiefkühltruhe.
Gemeinsam mit ihrem Mann Rinaldo hat Elke Grosskopf einen leerstehenden Laden an Tornaus Hauptstraße umgebaut. Bildrechte: MDR/ Jana Müller

Wir saßen bei einem Bier zusammen und haben so geredet, dass es auf dem Dorf ja nichts mehr gibt, und dass das Rumkutschen zum Einkaufen auch keinen Spaß mehr macht. Und dann sagte mein Nachbar: 'Hier gibt es doch diesen Laden. Mach den doch auf!'

Elke Grosskopf, Laden-Betreiberin

"Ich wollte etwas Besonderes"

Eine Weile überlegen musste sie noch, verrät ihr Mann Rinaldo Grosskopf. "Ich habe ja gesehen, dass sie keinen Spaß an ihrem Job hatte. Und der Gedanke an den Laden war da. Nur der Mut nicht." Den sprachen ihr Mann, Familie und Freunde zu. Gemeinsam wurde das kleine Geschäft umgebaut und eingerichtet. Was verkauft werden soll, stand für Elke Grosskopf schnell fest:

Ich will hier keinen Tante-Emma-Laden aufmachen, mit Toast und Butter und was man so vergessen hat. Ich wollte etwas Besonderes.

Elke Grosskopf, Laden-Betreiberin

Mit regionalen Produkten will die gebürtige Brandenburgerin ihre Kunden überzeugen. Denn davon gebe es rings um Tornau so viele und so gute, sagt Grosskopf. "Wir haben hier tolle Fleischer, wir haben Obst- und Gemüsehöfe, Safthersteller, eine Molkerei. Die gibt es hier bei uns in der Region. Warum soll ich meine Ware also von sonst wo anliefern lassen, wenn es ja alles hier gibt?"

Regionale Schulbrot-Tüte für Kinder

Ein gelb-geklinkertes Haus vor einer breiten Straße. Ein Auto steht auf den Gehweg.
Direkt an der Bundesstraße 2 in Tornau lädt "Die Genuß Haltestelle" schon bald zum Anhalten ein. Bildrechte: MDR/ Jana Müller

Nach Tornau werden also künftig Wurstprodukte aus Schlaitz, Softeis aus Delitzsch, Äpfel aus Jessen oder Joghurt aus Wurzen geliefert. Außerdem feilt Elke Grosskopf schon jetzt an speziellen Angeboten für Familien und Kinder im Ort. Letztere sollen mit einer gesunden Schulbrot-Tüte versorgt werden. Für die Kraftfahrer, die auf der B2 unterwegs sind, gibt es Kaffee und leckere, regional belegte Brötchen, später vielleicht sogar ein Mittagsgericht.

Nur anhalten muss die Kundschaft dann noch, an der "Genuß Haltestelle", dem kleinen Laden mit großem regionalen Angebot in Tornau.

Porträtaufnahme von MDR SACHSEN-ANHALT-Reporterin Jana Müller
Bildrechte: Jana Müller

Über die Autorin Jana Müller, groß geworden in Gräfenhainichen, arbeitet seit 2018 bei MDR SACHSEN-ANHALT im Regionalstudio Dessau. Schon während ihres Studiums an der Martin-Luther-Universität in Halle machte Jana Müller erste Radio-Erfahrungen, danach zog es sie aber erst einmal zum Fernsehen. Für Regionalfernsehsender in Dessau-Roßlau und Bitterfeld-Wolfen war Jana Müller als Redakteurin, Moderatorin aber auch als Kamerafrau unterwegs in Anhalt und Wittenberg. Und da treibt sie sich nun auch für MDR SACHSEN-ANHALT herum.

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MDR/Jana Müller

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 23. September 2021 | 18:40 Uhr

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