Nachhaltigkeit Gröbzig: Mit schwarzen Kisten zum grünen Marktplatz

Porträtaufnahme von MDR SACHSEN-ANHALT-Reporterin Jana Müller
Bildrechte: Jana Müller

Online bestellen ist praktisch, aber gut für die Umwelt sind die vielen Pakete nicht. Etwa 900 Tonnen Verpackungsmüll pro Jahr fallen in Deutschland allein durch den Versandhandel an. "Das muss sich ändern" dachten sich Mika und Patrick Wippel und gründeten in Gröbzig im Landkreis Anhalt-Bitterfeld einen "grünen" Online-Marktplatz namens Fairfox.

Eine schwarze Plastik-Box mit einem weißen Fuchs, darauf liegen bunte Versand-Taschen
Mit diesen Mehrweg-Verpackungen wollen Mika und Patrick Wippel den Online-Versandhandel revolutionieren. Bildrechte: MDR/Jana Müller

"Wie kann es sein, dass obwohl die Leute genau wissen, wie umweltschädlich dieses ganze online bestellen ist, sie es weiter tun?" Diese Frage hat Mika und Patrick Wippel lange beschäftigt. "Es ist doch so", sagt Mika Wippel, "wenn ich online etwas bestelle, dann kommen im schlimmsten Fall drei Pakete, die meistens auch noch vollkommen überdimensioniert sind. Und zum Schluss schicke ich die Hälfte zurück. Warum es trotzdem alle machen? Weil es noch keine Alternative gibt."

Ein junger Mann im schwarzen T-Shirt bestückt eine schwarze Versandbox mit Waren. Rechts und links von ihm stehen gefüllte Regale.
Die Regale bei Fairfox sind gut gefüllt, immer mehr Händler interessieren sich für einen nachhaltigen Versand ihrer Waren. Bildrechte: MDR/Jana Müller

Um solch eine Alternative zu schaffen gründete das Paar in Gröbzig den nachhaltigen Online-Marktplatz Fairfox. Etwa ein Jahr ist das jetzt her, ein Jahr in dem sich so einiges getan hat bei Mika und Patrick Wippel. Da wäre zum einen das besondere Sortiment, dass Tag für Tag wächst. Etwa 8000 Produkte, fair gehandelt, bio-zertifiziert, nachhaltig produziert, hat Fairfox derzeit im Angebot. Das reicht vom das reicht von Bio-Spülmaschinentabs ohne Plastik bis hin zum Sofa-Kissen aus handgewebten Biostoffen. Der Bestseller sagt Patrick Wippel und lacht: "Vegane Kondome. Ich weiß nicht, warum die sich so gut verkaufen, aber wir sind echt froh, dass wir die im Sortiment haben".

Die Regale jedenfalls füllen sich, doch das eigentliche Herzstück des Marktplatzes, steht neben dem Regal. Es ist eine schwarze Plastebox mit einem weißen Fuchs-Aufdruck, die Patrick Wippel Foxbox getauft hat. "Diese Box wird entsprechend gefüllt und geht dann zum Kunden. Der Kunde packt seine Ware aus und die Box kommt wieder zu uns zurück. Somit entsteht für den Kunden kein Verpackungsmüll." Die Box kann dann wieder für den Warenversand genutzt werden und hilft so nicht nur Müll zu vermeiden, sondern vor allem Ressourcen zu sparen, erklärt Patrick Wippel.

Im Grunde genommen braucht man, um einen Karton herzustellen, der eine ähnliche Größe hat wie unsere Fox-Box etwa 55 Liter Wasser und zweieinhalb Kilogramm Holz. Und das ist natürlich eine Ressource, die bei jedem Versand verbraucht wird. Und wir sparen diese Ressource bei jedem Versand.

Patrick Wippel, Fairfox-Gründer

Und Fairfox macht noch mehr: Man optimiert das Zurück-Senden der Boxen. "Wir wollen eigentlich nicht, dass eine leere Box durch die Gegend geschickt wird. Das ist nach unserem Verständnis nicht wirklich ökologisch. Deshalb haben wir uns überlegt, dem Rückversand einen Sinn zu geben." Bevor der Kunde also die leere Box zur Post bringt, ist er eingeladen sie zu füllen. Mit Wertstoffen wie Kork oder alten Schuhen, mit Batterien oder sogar alten Handys. All diese Dinge werden bei Fairfox gesammelt und dann von Partnerorganisationen recycelt.

Eine tolle Idee, für die das Paar zuletzt sogar ausgezeichnet wurde, mit dem Sonderpreis des Reiner-Lemoine-Innovationspreises Anhalt-Bitterfeld. Eine Würdigung, auf die die Gründer stolz sind.

Eine junge Frau im bunten Kleid und ein Mann im schwarzen T-Shirt lächeln in die Kamera. Sie halten einen symbolischen Scheck in den Händen,
Bildrechte: MDR/Jana Müller

Doch es gibt noch viel zu tun. Noch ist es zum Beispiel so, dass nicht jede Fairfox-Lieferung in der Mehrweg-Plaste-Box kommt. Patrick Wippel erklärt warum: "Für uns hat immer oberste Priorität, dass der Auftrag, den wir versenden, ökologisch Sinn macht. Wenn ich ein Produkt habe, das für die Fox-Box zu klein ist, dann wählen wir natürlich eine Verpackung, die entsprechend passt, wir wollen ja keine Luft versenden. Dann versuchen wir aber in den meisten Fällen recycelte Kartonagen zu verwenden. Wir kriegen ja viele Kartons von den Händlern, da werden dann die alten Etiketten abgemacht und dann wird die Pappe nochmal verschickt."

Rot-Weiße Versandtasche mit weißen Adressaufkleber
Die Fox-Bags sind gerade in der Testphase. In ihnen können textile Produkte versendet werden, danach schickt man die Tasche zurück zu Fairfox. Bildrechte: MDR/Jana Müller

Die Fox-Boxen selbst könnten noch beliebig weiter entwickelt werden. Denkbar wäre sie mit GPS auszustatten oder mit Kühl-Akkus, um dann auch gekühlte Lebensmittel in den schwarzen Kisten quer durch Deutschland zu schicken. Und auch andere Mehrwegverpackungen sind gerade in der Testphase: Kleine stabile Taschen, Fox-Bags genannt, auf die Mika Wippel besonders stolz ist. "Uns war es sehr wichtig bereits vorhandene Ressourcen zu nutzen. Deshalb werden unsere Versand-Taschen aus alten Zementsäcken hergestellt, also quasi ein Upcycling. Und die sind so hübsch geworden, dass schon von einigen Kunden die Frage kam, ob sie die Taschen nicht behalten können."

Das ginge natürlich, sagen Wippels, auch die Foxbox könnte der Kunde theoretisch kaufen und behalten. Doch dann sei der Mehrweg-Gedanke nicht mehr erfüllt und um den ginge es ja. "Wenn man das den Kunden nochmal erklärt, schicken die meisten ihre Box doch zurück", sagt Mika Wippel, die sich über das zunehmende Interesse an Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Bevölkerung freut. "Mit Fairfox wollen wir den Menschen auch einen Einstieg in das Thema Nachhaltigkeit ermöglichen, der Versand kostet bei uns deshalb auch nicht mehr als anderswo. Den Rückversand nehmen wir auf unsere Kappe. Das ist sozusagen unser Beitrag."

Ein mehrstöckiges weißes Bürogebäude vor blauem Himmel
Am Ortsrand von Gröbzig liegt das Fairfox-Lager von Fairfox. Hier befand sich früher die bekannte Spinndüsen-Fabrik. Bildrechte: MDR/Jana Müller

Der Kurs bei Fairfox jedenfalls steht auf Wachstum, immer mehr Händler interessieren sich für den Mehrwegsversand,. Das bedeutet auch, dass immer mehr Waren über den grünen Online-Marktplatz angeboten werden können. Gerade erweitern Wippels ihr Lager, haben eine extra Etage angemietet, in dem alten Hochhaus am Rande der kleinen Stadt Gröbzig. Hier wurden einst Spinndüsen hergestellt mit der die Textil-Industrie revolutioniert wurde. Und vielleicht geht von Gröbzig ja noch einmal eine kleine Revolution aus: Der Wandel des Online-Versandhandels.

MDR/ Jana Müller

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | MDR SACHSEN-ANHALT | 10. September 2021 | 07:10 Uhr

1 Kommentar

DanielSBK vor 48 Wochen

Gibts da auch einen deutschen Namen dafür ??

"FairFox" .... wieder nur Anglizismen.

Pakete müßten generell 20€ oder mehr im Versand kosten. Und außerdem ist die größte "Umwelts** (WDR-Sprech)" Amazon! Aber die arbeiten mit niemanden zusammen und machen alles alleine. Verpacken, Versenden über eigene Fahrer .... und vernichten Retouren bzw. schreddern NEUE Sachen, bloß weil irgendwo eine Ecke an der Verpackung eingebogen ist. DAS ist der Skandal!

Von daher ist dieser "Start-up" hier total Sinnfrei.

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Historisches Bild von der Flut in Bitterfeld: Zerstörter Krankenhauskeller. 4 min
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