Porträt Christian Tylsch: Das ist der neue Wittenberger Landrat

MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Lucas Riemer
Bildrechte: Magnus Wiedenmann

Die Entscheidung hätte kaum deutlicher ausfallen können: Mit 81,4 Prozent der Stimmen hat der CDU-Mann und Haseloff-Vertraute Christian Tylsch am Sonntag bei der Landratsstichwahl im Kreis Wittenberg gegen Frank Luczak (AfD) gewonnen. Nach 20 Jahren übernimmt damit wieder ein Christdemokrat den Chefposten in der Wittenberger Kreisverwaltung. Wer ist der neue Landrat? Ein Porträt.

Seit Sonntagabend um kurz nach 20 Uhr ist klar: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) muss in Magdeburg künftig auf einen wichtigen Vertrauten verzichten. Denn Christian Tylsch (CDU), der seit fünf Jahren Haseloffs Büro in der Magdeburger Staatskanzlei leitet, ist zum neuen Landrat des Kreises Wittenberg gewählt worden. Mit 81,4 Prozent der Stimmen setzte sich Tylsch bei der Stichwahl mehr als deutlich gegen den letzten verbliebenen Mitbewerber Frank Luczak von der AfD durch.

Bei einer kleinen Feier in Wittenberg verfolgten Tylsch und Haseloff auf dem Laptop die Zwischenstände der Auszählung, die auf der Webseite des Landkreises veröffentlicht wurden. Schon früh zeichnete sich dabei eine klare Tendenz zu Gunsten des CDU-Mannes ab. Nachdem das vorläufige Endergebnis feststand, war Haseloff einer der ersten Gratulanten seines Noch-Büroleiters, den er zuvor bereits im Wahlkampf unterstützt hatte.

Landrat im zweiten Versuch

Tylsch, 38, ist in Wittenberg geboren und in Coswig aufgewachsen, wo er auch heute lebt. Er engagiert sich ehrenamtlich als Verwaltungsrat beim Augustinusverein, dem Trägerverein des Augustinuswerks, und gilt als gut vernetzt in der Region um Wittenberg.

Seinen politischen Ehrgeiz hat der studierte Politikwissenschaftler und Berufspädagoge früh deutlich gemacht. Seit 2007 sitzt er im Wittenberger Kreistag, zuletzt als Vorsitzender der CDU-Fraktion. Bereits 2014 wollte er Landrat des Kreises Wittenberg werden, unterlag damals aber dem Amtsinhaber Jürgen Dannenberg von der Linken. Statt ins Wittenberger Landratsamt ging es für Tylsch zunächst in die Magdeburger Staatskanzlei. Sieben Jahre später wird er nun im zweiten Anlauf Chef der Kreisverwaltung in Wittenberg.

Ich möchte konkretes Arbeiten, bei dem man hinten heraus sieht, was passiert.

Christian Tylsch, neuer Landrat im Kreis Wittenberg

Tylsch tritt freundlich und zurückhaltend auf, hat im Wittenberger Kreistag aber gezeigt, dass er politischem Streit nicht aus dem Weg geht. Das will er künftig als Landrat weiterhin so handhaben. "Man kriegt im Zweifel auch mal was auf die Finger, wenn etwas schiefläuft. Dieses konkrete Arbeiten, bei dem man hinten heraus sieht, was passiert, das möchte ich", sagt Tylsch MDR SACHSEN-ANHALT.

Die Härte und Anzahl der Auseinandersetzungen dürfte dabei in den kommenden Jahren für Tylsch eher zunehmen. Zum Beispiel, wenn er mit den Bürgermeistern des Kreises über die Höhe der Kreisumlage und über kommunale Finanzplanungen wird streiten müssen.

Kontakte als Türöffner?

Reiner Haseloff
Tylsch war Büroleiter von Ministerpräsident Reiner Haseloff. (Archivbild) Bildrechte: imago images / Susanne Hübner

Außerdem steht Tylsch in der Pflicht, Fördermittel aufzutreiben – auch, um seine Wahlversprechen umzusetzen. Er hat angekündigt, neue Wirtschaftsansiedlungen ermöglichen und den ländlich geprägten Kreis modernisieren zu wollen. Letzteres will er etwa durch den Anschluss der Schulen an schnelles Internet und die Verbesserung der medizinischen Versorgung auf dem Land schaffen.

Hilfreich könnten dabei die Kontakte in die Landesministerien sein, die er als Haseloffs Büroleiter knüpfen konnte, glaubt Tylsch. "Die Erfahrung in der Staatskanzlei ist für mich Gold wert: wie solch große Verwaltungseinheiten gesteuert werden, worauf man achten muss. Und natürlich die Kontakte in jedes Ministerium, in jedes Verwaltungsamt, überall kennt man jetzt die Ansprechpartner", sagt Tylsch.

Tylsch privat: "Familie, Freunde und Garten"

Privat gibt sich der neue Wittenberger Landrat bodenständig. "Familie, Freunde und Garten" seien seine Freizeitinteressen, so Tylsch. Da er künftig nicht mehr beinahe täglich nach Magdeburg pendeln muss, hofft er, abends etwas mehr Zeit für sein Privatleben zu haben. Die wolle er nutzen, um wieder mit dem Joggen zu beginnen, Freunde zu treffen und sich mit seiner Lebensgefährtin um den gemeinsamen Hund zu kümmern.

Erster CDU-Landrat in Wittenberg seit 2001

Im Kreis Wittenberg, Heimat von Regierungschef Haseloff und Ex-CDU-Ministerpräsident Wolfgang Böhmer, wird Tylsch der erste christdemokratische Landrat seit Wulf Littke, der das Amt bis 2001 innehatte. In der Zwischenzeit waren Hartmut Dammer (SPD, später parteilos) und seit 2007 Jürgen Dannenberg von der Linken die Chefs der Wittenberger Kreisverwaltung. Dannenberg, der in diesem Jahr nicht mehr zur Wahl antrat, war zuletzt in die Kritik geraten, weil er sich schon vor dem offiziellen Impfstart in Deutschland gegen das Coronavirus hatte impfen lassen.

Seine Ernennungsurkunde soll Tylsch beim Kreistag am 12. Juli erhalten. Bis dahin bleibt er Büroleiter von Reiner Haseloff in Magdeburg. Drei Wochen Zeit bleiben dem Ministerpräsidenten also noch, um eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für Tylschs Posten in der Staatskanzlei zu finden.

MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Lucas Riemer
Bildrechte: Magnus Wiedenmann

Über den Autor Lucas Riemer arbeitet seit Juni 2021 bei MDR SACHSEN-ANHALT. Der gebürtige Wittenberger hat Medien- und Kommunikationswissenschaft in Ilmenau sowie Journalismus in Mainz studiert und anschließend mehrere Jahre als Redakteur in Hamburg gearbeitet, unter anderem für das Magazin GEOlino.

Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichtet er vor allem über kleine und große Geschichten aus den Regionen des Landes.

MDR/André Damm, Lucas Riemer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 21. Juni 2021 | 17:00 Uhr

2 Kommentare

Scooter vor 4 Wochen

20 Jahre LINKEr Stillstand mit SelbstbedienungsImpfung wird CDU die Wirtschaft der Region ankurbeln.
Christian Tylsch bringt alle demokratischen Voraussetzungen mit. Wähler hatten es leicht, denn braune Volksspalter sind überflüssig wie Kropf.

Dan vor 4 Wochen

Ein spitzen Typ! Von diesem Typ müsste es mehr in der Politik geben!

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