Nachhaltige Produktion in Cobbelsdorf Wie aus Maisgrieß Kunstschnee und Verpackungsmaterial entsteht

Susanne Reh, Redakteurin im MDR-Studio Dessau-Roßlau
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Niemand weiß, wie der Winter wird. Aber wer Schnee sehen will, der ist auf jeden Fall in Cobbelsdorf richtig. Denn ein kleines Unternehmen produziert hier nachhaltig Kunstschnee und Verpackungschips.

Bunte Maischips auf einer Hand
Die Verpackungschips werden nicht aus Erdöl, sondern aus Weizen- oder Maisgrieß hergestellt. Bildrechte: MDR/ Susanne Reh

Nobert Sittig hält ein Feuerzeug an einen Verpackungschip. Der ist weiß, hat die Form eines Erdnussflips und brennt nicht. Nicht der einzige Vorteil, den das kleine weiße Ding hat. Denn Sittigs Verpackungsmaterial wird aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt und ist biologisch abbaubar. "Unsere Firma existiert seit 1994. Mein Vater hat sie gegründet. Wir haben begonnen, aus Naturstoffen Dämm-Material für die Bauwirtschaft zu produzieren. Aber in unserer Branche ist es wichtig, immer neue Anwendungsgebiete zu erschließen", erzählt Sittig über sein Unternehmen "Cobbelsdorfer Naturstoffe".

Eine dieser Anwendungen sind die Verpackungschips. Die werden nicht aus Erdöl, sondern aus Weizen- oder Maisgrieß produziert. Die Säcke mit dem Material liegen auf einer Palette am Eingang zur Werkhalle in Cobbelsdorf, einem Stadtteil von Coswig im Landkreis Wittenberg. Das Ausgangsprodukt kommt ebenfalls aus Sachsen-Anhalt – von der Saalemühle in Alsleben. Norbert Sittig kippt die Masse in einen Riesenmischer. In der Anlage, die sich Extruder nennt, gewinnt das Getreide unter Druck und Hitze an Volumen.

Maschinen nicht ausgelastet

Die Technik des Aufschäumens wird in ähnlicher Form auch bei der Produktion von Cornflakes angewendet. Am Ende wird das aufgeschäumte Material durch eine Schablone mit Löchern gepresst und abgeschnitten. Die Chips landen in weißen Säcken. Damit werden sie deutschlandweit ausgeliefert. Und darüber hinaus, denn Sittig hat auch Kunden in den Niederlanden, der Schweiz und Österreich.

Bis zu 75.000 Liter Verpackungsmaterial könnten die Maschinen von Norbert Sittig täglich herstellen. Doch an diese Menge komme die Auftragslage nicht heran, obwohl der Preis und die Qualität den auf Erdölbasis eingesetzten Produkten in Nichts nachstehe. "Wir reden nicht nur von ökologischem Handeln, sondern tun es", sagt der Geschäftsführer dennoch.

Ein Weihnachtsbaum ist mit Kunstschnee bestreut
Neben Verpackungsmaterial wird in Cobbelsdorf auch Kunstschnee hergestellt. Bildrechte: MDR/ Cobbelsdorfer Naturstoff GmbH

Nicht lecker, aber nützlich

Doch kann man Verpackungsmaterial aus nachwachsenden Rohstoffen essen? Der Firmeninhaber schmunzelt und bejaht die Frage: "Hat nur keinen Nährwert und schmeckt nach nichts. Wenn man die Chips mit Ketchup isst, schmecken sie eben nach Ketchup". Dank Lebensmittelfarbe gibt es die Chips übrigens auch in tiefblau, quietschgelb oder knallpink. Sie eignen sich also auch zum Spielen und Basteln.

Kunstschnee für "Stalingrad“

Die Firma aus Cobbelsdorf stellt nicht nur Verpackungschips, sondern auch Kunstschnee her. "Wir haben damit schon viele Filmproduktionen ausgestattet. Unser Kunstschnee war zum Beispiel in den Kinofilmen "Stalingrad" und "Das Parfüm" zu sehen", erzählt Sittig stolz. Beliefert werden mit dem Kunstschnee auch Weihnachtsmärkte sowie Deko - und Bastelläden.

Für den Köthener Karnevalsumzug im vergangenen Jahr hat Sittig buntes Konfetti geliefert. Der Vorteil? "Das muss nicht zusammengefegt werden, sondern kann einfach liegen bleiben. In Verbindung mit Wasser schmilzt das Produkt, das zu 90 Prozent aus pflanzlicher Stärke besteht, einfach weg oder verrottet", so Sittig.

Susanne Reh, Redakteurin im MDR-Studio Dessau-Roßlau
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über die Autorin Susanne Reh arbeitet seit Anfang 1994 bei MDR SACHSEN-ANHALT, meist im Regionalstudio Dessau. Ihre Schwerpunkte sind Themen aus dem Kultur- und Sozialbereich. Ob Weill-Fest in Dessau, Luther in Wittenberg oder Dessau-Wörlitzer Gartenreich, die Autorin fängt Themen für Radio, Fernsehen und Online mit Mikrofon und Kamera ein. Ihre besondere Leidenschaft gilt den "Geschichten aus Sachsen-Anhalt" jeden Sonntagvormittag bei MDR SACHSEN-ANHALT. Bevor sie zum Radio kam, hat sie in Halle Literatur und Geschichte studiert. Die zweifache Mutter stammt aus Sachsen-Anhalt, aus dem Mansfelder Land. In ihrer Freizeit trifft man sie auf dem Fahrrad, Motorrad oder beim Joggen oder Schwimmen an. Ihre Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind deshalb die Goitzsche bei Bitterfeld und der Geiseltalsee.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. November 2020 | 07:40 Uhr

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