Elbe Fähre Pretzsch hat neuen Pächter

MDR-Reporter André Damm
Bildrechte: André Damm

Bis zu 300 Fahrzeuge befördert die Fähre von Pretzsch an guten Tagen über die Elbe. Anders als andere schwimmende Brücken im Land ist sie in privater Hand. Das Sagen hat seit kurzem Mario Richter, der zuvor sechs Jahre beim früheren Pächter angestellt war. Über seine ersten Schritte als Unternehmer und seinen sorgenvollen Blick in Richtung Winter.

Fähre Pretzsch hat privaten Pächter
Die Fähre Pretzsch überquert pro Tag 30 bis 40 Mal die Elbe. Bildrechte: MDR/André Damm

Das Wasser glitzert wie Silber. Die Elbe windet sich wie ein Aal. Und schon ist die Fähre wieder von Mauken zurück. In Pretzsch. Es dauert ein bisschen, bis alle Fahrzeuge die schwimmende Brücke verlassen haben. Viele fahren langsam, damit sie mit dem Fahrzeugschweller nicht aufsetzen. Trotzdem ist ab und zu ein häßliches, schürfendes Geräusch zu hören. "Sie müssen schräg herunterfahren!", ruft Mario Richter einigen Autofahrern hinterher. Er schüttelt dabei den Kopf.

Fähre Pretzsch hat privaten Pächter
Mario Richter trägt die wirtschaftliche Verantwortung für die Fähre Pretzsch. Bildrechte: MDR/Mario Richter

Der Mann mit den tätowierten Unterarmen ist angekommen in seinem neuen Leben als Unternehmer. Seit gut acht Monaten ist er Pächter der Pretzscher Fähre, die er bestens kennt. Denn vorher war er sechs Jahre lang beim früheren Fähr-Pächter angestellt. "Ich wusste deshalb, was mich erwartet. Naja, einiges hatte ich auch nicht erwartet", sagt Richter und lächelt schief.

300 Kilogramm schwerer Anker beschädigt

So war es gleich zur Beginn seiner Arbeit als neuer Pächter der Fähre zu einer Havarie gekommen. Am zweiten Januar-Wochenende hatte das Elbehochwasser die Fähre Richtung Ufer gespült. Als dann der Wasserstand plötzlich um einen halben Meter zurückging, blieb die Fähre liegen und dadurch wurde der knapp 300 Kilogramm schwere Anker in Mitleidenschaft gezogen. Ein Schiff musste kommen und die Pretzscher Fähre wieder ins Wasser ziehen. Der Hauptanker wurde neu angelegt und zusätzlich ein zweiter installiert. "Daraus lernt man", sagt der 51-Jährige.

Ansonsten ist der dreifache Vater mit dem Geschäft bisher zufrieden. Die Auslastung der Fähre sei gut, an den Wochenenden sogar sehr gut. Für den Wittenberger Südkreis ist die schwimmende Brücke eine wichtige Verbindung nach Jessen und damit nach Brandenburg. 30 bis 40 Mal geht es in einer Schicht hin und her. Ganz früh sind es die Pendler, die die Elbe überqueren müssen, dann kommen die Radtouristen und die Transporter-Fahrer. An guten Tagen werden 300 Fahrzeuge ans andere Ufer gebracht.

Mario Richter: "Im Winter wird es eng"

Doch Mario Richter denkt auch an die kalten und dunklen Monate, die bevorstehen. "Wir können im Sommer davon leben, aber im Winter wird es eng. Deswegen müssen wir das Geld im Sommer verdienen. Zur Zeit gelingt uns das." Richter kann dabei auf eine schlagkräftige Truppe zurückgreifen: drei ausgebildete Fährmänner und einen Lehrling.

Unterstützt wird er auch von Uwe Zeidler, dem früheren Pächter der Elbfähre in Elster. Zeidler wollte nicht mehr selbstständig sein, aber noch ein bisschen arbeiten. Er kennt somit beide Seiten – als Chef und als Angestellter. "Als einfacher Mitarbeiter setze ich mich nach der Arbeit ins Auto und fahre nach Hause. Als Chef dagegen bist du für alles verantwortlich. Ob es technische Defekte sind, die Buchhaltung oder ob die Elbe viel oder wenig Wasser führt. In meinem Alter ist mir das zu viel Stress." Dennoch scheint es in Pretzsch gut zu laufen, erzählt der über 60-Jährige, besser jedenfalls als in Elster.

"Eigentlich ist eine Fähre eine öffentliche Straße"

Fähre Pretzsch hat privaten Pächter
Im Januar war die Fähre auf Grund gelaufen. Bildrechte: MDR/André Damm

In Elster betreibt mittlerweile die Stadt Zahna-Elster die Fähre mit eigenem Personal, weil trotz mehrerer Ausschreibungsrunden kein privater Pächter gefunden werden konnte. Zeidler findet das vernünftig. "Eigentlich ist eine Fähre eine öffentliche Straße. Da hat die Kommune auch eine besondere Verantwortung." Doch die Stadt Bad Schmiedeberg, der die Pretzscher Fähre gehört, setzt weiter auf das private Betreibermodell. Bürgermeister Martin Röthel sieht keinen Grund, daran etwas zu ändern. "Wir fahren sehr gut damit, dass wir die Fähre verpachten. Das hat in der Vergangenheit und auch jetzt gut funktioniert."

Auch Pächter Mario Richter hofft, dass es ein Erfolgsmodell wird. Doch der neue Mann auf der schwimmenden Brücke ist auch vorsichtig und will erst einmal die Wintermonate abwarten, wenn die Passagierzahlen deutlich zurückgehen werden.

MDR (André Damm, Daniel Salpius)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. August 2022 | 06:30 Uhr

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