Integration und Fußball-Liebe FC Victoria Wittenberg zum "Verein des Monats" gewählt

30. Mai 2023, 15:50 Uhr

Für den FC Victoria Wittenberg ist der Mai in diesem Jahr wirklich ein Wonnemonat. Denn der Landessportbund Sachsen-Anhalt (LSB) hat den noch jungen Fußballverein zum "Verein des Monats" gekürt. In Lutherstadt Wittenberg werden die Schwerpunkte Ehrenamt, soziales Engagement sowie Kinder- und Jugendförderung besonders hervorgehoben. So begründete der LSB die Auszeichnung, über die sich auch eine NachwuchsTrainerin des FC Victoria freuen durfte.

Stolz steht sie in der Mitte des Kreises, den die F-Jugend des FC Victoria Wittenberg für sie gebildet hat. Nach einem lauten und aus vielen jungen Kehlen schallenden "Wir sind ein Team. 1, 2, 3 – Alizeta" wird das Fußballtraining beendet. Alizeta Zoungrana klatscht lächelnd in die Hände und zeigt mit dem nach oben gestreckten Daumen, was sie von dieser netten Geste ihrer Trainings-Gruppe hält.

Integration und Fußball-Liebe

Diese Trainings-Gruppe, das sind die sieben bis neunjährigen Nachwuchs-Kickerinnen und -Kicker des erst 2014 aus der Taufe gehobenen FC Victoria Wittenberg, einem Verein, der sich unter anderem eines auf die Fahnen geschrieben hat: die Integration aller, die den Fußball lieben. Egal, wo der oder die Einzelne herkommt. Ein Konzept, das schon auf so vielen Ebenen Anklang gefunden hat und dementsprechend gewürdigt wurde. So zum Beispiel auch 2021 mit dem renommierten Julius-Hirsch-Preis, der für Vereine reserviert ist, die sich für Anerkennung und Respekt engagieren und bei denen Diskriminierung und Ausgrenzung keinen Platz haben.

Das alles gehört auch zum sogenannten Ehrenkodex des FC Victoria Wittenberg. Und für das alles steht beim FC Victoria keine so wie Alizeta Zoungrana, eine der ehrenamtlichen Trainerinnen und die gute Seele der dortigen F-Jugend.

Gleichstellungsbeauftragte und Trainerin

Geboren wurde Alizeta Zoungrana vor 49 Jahren in Burkina Faso. 2007 kam sie aus privaten Gründen nach Deutschland. Seit 2011 lebt sie in Lutherstadt Wittenberg und seit 2018 ist sie im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft. Bevor sie nach Deutschland kam, hat Alizeta Zoungrana in Bobo-Dioulasso – der zweitgrößten Stadt im westafrikanischen Burkina Faso – gelebt und in der Hauptstadt Ouagadougou als Buchhalterin in einem Krankenhaus gearbeitet.

Mittlerweile ist die zweifache Mutter als Mitarbeiterin der Gleichstellungsbeauftragten im Bereich Integration bei der Stadtverwaltung der Lutherstadt Wittenberg tätig und beim FC Victoria nicht nur Trainerin, sondern auch im Vorstand.

Ein Flur-Gespräch im Wittenberger Rathaus führte Alizeta Zoungrana vor ein paar Jahren zum FC Victoria. Ein Kollege im Rathaus überredete sie mitzumachen, denn dieser Kollege wusste, dass Alizeta Zoungrana in Burkina Faso selbst Fußball gespielt und in Deutschland eigenständig einen Übungsleiter-Schein gemacht hat.

Deutsche Fußball-Sprache als Herausforderung

Darum steht die lebensfrohe gebürtige Westafrikanerin zusammen mit anderen Trainern nun zweimal die Woche mit dem Wittenberger Nachwuchs auf dem Platz, erklärt Übungen und korrigiert, wo es nötig ist. Sechs Sprachen spricht Alizeta. Eine besondere Herausforderung war für sie am Anfang aber vor allem die deutsche Fußball-Sprache. "Dribbeln, passen, Torschuss", sagt sie lachend, das sei nicht so einfach zu verstehen gewesen.

Frauen-Team entwickeln

Fast 30 Kinder tummeln sich mittlerweile in ihrer Trainings-Gruppe, darunter viele Mädchen. Deshalb möchte der Verein für das kommende Jahr ein neues Ziel angehen: Ein eigenes Mädchen-Team ins Rennen schicken, aus dem sich vielleicht später ein Frauen-Team entwickelt, das nicht nur den FC Victoria Wittenberg bereichern würde, sondern den gesamten Fußball in Sachsen-Anhalt. Wer beim Aufbau des Mädchen-Teams helfen soll, na klar, Alizeta Zoungrana.

MDR (Marco Pahl, Moritz Arand)

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 30. Mai 2023 | 19:00 Uhr

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