Schmähplastik aus Wittenberg Theologin Käßmann kritisiert BGH-Urteil: "Die 'Judensau' ist eine Hassbotschaft"

Nachdem der Bundesgerichtshof geurteilt hat, dass das "Judensau"-Relief an der Wittenberger Kirche bleiben darf, äußert Margot Käßmann Kritik. Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland sagt, die Plastik beleidige auch heutige Juden.

Margot Käßmann kritisiert das BGH-Urteil zur 'Judensau'
Margot Käßmann kritisiert das BGH-Urteil zum Wittenberger "Judensau"-Relief. Bildrechte: IMAGO / photo2000 / epd

Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zur Wittenberger "Judensau" als "falsche Entscheidung" bezeichnet. Das Gericht hatte am vergangenen Dienstag entschieden, dass die judenfeindliche Schmähplastik weiter an der Stadtkirche der Lutherstadt Wittenberg bleiben darf. "Ich finde die Entscheidung falsch", schreibt Käßmann in ihrer Kolumne in der "Bild am Sonntag".

Anfangs habe sie auch gedacht, eine entsprechende Bodenplatte erkläre die Skulptur doch als historisch. "Aber die 'Judensau' beleidigt schlicht auch heute Jüdinnen und Juden", schreibt die frühere Landesbischöfin von Hannover und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die evangelische Kirche habe erst vor wenigen Jahren begonnen, ihre antijudaistischen Züge aufzuarbeiten. "Martin Luther hat in Wittenberg gegen Juden gehetzt", formuliert Käßmann. Und weiter:

Die 'Judensau' ist eine Hassbotschaft. Und Hassbotschaften gehören nicht in den öffentlichen Raum.

Margot Käßmann, frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Das Urteil des Bundesgerichtshofs

Der Bundesgerichtshof hatte die Klage gegen das vorinstanzliche Urteil des Oberlandesgerichtes Naumburg zurückgewiesen. Der Kläger, Mitglied einer jüdischen Gemeinde, hatte die Abnahme des Sandsteinreliefs aus dem 13. Jahrhundert verlangt, weil er dadurch das Judentum und sich selbst diffamiert sieht.

Der Vorsitzende Richter Stephan Seiters sagte zur Begründung, der Kläger könne nicht die Entfernung verlangen, weil es an einer "gegenwärtigen Rechtsverletzung" fehle. Isoliert betrachtet verhöhne und verunglimpfe das Relief das Judentum als Ganzes, räumte das Gericht aber ein.

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Mittelalterliche Judensau, ein Schmäh- und Spottbild an der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg 5 min
Bildrechte: IMAGO / epd

epd, MDR (Johanna Daher)

39 Kommentare

Burgfalke vor 1 Wochen

Es war lediglich eine Frage! Ist diese Frage etwa verboten?
Zumindest scheinbar bei einem hier?

@Ilse, hat sie beantwortet.

@Hanka2,

leider ist das kein typisch D. - "Alleinstellungmerkmal" hier in Europa! Das ist allerdings vielen Bürgern nicht bekannt. Ihnen vielleicht bisher auch nicht?
Egal, ob hier oder woanders, es ist zu verurteilen!

faultier vor 1 Wochen

Frau Käsmann sollte sich mal mit der aktuellen Documenta befassen ,da ist die Judensau ja noch harmlos was dort unter Kunst so antisemitisch abgeht ,da soll sie sich äussern die Judensau läuft nicht weg.

Erfortianus vor 1 Wochen

Ging glaube ich um Wittenberg - nicht um Erfurt, nicht um Deutschland und nicht um Europa.
Denn dann könnte noch viel mehr geschrieben werden, u.a. die Hugenotten in Frankreich oder auch Protestanten in Deutschland etc.
Es waren Mönche die einst unsere Lande ins Christentum führten, die Reformation hat lediglich die Christen gespalten.
Alle anderen Glaubensrichtungen kamen durch Zuwanderung oder Eroberungen (Islam - Spanien) hierher, wobei bei Letzterem das Christentum obsiegte.
Sog. Judensäue, die bereits im 12. Jahrhundert entstanden (Goslar 1150), stellen eben eine Form der Christlichen Weltanschauung jener Zeit dar. Wer sich seit dem hier niedergelassen hat, tat dies dennoch - trotz dieser Abbildungen.
Sie sind Teile der Geschichte, ebenso wie "Antiprotestantische" Bilder in katholischen Kirchen.

Geschichte!! Damals erlaubt.. sag ich nur. Wir können auch jedes Gebäude einreisen lassen, dass den heutigen Neubaubestimmungen wiederspricht, jedoch eben nicht Jenen der Erbauungszeit.

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