Wegen Umweltbedenken Streit über geplante Mülldeponie bei Ferropolis

Nahe der Baggerstadt Ferropolis bei Gräfenhainichen soll eine große Mülldeponie entstehen, doch die Pläne sorgen seit Monaten für Streit im Landkreis Wittenberg. Nahezu alle Anwohner rings um Gräfenhainichen sind dagegen, auch wegen möglicher Schäden für die Umwelt. Seit Montag sind die Pläne nun öffentlich einsehbar. Das Landratsamt rechnet mit einer Rekordzahl an Einwänden.

Ein Braunkohlebagger in Ferropolis
Ein Braunkohlebagger in Ferropolis. Die Baggerstadt ist heute Industriedenkmal und vielbeachtetes Veranstaltungsareal. Bildrechte: imago images/Steffen Schellhorn

Im Landkreis Wittenberg gibt es Streit um den Bau einer großen Mülldeponie. Sie soll in der Nähe der Baggerstadt Ferropolis bei Gräfenhainichen entstehen. Die Planungen liegen nun öffentlich aus.

Landrat rechnet mit Flut an Beschwerden

Der Landrat des Kreises Wittenberg, Christian Tylsch, sagte, er erwarte eine Flut von gewichtigen Beschwerden. Denn der Streit um die Deponie tobt seit neun Monaten. Und laut Tylsch haben sich fast alle Anwohner rings um Gräfenhainichen im Vorfeld gegen die Deponie ausgesprochen. Auch Nachbarkommunen wie die Lutherstadt Wittenberg und Dessau-Roßlau haben ihr Veto eingelegt.

Bürgerinitiative fordert Gutachten

Eine Bürgerinitiative namens "Auf der Kippe" hofft, dass sich die Planungen hinziehen werden. Denn noch ist ein Gutachten in Arbeit, das beweisen soll, dass die geplante Mülldeponie das benachbarte Trinkwasserschutzgebiet bedroht. BI-Mitglied Bernd Gottschalk äußerte die Hoffnung, dass sich viele Menschen aktiv einbringen: "Man kann nicht gegen alles sein. Man kann nicht alles ablehnen, aber vernünftige Gründe und vernünftige Einwände, die müssen gehört werden. Und dann müssen natürlich auch die Bürger gehört werden. Das ist sehr wichtig."

Man kann nicht alles ablehnen, aber vernünftige Gründe und vernünftige Einwände, die müssen gehört werden

Bernd Gottschalk Bürgerinitiative "Auf der Kippe"

Die ebenfalls in der Bürgerinitiative organisierte Jüdenberger Ärztin Bettina Albrecht bemängelte im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT die bisherige Kommunikation zu der geplanten Deponie. So habe man auf Fragen, die man gestellt habe – etwa zur Standsicherheit, zur Trinkwasserproblematik oder zur Gesundheitsschädigung durch Asbeststaub – noch keine Antworten bekommen.

Pläne sind seit Montag öffentlich

Seit Montag liegen nun die Pläne für die Deponie sowohl in der Wittenberger Kreisverwaltung als auch in der Stadtverwaltung von Gräfenhainichen öffentlich aus. Außerdem wurden die Dokumente im Internet veröffentlicht. Tylsch sagte MDR SACHSEN-ANHALT zum weiteren Verlauf: "Alle Träger der öffentlichen Belange, also Firmen, Unternehmen, Verbände, Bürger, Parteien, Stadträte, können sich jetzt dazu äußern und ihre Hinweise, Bedenken und Wünsche vortragen. Und wenn der Prozess abgeschlossen ist, dann werden all diese Eingaben gesichtet, bewertet und abgewogen." Zuständig dafür ist die Untere Naturschutzbehörde in Wittenberg.

Christian Tylsch (CDU), Landrat Kreis Wittenberg
Bildrechte: Christian Tylsch

Alle Träger der öffentlichen Belange, also Firmen, Unternehmen, Verbände, Bürger, Parteien, Stadträte, können sich jetzt dazu äußern.

Christian Tylsch Landrat des Kreises Wittenberg

Mehr zum Thema: Baggerstadt Ferropolis

Ferropolis von oben. 45 min
FERROPOLIS ist ein einmaliger Ort der Industriekultur, unweit von Gräfenhainichen. Wo andernorts ein See nach dem anderen die von der Kohle geschundenen Landschaften flutet, sind auf dem Gelände des ehemaligen Braunkohle-Tagebaus Golpa Nord fünf imposante Großgeräte Dreh- und Angelpunkt einer außergewöhnlichen Vision geworden. Schaufelradbagger, Eimerkettenbagger, Absetzer. Am Bauhaus Dessau erdacht, ist Ferropolis heute Industriedenkmal und Veranstaltungsareal – zum Staunen, Anfassen, Klettern. In ihren 25 Jahren seit der Gründung hat sich "Die Stadt aus Eisen" mit internationalen Festivals wie Melt! und Splash! sowie großen Konzerten von Puhdys bis Metallica einen europaweiten Ruf als einmalige Kulisse für Künstler und Publikum gemacht. Gleichzeitig stehen die imposanten Stahlkolosse für die bewegten Lebensgeschichten der hier tätigen Bergarbeiter. Ferropolis Bildrechte: MDR/Günther & Bigalke
45 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst Do 22.07.2021 23:40Uhr 44:46 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Die Insula Communis - eine Rettungsinsel aus recycelbarem Müll
Bildrechte: MDR SPUTNIK / Marie-Therese Böttger

MDR/André Damm, Christoph Dziedo, Dominik Knauft

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANAHLT – Das Radio wie wir | 01. November 2021 | 14:00 Uhr

3 Kommentare

ule vor 11 Wochen

Die wirklichen Profiteure einer jeden Deponie ist die Logistikbranche. Wenn Abfälle, nicht selten mehr als 400km bis zu 1400 km quer durch Europa gekarrt werden, um am Ende auf eine der Ostdeutschen Deponien zu landen (z.B. wie in MV) - dann ist etwas verkehrt gelaufen. . . . . dann ist der Umweltschutz , dann ist der Klimaschutz nichts weiter als eine Farce, mit der sich Politiker schmücken, wenn es z.B. um die nächste Wahl geht.

In jedem Planfeststellungsverfahren und der dazu gehörigen Umweltverträglichkeitsprüfung ist es daher zwingend angeraten, den anstehenden Logistikaufwand, der mit dem Betrieb der geplanten Deponie unweigerlich einhergeht, zum Gegenstand der Prüfung, wenn nicht sogar zum Kerngegenstand einer jeden Prüfung zu machen.

Es kann nicht sein, dass in Leipzig der "Klimanotstand" ausgerufen wird und wenige km weiter entfernt, ein Fest um den Sieg des vermehrten und gewinnbringend gesteigerten CO2 Ausstoß gefeiert wird.

Eulenspiegel vor 11 Wochen

„Man kann nicht alles ablehnen, aber vernünftige Gründe und vernünftige Einwände, die müssen gehört werden“
Ja so ist es. Und das Problem kann man auch lösen. Man muss nur die Deponie so planen und bauen das Umwelt und Grundwasser garantiert nicht gelastet werden.

ule vor 11 Wochen

Obwohl der Anteil an gefährlichen Abfällen stetig ansteigt, soll die in MV gelegene Mülldeponie "Schönberg" , die größte ihrer Art in Europa, schon bald, also in 15 Jahren geschlossen werden. ( Sofern die Zusagen der Politiker eintreten).
Die Gesamtlaufzeit dieser Giftmüll-Deponie beträgt dann 60 Jahre.
Ob nun Lithiumbatterien, Windrad- Rotorblätter, Schaumstoffe und Plastik aus dem Gebäuderückbau - Gefährliche Abfälle wird es immer geben.
Deshalb ist es notwendig und gerecht, wenn diese Abfälle dort entsorgt werden, wo diese auch produziert werden.

Leider ist diese Thematik im Zuge des üppig einträglich betriebenen "Kampf gegen den Klimawandel" , viel zu sehr in Vergessenheit geraten - dabei ist gerade Müllerzeugung und Müllentsorgung ein wesentlicher Bestandteil der Klimaproblematik.

> Wer die Welt retten will, sollte den Müll und den Umgang mit Müll, nicht aus den Augen verlieren <

Mehr aus Landkreis Wittenberg, Dessau-Roßlau und Anhalt-Bitterfeld

Paul Brenner (Dieter Hallervorden) steht hinter einem Gatter. mit Video
Besitzer Paul Brenner (Dieter Hallervorden) staunt nicht schlecht, dass sich sein hochtalentiertes Sorgenkind "Rock" ausgerechnet von einem Mädchen ohne Reiterfahrung zähmen lässt. Bildrechte: MDR/ARD Degeto/Neue Schönhauser Filmproduktion/Bernd Spauke

Mehr aus Sachsen-Anhalt