Oranienbaum-Wörlitz Neues Waldstück soll Bienen helfen

Es gibt immer weniger Bienen, die doch so wichtig sind im Ökosystem. Den wilden Bienen fehlt es an Rückzugsgebieten. Vielerorts im Land werden bereits extra Blühwiesen für die kleinen Honigsammler angelegt. In Oranienbaum-Wörlitz wird nun in größeren Kategorien gedacht. In der Stadt im Kreis Wittenberg ist nun der erste Bienenwald Sachsen-Anhalts eröffnet worden.

Bienenwald bei Oranienbaum eröffnet
Maik Strömer (l.), Bürgermeister Oranienbaum-Wörlitz und Umweltministerin Claudia Dalbert haben den Bienenwald bei Oranienbaum eröffnet. Bildrechte: MDR/ Martin Krause

Es summt in Oranienbaum. Die ersten Hummeln hat Maik Strömer schon gehört. "Und Bienen sind auch schon da", sagt der Bürgermeister von Oranienbaum-Wörlitz und zeigt lachend auf eine Handvoll luftballongroßer Kunststoffbienen, die symbolisch im Wind an den Zweigen schaukeln. Der Baum markiert den Eingang zum "Bienenwald", wie auf einem hellbraunen Holzschild daneben zu lesen ist. "Es ist der erste Bienenwald Sachsen-Anhalts", sagt Strömer stolz.

Ein Jahr ist an dem ehrgeizigen Projekt am Ortsrand von Oranienbaum gearbeitet worden. Im angrenzenden Stadtwald hatten Schädlinge und Stürme große Schäden angerichtet. Eine fußballfeldgroße Fläche musste komplett abgeholzt werden. Beim Aufforsten entstand dann die Idee einen Wald für Insekten anzulegen. "Bienen sind die drittwichtigste Nutztierart auf der Erde", sagt Philipp Nahrstedt, Leiter im Betreuungsforstamt Annaburg. Die fleißigen Insekten bestäuben etwa 800 Pflanzenarten und 80 Prozent aller Obstgehölze, so der Forstamtsleiter. Bienen brauchen Lebensräume.

Ein Wald, der fast immer Honig bietet

In Oranienbaum haben die Bienen nun einen Rückzugsort. 3500 Bäume und Sträucher sind dafür gepflanzt worden. Nach einem ausgeklügeltem System, betont Nahrstedt. Robinien, Linden, wilde Apfel-, Birnen- und Kirschbäume, dazu Weiden, Eschen, Weißdorn, Haselnuss, Brombeersträucher und vieles mehr. "Wir haben 17 unterschiedliche Arten gepflanzt, die  besonders viel Pollen und Nektar produzieren und zudem zu unterschiedlichen Zeiten blühen." So finden die bedrohten Honigsammler immer ausreichend Nahrung.

Das lockt Bienen und auch andere Insekten an. "Das ist ein wichtiger Beitrag für die Biodiversität", sagt der Forstamtsleiter. Denn wo sich Insekten tummeln, sind auch Vögel nicht weit. Und das, so Nahrstedt, sorge für mehr Stabilität im Wald ringsherum, denn die gefiederten Tiere vertilgen auch reihenweise Käfer und Larven, schützen so auf natürliche Weise den Wald vor Schädlingsbefall.

Finanzielle Unterstützung vom Land

Der Bienenwald ist ein Pilotprojekt. Daher wollte es sich Sachsen-Anhalts Umweltministern Claudia Dalbert nicht nehmen lassen, bei der Einweihung noch ein besonderes Gehölz in die Erde zu bringen. "Es ist ein Bienenbaum, der erst im Spätsommer blüht und den Bienen auch dann noch Nahrung bietet", erklärt Dalbert und tritt die Erde vorsichtig fest. Damit ist der Bienenwald komplett. Das Land unterstützte das Projekt im Kreis Wittenberg von Anfang an. Eine sechsstellige Summe wurde investiert. Es geht voran mit dem Bienenschutz in Sachsen-Anhalt. Die Zahl der Blühstreifen hat sich nach Angaben des Umweltministeriums in den vergangenen fünf Jahren vervierfacht. Der Bienenwald in Oranienbaum-Wörlitz ist erst der dritte in ganz Deutschland. "Wir hoffen, dass die Idee Schule macht", sagt Dalbert.

In die Euphorie um den ersten Wald für Bienen in Sachsen-Anhalt mischt sich aber auch Kritik nicht weniger Bürger. Wäre es nicht sinnvoller, mit dem Geld das Bienensterben zu verhindern, statt mit teuren Projekten die Folgen zu lindern? "Tu das eine, und tu das andere auch", sagt darauf angesprochen die Umweltministerin. Das Land bräuchte eine kleinteiligere Agrarstruktur und mehr Hecken. Dabei sieht Dalbert Sachsen-Anhalt bereits auf einem guten Weg. "Wenn sich alle beteiligen, können wir einen großen Erfolg verzeichnen", sagt die Ministerin und lässt den Blick wieder über den Bienenwald schweifen.

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Bienenwald als Bildungsort

Im zaunumgrenzten Gelände sind die Pflanzen noch klein, gerade einmal kniehoch. Bald dürfte es hier aber blühen und duften. Der Bienenwald soll auch für die Umweltbildung in der Parkstadt genutzt werden. "Kinder aus den Schulen sollen hierher kommen, die Natur erleben und achten lernen", sagt der Bürgermeister Maik Strömer. Daher hat sich die Stadt auch an den Kosten beteiligt. Es soll ein Paradies werden für die nützlichen Insekten.

Und Strömer meint nicht die künstlichen Tiere in den Zweigen. Spätestens wenn die Sonne höher steht und die Natur so richtig erwacht, wird es laut summen in Oranienbaum. Der Bürgermeister ist zuversichtlich, dass die Bienen sich hier wohl fühlen und ihr neues Revier erobern.

MDR/Martin Krause, Oliver Leiste

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. April 2021 | 14:40 Uhr

1 Kommentar

AlexLeipzig vor 4 Wochen

Großartiges Projekt, daran sollten sich viele Kommunen ein Beispiel nehmen! Toll!

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