Lutherstadt Wittenberg Wegen hoher Gaspreise: Deutschlands größter Ammoniak-Hersteller warnt vor Produktionsstopp

Die Stickstoffwerke in Piesteritz stellen weniger Ammoniak her. Grund sind die gestiegenen Gaspreise. Das Unternehmen fordert Hilfe von der Politik und warnt vor einem drohenden Produktionsstopp. Zurzeit arbeiten 860 Beschäftigte beim größten Ammoniak-Hersteller Deutschlands.

SKW Stickstoffwerke Piesteritz, 2016
Die Stickstoffwerke Piesteritz stellen weniger Ammoniak wegen der hohen Gaspreise her. Bildrechte: IMAGO / Steinach

Die Stickstoffwerke Piesteritz im Landkreis Wittenberg haben ihre Ammoniak-Produktion um 20 Prozent gedrosselt. Grund ist nach eigenen Angaben der stark gestiegene Gaspreis. Das erreichte Niveau ermögliche keine ökonomisch sinnvolle Produktion mehr. Die Dynamik sei besorgniserregend, teilte das Unternehmen mit.

"Wir fordern unverzügliches Handeln der Politik. Ohne staatliche Maßnahmen droht in Kürze ein Produktionsstopp. Die Konsequenzen betreffen dann nicht allein den Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt, sondern werden sich auf weiterverarbeitende Industrien, die Logistik und die deutsche Landwirtschaft auswirken", so Petr Cingr, Vorsitzender der Geschäftsführung der SKW Piesteritz GmbH.

Europaweit haben mehrere Unternehmen Ammoniak-Produktion gestoppt

Ende September hatten bereits mehrere Unternehmen in Europa, darunter BASF, ihre Ammoniak-Produktion gedrosselt oder auf unbestimmte Zeit eingestellt.

Die SKW Piesteritz GmbH ist der größte Ammoniak-Produzent Deutschlands mit rund 860 Beschäftigten. Ammoniak wird unter anderem für die Düngemittelherstellung gebraucht. Zudem zählt das Unternehmen zu den größten Herstellern von AdBlue auf dem deutschen Markt. AdBlue ist ein Zusatzstoff für Dieselkraftstoffe, um die ausgestoßenen Stickoxide zu reduzieren.

MDR/Grit Lichtblau-Horn, Fabian Frenzel

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 06. Oktober 2021 | 10:00 Uhr

20 Kommentare

Maik Kretschmar vor 2 Wochen

Putin hat das Gas nicht teurer gemacht, das war der Markt. Und Preise steigen am Markt, wenn der Bedarf im Vergleich zum Angebot steigt.

Gas ist momentan stark nachgefragt, weil es auf Kohle einen hohe CO2-Steuer gibt. Dort, wo man früher Kohle zur Strom- und Wärmeproduktion verheizt hat, verbrennt man heute Gas.

Die CO2-Steuer sorgt also indirekt für steigende Gaspreise.

Maik Kretschmar vor 2 Wochen

Gas ist halt auch deswegen teurer, weil wir es inzwischen auch vermehrt dazu nutzen, um Strom zu produzieren. Früher haben wir unseren Strom preiswert und zuverlässig mit Kernkraftwerken hergestellt. Die Kernenergie wurden in Deutschland aber von grünen Ideologen torpediert und daher verbrennt man in Deutschland inzwischen viel Gas und Kohle, um die fehlende Produktion aus ehemals 17 Kernkraftwerken zu ersetzen.

Maik Kretschmar vor 2 Wochen

Ganz einfach: Einer der Gründe, warum Gas momentan so knapp am Markt ist, ist auch der Atomausstieg und somit der erhöhte Bedarf an Gas zur Produktion von Strom in Gaskraftwerken.

Deutschland baut aktuell zudem mehrere Gaskraftwerke an Standorten wie Leipheim, Biblis, München Nord und Heilbronn.

Und jetzt überlegen Sie mal, wer den Atomausstieg u.a. maßgeblich gepusht hat.

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