Um Kosten zu sparen Stadt Wittenberg will freien Kita-Trägern kündigen

Die Stadt Wittenberg will den freien Trägern von Kindertagesstätten kündigen. Damit sollen Kosten gespart werden. Die Stadt will die Kitas selbst betreiben. An der Entscheidung gibt es Kritik von vielen Seiten.

leere Schaukel auf Spielplatz
Bildrechte: imago images/Lichtgut

Die Stadtverwaltung Wittenberg plant, den freien Trägern von Kindertagesstätten in der Lutherstadt zu kündigen. Um Kosten zu sparen, will die Stadt mehr Kitas selbst bewirtschaften. Wittenbergs Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die geplanten Kündigungen der freien Träger hätten nichts mit deren Arbeit zu tun. Allerdings seien die Kosten zu hoch. Drei Kündigungen wurden nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT bereits ausgesprochen.

Torsten Zugehör
Torsten Zugehör will die städtischen Kitas unter seiner Führung haben. Bildrechte: MDR/André Damm

Mit der Reform können laut Zugehör in Wittenberg 1,7 Millionen Euro eingespart werden. Das habe ein Gutachten des Innenministeriums bescheinigt. Insofern sei es günstiger, wenn die Stadt ihre Kitas selbst betreibe.

Von den 47 Kindertagesstätten im Stadtgebiet seien 20 städtisch – und diese sollten künftig von der Kommune betrieben werden. Zugehör sagte: "Unsere Kita, unser Haus, das soll ordentlich zusammengeführt werden."

Kritische Stimmen von AWO, DRK und aus dem Stadtrat

Die freien Träger wie die Arbeiterwohlfahrt, das Kita-Werk oder das Deutsche Rote Kreuz reagierten mit Unverständnis. Auch Stadtrat Ronny Zegarek von den Freien Wählern lehnt das Vorgehen ab. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man fange an, sich im kommunalen Bereich in die Erziehung der Kinder einzumischen und auch immer mehr in die Wirtschaft.

Wittenbergs Oberbürgermeister Zugehör kündigte an, dass über jeden Einzelfall der Stadtrat abstimmen wird. Für diese heikle Reform wolle er möglichst breite Rückendeckung.

MDR/André Damm, Fabian Frenzel

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 29. Juli 2021 | 17:00 Uhr

2 Kommentare

ElBuffo vor 8 Wochen

Wenn es so wie in unserer Stadt läuft, sind sie nicht teurer. Der größte Batzen sind sowieso die Personalkosten. Da wäre Wittenberg die erste Stadt, wo im öD weniger als bei den freien Trägern gezahlt wird.
Dauerkranke werden dann allerdings auf irgendeinem anderen Posten in der Stadt geparkt und belasten nicht die Kita. Diese Möglichkeit hat ein freier Träger nicht.
Dann taucht andauernd jemand vom städtischen Bauhof auf und repariert, malert etc. ohne dass der Kita dafür eine Rechnung geschrieben würde. Beim freien Träger kommt niemand für lau vorbei. Wenn Wahlen anstehen lässt sich der zuständige Dozent, der Bürgermeister oder auch der Geschäftsführer kommunaler Unternehmen gerne in der Zeitung mit Geschenken ablichten. Zufällig nie bei den freien Trägern.
Die Stadt Wittenberg wird also nach dieser Aktion keinen Cent sparen, aber auf dem Papier wird das ganz toll aussehen. Dass dann 1,8 Mio unter diversen anderen Haushaltsposten der Stadt auftauchen, steht dort ja nicht dran.

Basil Disco vor 8 Wochen

Ich kann hier überhaupt nicht erkennen, dass sich der Staat in die Erziehung einmischt. Einsparungen von 1,7 Millionen € sind für eine Stadt wie Wittenberg eine beachtliche Größe. Es wäre interessant zu erfahren, warum die freien Träger so viel teurer arbeiten.

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