Landratsstichwahl Tylsch oder Luczak: Kreis Wittenberg stimmt über neuen Landrat ab

Die Menschen im Landkreis Wittenberg stimmen am Sonntag in einer Stichwahl ab, wer ihr neuer Landrat werden soll. Im ersten Durchgang am 6. Juni hatte kein Kandidat die notwendige absolute Mehrheit erreicht. Der CDU-Mann und Haseloff-Vertraute Christian Tylsch gilt als Favorit im Duell gegen den politischen Quereinsteiger Frank Luczak von der AfD.

Marktplatz, Stadtkirche und  Rathaus in der Lutherstadt Wittenberg.
Im Landkreis Wittenberg wird ein Nachfolger für Landrat Jürgen Dannenberg gesucht, der das Amt seit 2007 inne hat. Bildrechte: IMAGO

Christian Tylsch von der CDU oder Frank Luczak von der AfD – einer dieser beiden Kandidaten wird der neue Landrat im Landkreis Wittenberg. Die Entscheidung fällt am Sonntag bei einer Stichwahl. Bei der Landratswahl am 6. Juni hatte von den ursprünglich neun Kandidatinnen und Kandidaten niemand die notwendige absolute Mehrheit geholt. Tylsch holte mit 36,9 Prozent die meisten Stimmen, Luczak schaffte es mit 19,5 Prozent auf Platz 2 und hatte dabei nur 229 Stimmen Vorsprung vor dem drittplatzierten Sven Paul, dessen Kandidatur von SPD, Linken und Grünen unterstützt wurde. Paul hat es demzufolge nicht in die Stichwahl geschafft, ebenso wie Mike Reiß (freie Wähler), Norman Sehmisch (FDP), sowie Heike Dorczok, Holger Zubke, Norbert Ladewig und Matthias Felix (alle parteilos).

Der gebürtige Wittenberger Tylsch ist erst 38, aber bereits erfahren in der Landes- und Kommunalpolitik. Seit fünf Jahren leitet er das Büro von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) in der Magdeburger Staatskanzlei, außerdem ist er Vorsitzender der CDU-Fraktion im Wittenberger Kreistag. Er war schon bei der Landratswahl im Jahr 2014 angetreten, unterlag damals aber dem Amtsinhaber Jürgen Dannenberg von der Linken. Nun geht er dank seines Vorsprungs von mehr als 17 Prozentpunkten auf Luczak im ersten Wahlgang als Favorit ins Rennen – auch wenn am Sonntag mit einer niedrigeren Wahlbeteiligung als am 6. Juni zu rechnen ist, als zeitgleich die Landtagswahl stattfand.

Aus dem gleichen Grund wie 2014 versuche ich es heute: Weil ich glaube, dass in diesem Landkreis noch viel mehr Potenzial steckt.

Christian Tylsch, CDU-Kandidat

Im Falle seiner Wahl will Tylsch den Landkreis verjüngen und modernisieren. Dazu will er die Schulen im Kreis flächendeckend mit schnellem Internet versorgen, die medizinische Versorgung in ländlichen Gegenden verbessern und gute Voraussetzungen für neue Wirtschaftsansiedlungen schaffen. Helfen sollen Tylsch dabei seine Kontakte in die Landesministerien, die er als Büroleiter von Reiner Haseloff habe aufbauen können.

Als Nachrücker in die Stichwahl

Im Gegensatz zu Tylsch ist Luczak, 61, ein Quereinsteiger im politischen Geschäft. Der selbstständige Elektroinstallateur aus Glücksburg bei Jessen ist seit 2016 Mitglied der AfD. Der Mitteldeutschen Zeitung sagte er, er sei damals wegen der Flüchtlingspolitik in Deutschland in die Partei eingetreten. Er habe nichts gegen Flüchtlinge, wünsche sich aber strengere Regelungen wie in Kanada oder Australien. Als AfD-Bewerber für den Posten des Landrats kam er erst zum Zuge, nachdem ein anderer Kandidat abgesagt hatte.

Mein persönliches Ziel, in die Stichwahl zu kommen, habe ich erreicht.

Frank Luczak, AfD-Kandidat

Luczak will im Falle eines Wahlsieges die Schulstandorte des Kreises erhalten, Wirtschaftsansiedlungen erleichtern und zudem Bürokratie abbauen. „Ich stehe auf dem Standpunkt: Alles, was innerhalb von 14 Tagen nicht beschieden ist, ist genehmigt. Das sollte die Parole für alle sein“, so Luczak zu MDR SACHSEN-ANHALT. Im Falle seines Wahlsieges wäre er der erste Landrat in Sachsen-Anhalt mit AfD-Parteibuch.

Der Wahlsieger vom Sonntag folgt als Chef der Wittenberger Kreisverwaltung auf Jürgen Dannenberg von der Linken, der seit 2007 Landrat des Kreises ist, sich dieses Jahr aber nicht mehr zur Wahl stellte. Dannenberg war Anfang des Jahres in die Kritik geraten, weil er sich bereits am 26. Dezember 2020 und damit noch vor dem offiziellen Impfstart in Deutschland gegen das Coronavirus hatte impfen lassen.

MDR/André Damm, Lucas Riemer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 18. Juni 2021 | 17:00 Uhr

3 Kommentare

wittenberg114 vor 6 Wochen

Bei der Wahl des Landrates kommt es aus meiner Sicht weniger auf das Parteibuch, sonder vielmehr auf die Qualifikation im Bereich Verwaltung und vor allem Führungs-und Motivationsstärke. Die Aussagen des AFD-Politiker zur Bearbeitungen von Anträgen sprechen für sich. Hier empfielt sich mal ins SGB X zu schauen. Und nein, das kann auch ein AFD Landrat nicht änderm.

J Mueller vor 6 Wochen

5 Jahre Büroleiter und Taschenträger, das ist die Qualifikation. So langsam komme ich mir veralbert vor von der Politik. Die Alternative steht kurz vor der Rente mit 61, aber selbstständig und Unternehmer. Zumindest ist das Einkommen nicht vom Steuerzahler.

Dreibeiner vor 6 Wochen

Demokraten werden Signal setzen und heimischen Christian Tylsch wählen.

Nach Peter Fitzek, mit Reichsbürger-Fantasiestaat auf Krankenhausgelände "Königreich Deutschland" darf Lutherstadt Wittenberg nicht erneut für Renkespiele missbraucht werden.

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