Bürgerinitiative und Bürgermeister fordern mehr Kontrollen Es stinkt: Streit um Schweinemastanlage in Jessen

Seit Jahren wehrt sich eine Bürgerinitiative in Jessen-Gerbisbach gegen eine eine große Schweinemastanlage. Sie stört sich nicht nur an dem Gestank. Die Bürgerinnen und Bürger fürchten zahlreiche Mängel an der Anlage und fordern bessere Kontrollen durch die zuständigen Ämter.

Ein Ferkel mit anderen Schweinen im Stall
Die Schweinemastanlage in Jessen sorgt nicht nur für üblen Geruch, sondern auch für viel Ärger bei den Bürgerinnen und Bürgern. (Symbolbild) Bildrechte: colourbox

Wenn der Wind aus Richtung West-Süd-West weht, schließen viele Menschen in Jessen, vor allem im Stadtteil Gerbisbach, ihre Fenster. Denn es stinkt. Quelle des üblen Geruchs ist eine Schweinemastanlage mit 25.000 Tieren. Einer Bürgerinitiative und dem Bürgermeister reicht es jetzt. Sie fordern stärkere Kontrollen der Anlage.

Genehmigung der Anlage rechtswidrig

Bereits im Februar 2019 hatte das Verwaltungsgericht Halle die Genehmigung für die Schweinemastanlage für rechtswidrig erklärt. Geklagt hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Sachsen-Anhalt zusammen mit der Bürgerinitiative Gerbisbach. Der niederländische Betreiber hatte daraufhin Mängel an der Anlage behoben. Eine Luftreinigungsanlage wurde gewartet und ausgetauscht.

Hausschweine gehalten in einem koventionellen Schweinemastbetrieb. 2 min
Bildrechte: imago/Marius Schwarz

Bei Jessen sorgt eine Schweinemastanlage mit 25.000 Tieren für üblen Gestank. Eine Bürgerinitiative und der zuständige Bürgermeister fürchten zahlreiche Mängel und fordern bessere Kontrollen der zuständigen Ämter.

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Do 17.06.2021 12:00Uhr 01:47 min

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Bürgermeister fordert stärkere Kontrollen

Der Betreiber komme zu einfach davon, kritisiert Gabriele Wolf. Sie wohnt in unmittelbarer Nähe zu der Schweinemastanlage und hat eine Bürgerinitiative gegründet. Sie sagt: "Es müsste sich ändern, dass es transparenter wird, dass es mehr Kontrollen gibt, dass es nicht den Bürgern überlassen wird zu meckern, wenn es stinkt." Neben dem üblen Geruch fürchten die Bürgerinnen und Bürger vor allem zahlreiche Mängel an der Anlage.

Deshalb fordern sie stärkere Kontrollen durch das Landesverwaltungsamt. "Es ist erforderlich, dass man die entsprechenden Filteranlagen wartet, dass man Rücksicht nimmt auf die Bevölkerung. Und das muss auch entsprechend von den staatlichen Institutionen ernsthaft und intensiv kontrolliert werden", sagt Jessens Bürgermeister Michael Jahn.

MDR/Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. Juni 2021 | 12:08 Uhr

6 Kommentare

Saxe vor 6 Wochen

Brauche ich mir nicht vorstellen. Kenne ich. Einer der Nachbarn hat noch wesentlich mehr Schweine. Aber mit der Argumentation des Lüftens Nachts, gebe ich Ihnen Recht. Wenn der Wind schlecht steht, kann das sehr intensiv werden.
Hähnchen- und Putenställe sind da übrigens noch penetranter.
Eine Prüfung der Rechtmäßigkeit ist natürlich keine schlimme Forderung. Ist ja im Rechtssystem so vorgesehen. Ich nehme das halt mehr als "Umweltdüfte" war. Stark riechend, aber nicht störend. Gehört halt dazu.
Aber wie gesagt, dass ist natürlich nur meine Meinung.

DerVermittler vor 6 Wochen

Leider kann man oft nicht in die Tiefe gehen, aber hier ein kurzes Beispiel:
Vorn weg, ich wohne nicht in Gerbisbach, habe aber Verwandte in dem Ort. Meinen Erfahrungen nach ist Tagsüber alles OK. Kein Geruch, kein Gestank, reinstes Idyll. Dann kommt der die Nacht, in der man in heißen Tagen zum Lüften gern die Fenster öffnet. Alles ist gut, bis unverhofft ein unfassbar stechender Gestank über das Dorf zieht, der einen sogar aus dem Tiefschlaf aufwachen lässt. Das hält eine Weile an, manchmal 30 min manchmal mehrere Stunden.
Ist das normal? Darf so etwas laut bestehenden Richtlinien passieren? Wahrscheinlich nicht. Aus diesem Grund:
„fordern sie stärkere Kontrollen durch das Landesverwaltungsamt”.

Niemand möchte die Anlage schließen, es geht nur darum bestehendes Recht um- und durchzusetzen. Ist das eine so schlimme Forderung?

@ Saxe: 5 Rinder vs. 25.000 Schweine. Versuchen sie sich ihren Gestank vorzustellen aber mit 5000-fach höhere Intensität. Schön ist das dann nicht mehr?!

Saxe vor 6 Wochen

Mich würde interessieren, wieviele Mitglieder der Bürgerinitiative täglich Wurstwaren essen.
Zum "Gestank": Ich wohne auf dem Land und wir halten selbst noch 3-5 Rinder. Natürlich riecht es manchmal streng. Aber ich würde das für nichts in der Welt gegen den Gestank in einer Stadt tauschen wollen.

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