Ehrung für Wörlitzer Deutschlands Kita des Jahres kommt aus Sachsen-Anhalt

Große Freude in Oranienbaum-Wörlitz im Landkreis Wittenberg. Die Kindertagesstätte "Villa Sonnenschein" hat den Deutschen Kita-Preis gewonnen. Der Preis wurde am Mittwochabend digital verliehen. Punkten konnte die Einrichtung vor allem mit dem Wörlitzer Park in unmittelbarer Nachbarschaft – denn das UNESCO-Weltkulturerbe ist besser als jeder Spielplatz.

Keine zehn Minuten dauert es zu Fuß von der Wörlitzer Kita "Villa Sonnenschein" zum historischen "Eichenkranz", dem Eingang zum Wörlitzer Park. Kein Wunder, dass die 150 Kinder der Einrichtung fast jeden Tag mit ihren Erziehern dorthin gehen.

Entdeckertouren durch den Park

Verleihung des Deutschen Kita-Preises
Die Wörlitzer Kita "Villa Sonnenschein" hat am Mittwochabend den Hauptpreis beim Deutschen Kita-Preis gewonnen. Barbara Schöneberger (links) hat die Preisverleihung moderiert. Bildrechte: Screenshot | Deutsche Kinder- und Jugendstiftung GmbH

Und was man im Park nicht alles entdecken kann. Da sind die Enten auf dem See, die schaukelnde Hängebrücke, das Wörlitzer Schloss und die Menschen, die hier einmal lebten und wirkten. Die Steppkes kennen sie ganz genau. "Fürst Franz hat Luise geheiratet", sagt Lisbeth. "Und Erdmannsdorff war sein Kumpel", ergänzt Oscar. "Der hat mit Fürst Franz den Park erschaffen."

Bibelturm Wörlitz
Für die Kita-Kinder ist der Wörlitzer Park besser als jeder Spielplatz. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Selbst die Mitarbeiter der "Villa Sonnenschein" sind immer wieder erstaunt, wie viel die Kinder über das UNESCO-Weltkulturerbe wissen und wissen wollen. "Die Kinder sind offen für alles", sagt Heilpädagogin Anne Dahlke. "Sie interessieren sich für die Gebäude im Park, aber auch für die Menschen. Wie sah Fürst Franz aus? Was hatten die Menschen früher für Kleidung und für Haare?" Fragen, denen Erzieher und Kinder gemeinsam auf den Grund gehen, bei Ausflügen in die Bibliothek oder die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz.

Die Meinung der Kinder zählt

Doch nicht nur das Leben und Lernen im Weltkulturerbe macht die "Villa Sonnenschein" zu einer besonderen Einrichtung. In der integrativen Sprach-Kita bestimmen die Kinder ihren Tagesablauf selbst. "Offene Arbeit" nennt das Kita-Leiterin Ramona Mücke. Nach einem gemeinsamen Morgenkreis können die Kinder frei wählen, ob sie spielen oder basteln möchten, ob sie eine kurze Pause im Ruheraum einlegen oder beim Back-Tag den Teig rühren wollen. Die Kinder werden in Entscheidungsprozesse einbezogen, in kleine und ganz große. So haben selbst die Jüngsten bei der Gestaltung des Spielplatzes mitgemacht, Bilder gemalt, ein Modell gebastelt.

Verleihung des Deutschen Kita-Preises
Große Ehrung – große Freude Bildrechte: Screenshot | Deutsche Kinder- und Jugendstiftung GmbH

Das ist wirklich eine Berufung, lachende Kinderaugen zu sehen jeden Morgen. Es ist einfach ein Traumjob. Diesen Job muss man leben. Unser gesamtes Team lebt diesen Job.

Ramona Mücke, Leiterin der Kita

"Unsere Kita ist anders", so Ramona Mücke nicht ohne Stolz. Das sah auch die Jury des Deutschen Kita-Preises so und kürte die "Villa Sonnenschein" zur Kita des Jahres 2021. Die Bewerbung um den Bundespreis lief coronabedingt über Videos, ein Jahr lang wurde die Einrichtung auf Herz und Nieren geprüft.

Ein flaches Gebäude mit großen Fenstern, dahinter das Außengeläde mit großen Bäumen, Rasen und Sandflächen. Im Hintergrund eine Rutsche.
Bei der Gestaltung des Außenbereichs der Kita hatten die Kinder Mitspracherecht. Bildrechte: MDR/ Jana Müller

Der Lohn für alle Mühe

"Das war viel Arbeit", sagt Annett Dreßler, die stellvertretende Leiterin. Doch nun steht fest, dass sich die Mühe gelohnt hat. Aus mehr als 1.200 Bewerbungen ging die "Villa Sonnenschein" als Sieger aus dem Wettbewerb hervor, der erstmals 2018 vom Bundesfamilienministerium und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung initiiert wurde.

Den Preis bekommt man nicht geschenkt. Aber es hat Spaß gemacht. Und es war auch schön, mit dem Team die eigene Arbeit mal zu reflektieren.

Annett Dreßler stellvertretende Kita-Leiterin

Für Anett Dreßler ist der Sieg vor allem eine Wertschätzung der Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstätte, Träger, Eltern und Stadtgemeinschaft: "Denn nur so kann eine Kita gut funktionieren, indem alles wirklich Hand in Hand geht." In Wörlitz funktioniere diese Zusammenarbeit, und das mache alle sehr stolz.

Was mit dem Preisgeld geschieht

Mit dem Titel "Kita des Jahres" einher geht ein Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro. Was damit geschehen soll, weiß Kita-Leiterin Ramona Mücke noch nicht genau: "Damit werden Wünsche erfüllt, die sonst vielleicht nicht erfüllt werden könnten."

Auch die Kinder haben natürlich schon darüber diskutiert, was in der Kita noch fehlt. Und schnell war sich der Nachwuchs einig: ein Klettergerüst.

MDR/ Martin Krause, Jana Müller

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSEN-ANHALT | 09. Juni 2021 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

Atheist vor 1 Wochen

„Die Meinung der Kinder zählt“
Ja, die Generation was möchtest du gerne, erwacht erst wenn sie in der Lehre merken das es eben nicht darum geht was sie gerne möchten und daran scheitern.

Jan vor 1 Wochen

Ich freue mich sehr für die Kita und wünsche ihnen bei ihrem Ansatz - Kinder zu respektieren - weiterhin viel Erfolg.

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