Impfreihenfolge und Schulöffnung Vorgezogene Impfung von Lehrkräften auch in Sachsen-Anhalt denkbar

Sollten sich Lehrkräfte und Personal in Kitas früher impfen lassen können? Diese Diskussion wird gerade in Deutschland geführt. Auch Sachsen-Anhalt kann sich das vorstellen und bereitet sich auf die Änderung der Impfreihenfolge vor. Laut Gesundheitsministerium sollen die ersten Erzieherinnen und Förderschullehrer ab kommender Woche geimpft werden können. Bei einigen Lehrerinnen und Lehrern wurde die Bereitschaft, sich eher impfen zu lassen, schon abgefragt.

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) will eine schnellere Impfung von Lehrerinnen und Lehrern erreichen. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, wenn Bildung bei Öffnungsstrategien die erste Priorität habe, müsse der Gesundheitsschutz der Kolleginnen und Kollegen ebenso an oberster Stelle stehen. "Deswegen sind Impfungen hier notwendig."

Zunächst müsse aber die bundesweite Impfordnung geändert werden. "Wenn diese Änderung erfolgt ist, werden wir zügig und unverzüglich die Impfungen im Lande organisieren", so Tullner.

Der Bildungsminister hatte in der Montagsausgabe der "Volksstimme" gesagt, man sollte jede Chance nutzen, das Bildungssystem pandemiefest zu machen. "Sollte es Möglichkeiten geben, Lehrkräfte und andere pädagogische Kräfte früher zu impfen als geplant, sollten wir nicht zögern", so Tullner.

Abfrage der Impfbereitschaft unter Lehrenden

Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT ist schon in einigen Schulen die Bereitschaft der Lehrinnen und Lehrer abgefragt worden, sich unter Umständen früher als in der bisherigen Prioritätsliste vorgesehen impfen zu lassen.

Axel Wieczorek, stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums Stephaneum in Aschersleben
Axel Wieczorek: Etwa 90 Prozent der angefragten Lehrerinnen und Lehrer würden ein Impfangebot annehmen. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

So sagte Axel Wieczorek, der stellvertretende Schulleiter des Gymnasiums Stephaneum in Aschersleben: "Es gab auch schon Abfragen bei uns in den Schulen, wer sich denn eher impfen lassen würde, wenn die Möglichkeit schon eher besteht."

Etwa 90 Prozent seien bereit, die Impfung anzunehmen. Wieczorek ergänzte: "Die Priorisierung von Lehrern finde ich jetzt nicht verkehrt, möchte aber nicht, dass dafür Gruppen weiter hinten angesiedelt werden, die genauso oder eine gleiche Priorität haben. Das sollte nicht passieren. Aber so wie ich das verstanden habe, ist das Astra-Zeneca-Vakzin ausreichender vorhanden als angenommen."

Auch eine Sekundarschullehrerin aus dem Harz berichtete von einer ähnlichen Voranfrage, initiiert durch den Landkreis.

Eva Gerth, die Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir sind diejenigen, die im Moment mit der Allzweckwaffe Lüften auskommen müssen. Und da ist jede Impfung auf jeden Fall zu begrüßen." Da man keine Möglichkeit habe, sich den Impfstoff herauszusuchen, sei das Impfen mit Astra-Zeneca immer noch ein besserer, ein zusätzlicher Schutz als keine Impfung.

Grimm-Benne: Impfungen für Erzieher und Lehrkräfte aus Förderschulen ab kommender Woche

Am Wochenende hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Aussicht gestellt, dass Lehrkräfte wie auch Erzieher und Erzieherinnen aus den Kindertageseinrichtungen viel eher geimpft werden könnten als bisher angedacht – sofern genügend Impfstoff zur Verfügung stehe und Über-80-Jährige bereits durchgeimpft seien. Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerium teilte am Montagabend nach Beratungen mit Spahn mit, die bundesweite Impfverordnung werde dahingehend verändert, dass Erzieherinnen und Erzieher, Beschäftigte im Hort und Lehrerinnen und Lehrer in Förderschulen geimpft werden könnten. Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) sagte einer Mitteilung zufolge, die Aktion solle kommende Woche starten. Für Dienstag sei ein Gespräch mit den Landkreisen geplant.

Auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat eine rasche Impfung von Personal in Schulen und Kitas gefordert. Die SPD-Politikerin sagte am Montag im ZDF-Morgenmagazin, die Öffnung von Schulen und Kindergärten könnte viel effizienter laufen.

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Ständige Impfkommission ist gegen Änderung der Impfempfehlung

Die Ständige Impfkommission (Stiko) bekräftigte dagegen ihr Nein zu einer Änderung der Impfempfehlung. Bei einer Bürger-Diskussionsrunde am Wochenende über das Infektionsgeschehen und mögliche Lockerungen sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens, bei der Priorisierung der Reihenfolge stehe nicht eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus im Vordergrund, sondern das Risiko, schwer zu erkranken. Ob jemand schwer erkrankt, hänge zuallererst vom Alter und dann von Vorerkrankungen ab.

Mertens verwies aber ausdrücklich darauf, dass die Politik von der Empfehlung der Stiko abweichen könne. Dies müsse dann allerdings gut begründet sein. Das Argument, dass in den Kitas schwieriger Abstand gehalten werden könne, sei zwar plausibel, aber nicht durch Daten belegt.

Eingeschränkte Schulöffnung in Sachsen-Anhalt

Die Landesregierung plant, ab 1. März Schulen und Kitas bei niedrigen Inzidenzzahlen in einen eingeschränkten Präsenzmodus wechseln zu lassen. Laut Bildungsminister Tullner ist dann in den Grundschulen Regelbetrieb in festen Klassenverbänden, festen Räumen und mit festen Lehrern vorgesehen. Die weiterführenden Schulen könnten im Wechselmodell unterrichten.

Im Burgenlandkreis stehen derlei Planungen allerdings schon jetzt auf der Kippe. Grund sind die hohen Infektionszahlen dort. Bildungsminister Tullner sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Montag, sollten sich die Zahlen weiter verfestigen, könne man die Schulen im Landkreis nicht am 1. März öffnen. Darüber sei er sich mit dem Landrat einig. Das Robert Koch-Institut meldete für den Landkreis am Montag eine 7-Tage-Inzidenz von 217,5.

MDR, Stephan Schulz, Tom Gräbe, Martin Paul; AFP

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. Februar 2021 | 16:00 Uhr

7 Kommentare

Magdeburg1963 vor 48 Wochen

Ich denke, es gibt Bevölkerungsgruppen, die weitaus gefährdeter sind als Lehrer. Ausgenommen Grundschullehrer und Mitarbeiter von Kindertageseinrichtungen sollten Pädagogen in der Lage sein das Abstandsgebot weitestgehend zu wahren. Der Kontakt von Polizisten, Mitarbeiter des Einzelhandels zu einer Vielzahl von Personen ist wohl deutlich enger. Es geht zunehmend um Lobbypolitik.

wer auch immer vor 48 Wochen

Was heute an Ideen und Vorschläge veröffentlicht wird ist schon wieder der Schnee von morgen.
Die Situation ändert sich ja fast stündlich.

Die ältere Generation 80 plus ist immer noch nicht komplett geimpft.

Wir können nichts in D außer protzen !


sh. vor 48 Wochen

Geht es jetzt eigentlich nach dem Motto " Wer schreit am lautesten". Es ist wohl allgemein bekannt, das die Übertragung durch Kinder geringer ist. Was sollen alle Mitarbeiter des Handels sagen, die seit einem Jahr mit Menschen aller Altersklassen zu tun haben und das, im Gegensatz zu den Lehrern, Tag für Tag? Hat der Handelsverband hier zu leise agiert?

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