Streit Verband gegen Aufhebung des Friedhofszwangs

In Sachsen-Anhalt sind Bestattungen relativ klar geregelt: Es gilt ein sogenannter Friedhofszwang. Heißt: Tote müssen auf Friedhöfen bestattet werden. Die Grünen in Sachsen-Anhalt wollen das ändern. Der Landtag hat neulich darüber diskutiert. Bei den Verwaltern von Friedhöfen stößt die Idee auf wenig Gegenliebe. Trauer sollte nicht privatisiert werden. Bestattungsorte sollten weiter für alle zugänglich sein.

Bestattung, Begräbnis, Friedhof
Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Ein zuletzt im Magdeburger Landtag diskutierter Vorstoß zur Änderung des Bestattungsrechts in Sachsen-Anhalt stößt bei den Verwaltern von Friedhöfen auf Kritik. Der Geschäftsführer des Verbands der Friedhofsverwalter in Deutschland, André Könnecke, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er wolle nicht, "dass Trauer privatisiert wird".

Könnecke ist im Hauptberuf für den Friedhof in Aschersleben zuständig. Eingebracht worden war der Vorschlag von den Grünen im Landtag. Sie hatten verlangt, den sogenannten Friedhofszwang aufzuweichen. Er sieht vor, dass Leichen an bestimmten Orten bestattet werden müssen.

Tuchbestattungen könnten möglich sein

Könnecke sagte MDR SACHSEN-ANHALT, schon jetzt gebe es Alternativen wie Ruheforste oder Seebestattungen. Menschen sollten Könnecke zufolge an Orten bestattet werden, die für alle zugänglich sind. Die Friedhofsverwalter seien gegen die Aufhebung des Friedhofszwangs, sagte Könnecke.

Der Vorstoß der Grünen sieht auch vor, die Sargpflicht in Sachsen-Anhalt abzuschaffen. Ziel ist, dass Menschen jüdischen oder muslimischen Glaubens auch in Tüchern bestattet werden können. In Sachsen-Anhalt ist das bislang nicht gestattet. Der Gesetzesentwurf soll im Landtag jetzt weiter besprochen werden.

MDR (Tom Gräbe, Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 01. Februar 2022 | 12:00 Uhr

4 Kommentare

geradeaus vor 20 Wochen

Die Trauerkultur befindet sich im Wandel. Reihengräber bekommen mehr und mehr Lücken, alte Grabsteine verschwinden. Die Friedhöfe werden auch bunter und noch ein Trend, die Beschriftung der Grabsteine. Viele neue künden weder vom Glauben oder der Jenseitserwartung der Betroffenen. Statt dessen erzählen sie vom Hobby, dem liebsten Zeitvertreib und/oder allgemein vom Leben dieser Menschen. Andere wollen an Bäumen bestattet werden oder wie -Rainer202- in einem See. Und ganz ehrlich, ich find das toll.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Bestatter sehen es häufig das z.B die Gräber der Großeltern in Berlin sind. Die Tochter wohnt in München und der Sohn in Hamburg.

Pollux vor 20 Wochen

Ich stimme meinen Vorrednern vollkommen zu. Einen Friedhofszwang finde ich nicht mehr zeitgemäß. Die Verwalter von Friedhöfen denken nur ans Geld und in Deutschland muss man sich den Tod erstmal leisten können. Es braucht kein Grab, um einem geliebten Menschen, der verstorben ist, zu gedenken. Für mich ist dieser Mensch in Gedanken immer bei mir. Ich persönlich finde Seebestattungen, bei denen die Asche des Verstorbenen verstreut wird, sehr schön.

Reiner202 vor 20 Wochen

Der Geschäftsführer sieht bloß sein Geld flöten gehen und nichts anderes. Eine Beerdigung ist und bleibt Privatsache. Ich zB. habe eine See Bestattung im Visier.
2000-3000 billiger als Friedhof und keine Folgekosten.

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