Neue Corona-Regeln 3G am Arbeitsplatz: Unternehmen kritisieren kurzen Vorlauf und hohen Aufwand

Die Unternehmen in Sachsen-Anhalt kritisieren die neuen Corona-Regeln am Arbeitsplatz. Gerade die kleineren Firmen müssen teilweise hohen Aufwand betreiben, um 3G am Arbeitsplatz sicherzustellen. Die Unternehmen setzen dabei unter anderem auf elektronische Lösungen oder Impfbusse vor den Werkstoren.

Ein Mitarbeiter zeigt vor Dienstbeginn in der Lobby seinen 2G Nachweis
Eine Mitarbeiterin kontrolliert die Nachweise für 3G. Bildrechte: dpa

Die Unternehmen in Sachsen-Anhalt gehen mit der seit Mittwoch geltenden 3G-Regelung am Arbeitsplatz sehr unterschiedlich um. Während größere Unternehmen teilweise eigene Testzentren vor den Werkstoren errichten und den Zugang über elektronische Systeme regeln, sehen sich vor allem kleinere Unternehmen von der Politik unter Druck gesetzt. Das ergaben Nachfragen von MDR SACHSEN-ANHALT bei verschiedenen Firmen im Land.

Was bedeutet 3G?

Seit Mittwoch gilt am Arbeitsplatz die 3G-Regel: Arbeitnehmer müssen geimpft, genesen oder getestet sein, um die Betriebsstätten zu betreten.

Der Pumpen- und Armaturenhersteller KSB aus Halle etwa teilte auf Anfrage mit, dass die rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen entsprechenden Vermerk auf den Werksausweis bekommen sollen. So könnten sie die Drehkreuze am Eingang passieren. Alle anderen müssen täglich beim Werkschutz einen Test vorlegen. Bis Ende des Jahres will das Unternehmen selbst Tests zu vergünstigten Tarifen anbieten. Grundsätzlich schätzt die Unternehmensleitung die Impfquote der Belegschaft als zu gering ein. Deshalb wird es jetzt wieder Impfangebote im Werk geben.

Impfbus vor Unternehmen

Auch ein Unternehmen mit mehr als 300 Mitarbeitern aus dem Harz, das anonym bleiben wollte, setzt auf technische Lösungen. Bereits zum Wochenbeginn seien die Einlasschips umprogrammiert worden. Auch dort soll der Impfbus des Landkreises zum Einsatz kommen, um die Impfquote im Unternehmen zu erhöhen.

SKW Stickstoffwerke Piesteritz, 2016
In Piesteritz wurde vor dem Werk eine Corona-Teststation eingerichtet. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO / Steinach

Einer der größten Arbeitgeber im Landkreis Wittenberg, der Düngemittelproduzent SKW Piesteritz, wird am Werkstor eine eigene Teststation aufbauen. Das Unternehmen mit rund 850 Mitarbeitern – plus Boten, Zulieferern und Lkw-Fahrern – fürchtet zu Schichtbeginn Verzögerungen und kritisierte, dass viele Testzentren im Land geschlossen wurden.

Probleme in kleinen Unternehmen

Vor allem kleinere Unternehmen hadern aber noch mit den Vorgaben aus Berlin. Im Unternehmen herrsche Kopfschütteln, teilte etwa Jörg Kämpfer, Inhaber von Elektro-MK in Gardelegen, mit. Dort sind etwa 30 Mitarbeiter beschäftigt. Eine tägliche Kontrolle, ob die Arbeitnehmer sich auf das Coronavirus testen, sei nicht möglich, da viele Mitarbeiter direkt von zuhause zu ihren Einsätzen fahren würden. Allein die Ankündigung der Tests habe aber dazu geführt, dass sich zwei bekennende Impfgegner im Unternehmen hätten impfen lassen, betonte Kämpfer.

Nur wenig Zeit, um sich auf neue Regeln einzustellen

Marco Langhof, Porträt des Chefs des IT-Verbands Sachsen-Anhalt
Arbeitgeberpräsident Marco Langhof Bildrechte: MDR/Marco Langhof

Sachsen-Anhalts Arbeitgeberpräsident Marco Langhof kritisierte im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT vor allem den kurzen Vorlauf für die Unternehmen: "Die Vorwarnzeit war extrem kurz." Mitarbeiter müssten geschult und teilweise Schutzausrüstung angeschafft werden.

Das sieht auch Deddo Lehmann vom Eisenmoorbad in Bad Schmiedeberg so. Er hat kurzfristig einen Bauwagen zum Corona-Testmobil umfunktionieren lassen. "Das ist viel Aufwand, wenn man bedenkt, dass das erst gestern verkündet wurde und ab heute wirkt", sagt Lehmann. Das sei ein großer Kraftakt gewesen. Dennoch sei das wichtig, denn man sei auch auf die ungeimpften Mitarbeiter angewiesen und wolle ihnen Möglichkeiten bieten.

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Mehr zu 3G am Arbeitspaltz

MDR (Martin Krause, Susann Meier, Mathias Kessel, Elke Kürschner, Roland Jäger, André Damm, Fabian Frenzel)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 24. November 2021 | 12:00 Uhr

17 Kommentare

Anita L. vor 1 Wochen

Die falschen Schlussfolgerungen hinsichtlich KKH-Betten und Harmlosigkeit der Coronapandemie wurden bereits im Februar dieses Jahr durch den Faktenfinder der Tagesschau nachvollziehbar widerlegt. Es gibt auch einen guten Bericht des Bayerischen Rundfunks, der dieser Behauptung auf den Grund geht. Lauwarmer Unfug wird nicht genießbarer, wenn man ihn immer wieder aufwärmt, und Stellvertreterdebatten ändern nichts an der Tatsache, dass Corona eine hochaggressive und gefährliche Krankheit ist und dass der Unwille weniger die Bemühungen des Großteils der Bevölkerung zunichte macht.

Anni22 vor 1 Wochen

Ich nehme an, das in Kürze die Test knapp werden. Es werden ja Abermillionen gebraucht pro Woche. Es würde helfen jetzt Schulen und Kindereinrichtungen zu schließen. Denn entgegen aller Aussagen, sind Kinder die Pandemietreiber (siehe hohe Inzidenz). Das ist alles äußerst Unschön, aber so weitermachen sollten wir glaub ich auch nicht einfach. Es wird nicht funktionieren. Ich weiß, das jetzt alle gleich ausflippen werden, aber es kommt so oder so, die Frage ist nicht mehr ob, die Frage ist nur noch Wann.

DermbacherIn vor 1 Wochen

So schlimm kann die Lage nicht sein, wenn man es schafft, im Zeitraum der Pandemie fast 6000 Betten abzubauen und allein in 2020 mehr als 20 Kliniken zu schließen. Für das Personal hatte man bis heute nicht mehr als Klatschen und warme Worte übrig, während sich (auch die Jenaer) Stadtverwaltungen großzügige Corona-Prämien gönnten.
Auch in 2021 gingen die Klinikschließungen weiter, von Prämien für hohe Bettenauslastung ganz abgesehen. Man muss die Panik mit allen Mitteln hochhalten und das geht eben nur, wenn man permanent mit hoher Auslastung Angst schüren kann.
Aktuell planen die SRH-Kliniken im Landkreis Sigmaringen die KH-Standorte in Bad Saulgau und Pfullendorf zu schließen.

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