Die Phasen der Pandemie Daten-Rückblick auf ein Jahr Corona-Pandemie in Sachsen-Anhalt

Ein junger Mann blickt in die Kamera.
Bildrechte: MDR/David Muschenich

Als letztes Bundesland hatte Sachsen-Anhalt am 10. März seinen ersten nachweislichen Corona-Fall. Mittlerweile sind es mehr als 60.000, zu 96 Prozent aus der zweiten Welle. Ein Jahr danach startet MDR SACHSEN-ANHALT eine Reihe und blickt zurück, wie sich der Alltag seitdem verändert hat.

Am 10. März 2020 meldete das Sozialministerium die ersten Corona-Infizierten in Sachsen-Anhalt. Am Ende des Tages waren es acht nachgewiesene Fälle, heute sind es mehr als 62.000.

Seitdem änderte sich der Alltag aller Menschen grundlegend und ständig. Die dauernd neuen Verordnungen überlagerten dabei teilweise die verschiedene Phasen der Covid-19 Pandemie in Sachsen-Anhalt. Rückblickend ist natürlich immer mehr Wissen da, aber es kann auch dabei helfen, die aktuelle Lage besser zu beurteilen.

So ist mittlerweile zum Beispiel klar: Das zweite Halbjahr der Corona-Pandemie entspricht letztlich der zweiten Welle. Es infizierten sich deutlich mehr Menschen nachweislich mit Corona als im ersten Halbjahr. Denn bis zum 10. September waren es landesweit nur rund 2.300 Fälle, in den folgenden sechs Monaten hingegen mehr als 60.000 – das entspricht rund 96 Prozent aller bislang Infizierten in Sachsen-Anhalt:

Erste Phase: Die erste Welle

Nach der ersten Meldung stiegen die Infektionszahlen rasch. Innerhalb einer Woche waren 100 Infizierte bekannt, bis Anfang April 800. Um die weitere Ausbreitung einzudämmen, schlossen Schulen und Kitas, dann Restaurants und weitere Einrichtungen.

Besonders die Stadt Halle war in Sachsen-Anhalt betroffen und rief den Katastrophenfall aus. Es folgten weitere Eindämmungsmaßnahmen, die Menschen sollten ihre Wohnungen nur in Ausnahmen verlassen. Wegen 41 Infektionen mit dem Coronavirus standen im Landkreis Wittenberg die Orte Jessen und Schweinitz komplett unter Quarantäne.

Ab Anfang April begannen die täglich registrierten Neuinfektionen wieder zu sinken. Die strengen Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wurden Mitte April teilweise gelockert.

Zweite Phase: Ein ruhiger Sommer

Während der Pandemie waren verschiedene Werte wichtig, mit denen Politik und Medien versuchten, das Infektionsgeschehen in Zahlen greifbar zu machen. Einer dieser Werte war im ersten Halbjahr der 7-Tage-Durchschnittswert der täglich gemeldeten Neuinfektionen.

Im Mai sanken die 7-Tage-Neuinfektionen in den einstelligen Bereich. An vereinzelten Tagen wurden erstmals seit Beginn der Pandemie landesweit keine neuen Fälle bekannt. Sachsen-Anhalts Landesregierung beschloss deutliche Lockerungen der Corona-Beschränkungen. Auch Friseure und Fahrschulen durften wieder öffnen.

Nur in Magdeburg gingen die Fallzahlen ab dem 15. Juni binnen weniger Tage rasant nach oben. Grund dafür war ein lokales Infektionscluster. Einige Schulen, Spielplätze und Jugendeinrichtungen wurden zeitweise geschlossen, bis die Infektionszahlen wieder zurückgingen.

Dritte Phase: Lockerungen nach der ersten Welle

Dann blieb das Infektionsgeschehen zunächst einigermaßen gleich – stieg dann aber stetig, von Woche zu Woche wieder an. Unter den Infizierten waren besonders viele, die von Reisen zurück kamen.

Im 7-Tages-Mittel lagen die täglichen Neuinfektionen trotzdem weiter im einstelligen Bereich. Seit Anfang Juli galt landesweit eine neue Corona-Verordnung. Empfehlungen ersetzten Verbote.

Doch aus nahezu allen Regionen des Landes kamen neue Fälle hinzu. Einige Landkreise waren davor wochenlang ohne neuen Corona-Fall. Am 10. September, ein halbes Jahr nach dem Beginn der Pandemie, hatten sich in Sachsen-Anhalt 2.317 Personen nachweislich mit Corona infiziert.

Vierte Phase: Ein langsamer Anstieg im Spätsommer

Der sanfte Anstieg der Corona-Zahlen setzte sich weiter fort. Zunächst jedoch so langsam, dass es nicht dramatisch erschien, als die Regierung in Sachsen-Anhalt am 15. September Lockerungen beschloss: Am 1. November sollten Clubs und Bars wieder öffnen.

Dabei lag der 7-Tage-Durchschnitt der Neuinfektionen in Sachsen-Anhalt bei über dem Schnitt des ersten Halbjahres – und stieg kontinuierlich. Genauso wie die 7-Tage-Inzidenz des Robert Koch-Instituts (RKI): Von 3 auf schließlich 7. Das war jedoch niedriger als der Bundesschnitt von 14; Sachsen-Anhalt stand verhältnismäßig gut da.

Die Inzidenz des RKI

Die Inzidenz ist eine weitere Kennzahl, um das Infektionsgeschehen in Zahlen zu fassen. Sie ist die Summe aller neuen Corona-Fälle innerhalb einer Woche umgerechnet auf 100.000 Einwohner.
Die Inzidenz beruht auf demselben realen Geschehen wie der 7-Tage-Durchschnitt. Steigt die eine Kennzahl, dann auch die andere. Aber mittlerweile ist die 7-Tage-Inzidenz die Grundlage für politische Entscheidungen geworden.
Und durch sie lassen sich Länder miteinander vergleichen. Denn die absoluten Zahlen sind in einem einwohnerreichen Land, wie zum Beispiel Baden-Württemberg, höher als in einem kleinen, wie Sachsen-Anhalt.

Während die Inzidenz im Bundesschnitt weiter stieg, blieb sie in Sachsen-Anhalt noch für mehrere Tage einstellig. Trotzdem entschloss sich die Landesregierung am 13. Oktober dazu, ihre Lockerungsversprechen zurückzunehmen.

Fünfte Phase: Zu Weihnachten mehr als 200

Innerhalb von zwei Wochen stieg in Sachsen-Anhalt die 7-Tage-Inzidenz des RKI von 10 auf 50 am 31. Oktober. Dennoch sah es in Sachsen-Anhalt besser aus als in den meisten anderen Bundesländern. Der durchschnittliche Inzidenzwert lag in Deutschland bei 111.

Damit war die gesetzte Grenze von 50 Neuinfektionen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner deutlich überschritten. Am 2. November startete Deutschland in den "Teil-Lockdown" – einen Tag, nachdem Bars und Clubs in Sachsen-Anhalt eigentlich wieder öffnen sollten. Trotzdem ging das Land unter Ministerpräsdent Reiner Haselhoff (CDU) einen Sonderweg.

Sachsen-Anhalt war etwas später dran

Es wirkt so, als ob Sachsen-Anhalt die Corona-Entwicklung zeitlich etwas versetzt zum Bundesdurchschnitt durchmachte. Die Inzidenz des Landes holte zwar auf den Bundesschnitt auf, blieb aber darunter. Bis zum 24. Dezember. Genau zu Weihnachten lag der Wert in Sachsen-Anhalt das erste Mal über 200 und das erste Mal über dem Bundesschnitt. Seitdem ist er nicht mehr unter den Schnitt gesunken.

Sechste Phase: Impfstart und die meisten Infektionen

Am 27. Dezember startete in Sachsen-Anhalt das Impfen. Und über die Feiertage und den Jahreswechsel sanken die Corona-Zahlen. Eine Erklärung dafür lautet: In der Zeit gab es weniger Corona-Tests.

Doch die hohen Infektionszahlen der zweiten Welle liegen nicht nur an den Tests. Das belegt die Positivrate – also wie viel Prozent aller Tests positiv ausfallen. Diese Rate war im November, Dezember und Januar deutlich höher als im ersten Halbjahr. Und auch über die Feiertage und den Jahreswechsel ging der Anteil positiver Tests nicht zurück, sondern stieg.

Die Inzidenzzahl stieg schließlich auch wieder und erreichte ihren bisherigen Maximalwert am 15. Januar mit durchschnittlich 243 Neuinfizierten in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner.

Siebte Phase: Die Zahlen sinken wieder

Zwar ging die 7-Tage-Inzidenz des RKI danach wieder zurück, blieb aber über 100. Die Regierung verschärfte die Maßnahmen: Am 27. Januar wurden in Bus und Bahn eine OP- oder Filter-Masken zur Pflicht.

Erst Anfang Februar hatte sich der Inzidenzwert halbiert und am 10. Februar lag er das erste Mal wieder unter 100. Verglichen mit den Werten aus dem Vormonat war das zwar deutlich niedriger, aber insgesamt noch hoch. Sachsen-Anhalt verlängerte am 11. Februar den Corona-Lockdown bis in den März.

Achte Phase: Schulstart, trotz Inzidenz über 50

Dann hörten die Zahlen auf zu sinken. Am 13. Februar erreichte Sachsen-Anhalt die bisher niedrigste Inzidenz in diesem Jahr. Sie lag bei 75. Danach ging die Inzidenz mal nach oben, mal nach unten; sie blieb zwischen 80 und 90.

Der durchschnittliche Inzidenzwert der Bundesländer lag darunter: kurzzeitig bei 57, aber dann stieg er wieder, statt zu sinken. Am 1. März lag er bei 66. An diesem Tag öffneten in Sachsen-Anhalt die Schulen wieder für den Präsenzunterricht.

Neunte Phase: Inzidenz gegen Impfrate

Am 3. März beschlossen Bund und Länder den "Lockdown" bis 28. März zu verlängern. Allerdings mit Öffnungsschritten, die wiederum mit einer regionalen "Notbremse" ab einer Inzidenz von mehr als 100 versehen sind.

Seit Ende Februar sinkt die 7-Tage-Inzidenz in den meisten Bundesländern nicht mehr, sondern steigen sogar im Schnitt an. Dabei verbreitete sich vor allem eine Covid-19 Variante: die sogenannte "britische Variante" B.1.1.7. Sie gilt ans ansteckender und gefährlicher als die anderen. Auch das Sozialministerium in Sachsen-Anhalt berichtet, dass meistens diese Variante nachgewiesen wurde.

Nur bei Menschen ab 75 ist ein gegenteiliger Trend bei der Inzidenz zu sehen. In dieser Altersgruppe sinkt der Wert. Die Altersgruppe ist aktuell auch die mit den meisten Geimpften.

Zurzeit ist nicht absehbar, wie sich das Infektionsgeschehen in den kommenden Wochen verändert. Das Science Media Center betont in einem aktuellen Bericht, dass es drei Variablen gibt, die stark beeinflussen, wie sich die Fallzahlen entwickeln:

1. Ob sich die Menschen an die Hygiene-Maßnahmen halten
2. Wie schnell die Impfrate steigt und wie wirksam der Impfstoff Infektionen verhindert
3. Wie schnell sich die Covid-19 Varianten verbreiten können

Klarheit darüber wird es – wie eingangs erwähnt – erst rückblickend geben. Die wöchentlichen Daten können Sie im MDR Corona-Daten-Update verfolgen.

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MDR/David Muschenich, Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 10. März 2021 | 05:30 Uhr

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