Einkaufstourismus vor Weihnachten Halle und Magdeburg diskutieren verschärfte Corona-Maßnahmen

Ab Montag sind voraussichtlich die meisten Geschäfte in Sachsen geschlossen, in Sachsen-Anhalt dagegen weiterhin offen: Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand befürchtet, dass zu viele Menschen aus Sachsen für ihre Weihnachtseinkäufe in die Einkaufszentren in das benachbarte Bundesland fahren. Über Ladenschließungen in Halle will er dennoch erst ab einem Inzidenzwert von 200 nachdenken.

Die letzten Weihnachtsgeschenke werden in einem Einkaufszentrum von Kunden gekauft.
Ab Montag, den 14. Dezember sind fast alle Geschäfte in Sachsen geschlossen. Sachsen-Anhalt will die Maßnahmen gegen das Corona-Virus noch nicht verschärfen. Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt werden die Folgen der verschärften Corona-Maßnahmen des Nachbarbundeslandes diskutiert.

Der Oberbürgermeister von Halle, Bernd Wiegand (parteilos), befürchtet etwa, dass Besucherinnen und Besucher aus Sachsen für die Weihnachtseinkäufe in den Süden des Landes fahren. In einem Interview mit MDR AKTUELL sagte er, wichtig sei, den Besucherverkehr zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt einzuschränken, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Denn auch im Süden Sachsen-Anhalts gebe es eine sehr hohe Inzidenzzahl.

Eine Möglichkeit sei, dass in Sachsen Umkreisbeschränkungen gelten, damit Menschen nicht von Sachsen aus nach Sachsen-Anhalt zum Einkaufen fahren. Je nachdem, was dann letztendlich in der Verordnung stehe, werde man darauf reagieren. Er setze aber auf die Vernunft der Menschen und nicht auf Kontrollen.

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Geschäfts- und Schulschließungen in Sachsen

Am Nachmittag teilte das sächsische Sozialministerium dem MDR mit, in der neuen Allgemeinverfügung mit schärferen Corona-Maßnahmen Einkaufstourismus in die Nachbarbundesländer untersagen zu wollen. Die neuen Regeln will die sächsische Landesregierung am Freitag in einer neuen Allgemeinverfügung festlegen. Klar ist schon jetzt: Ab dem 14. Dezember müssen Schulen, Kitas und Geschäfte, die nicht für täglichen Bedarf nötig sind, schließen.

Anders in Halle: Dort soll erst ab einer Inzidenz von 200 über Ladenschließungen nachgedacht werden, so Oberbürgermeister Wiegand.

7-Tage-Inzidenz Die 7-Tage-Inzidenz gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner in der vergangenen Woche positiv auf das Virus getestet wurden. Der Wert macht das Infektionsgeschehen der unterschiedlich dicht bevölkerten Regionen vergleichbar.

Nach Angaben der Stadt und der Landkreise lag in Halle die Inzidenz am Donnerstag bei 121,83 – fast genau auf dem Wert des Landesdurchschnittes von 127,9. Im benachbarten Saalekreis bei 175,72 und im Burgenlandkreis bei 291,31.

Sachsen ist dagegen stärker von den gemeldeten Neuinfektionen betroffen. Die landesweite 7-Tage-Inzidenz lag hier laut Robert Koch-Institut am Donnerstag bei 309,6. Im Landkreis Nordsachsen lag der Wert bei 301,4. In Leipzig bei 109,9 und im Landkreis Leipziger Land bei 228,6.

Magdeburg empfiehlt strengere Corona-Maßnahmen

Auch Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) hat sich für strengere Corona-Maßnahmen ab Weihnachten ausgesprochen. Er sagte am Mittwoch in Magdeburg, man solle bis Weihnachten alles Nötige besorgen und dann bis zum 11. Januar alles runterfahren, was möglich sei.

Durch zwei Wochen zu Hause bleiben entstehe auch kein wirtschaftlicher Schaden, so Trümper. Eine Verschärfung der Kontaktregeln an den Feiertagen lehnte der Oberbürgermeister jedoch ab. Eine entsprechende Kontrolle in den Familien halte er nicht für möglich. Er appelliere stattdessen an die Menschen, sich bewusst zu machen, dass man selbst oder die Großeltern sterben könnten. Man solle sich der Situation entsprechend verhalten.

Wissenschaftsakademie für "harten Lockdown"

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle hatte am Dienstag mit der Stellungnahme: "Corona-Virus-Pandemie: Die Feiertage und den Jahreswechsel für einen harten Lockdown nutzen" ein zweistufiges Vorgehen zur Verschärfung der Corona-Maßnahmen vorgeschlagen. Ab 14. Dezember sollten berufliche und private Kontakte auf ein absolutes Mindestmaß reduziert werden und die Schulpflicht bis zum Beginn der Weihnachtsferien aufgehoben werden, hieß es darin. Ab dem 24. Dezember bis zum 10. Januar 2021 schlagen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor, Geschäfte zu schließen und das öffentliche leben weitgehend ruhen zu lassen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich für weitgehende Schließungen von Geschäften und Schulen bis mindestens 10. Januar ausgesprochen.

Für Sachsen-Anhalt hatte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) jedoch vorerst keine neuen Corona-Maßnahmen angekündigt. Die aktuelle Verordnung gelte weiter bis zum 20. Dezember, sagte er in einer Landespressekonferenz in Magdeburg am Dienstag. In der nächsten Woche soll aber noch einmal neu beraten werden.

Quelle: MDR,dpa/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 08. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

18 Kommentare

Pollux vor 40 Wochen

Arbeiten müssen und arbeiten dürfen ist ein Unterschied. Arbeiten müssen die Sachsen weiterhin, weil sie es dürfen oder umgekehrt. Jedoch nehme ich an, dass Konsum keiner triftiger Grund ist, die Wohnung oder das Haus zu verlassen. Sie dürfen es also nicht, auch wenn sie es müssten. Ein ziemlich harter Einschnitt.

MDR-Team vor 40 Wochen

Vielen Dank für Ihre Anregung. Im Moment bieten wir nur das Kommentieren unter unseren Texten an. Wir nehmen Ihren Vorschlag aber mal mit in die Redaktion.

FCM1965 vor 40 Wochen

Ich bitte den MDR ein offizielles Forum dieser Art zu eröffnen wo man das diskutieren kann. denn es ist doch nun mal so das der Unmut der Bevölkerung wächst und niemanden interessiert es.

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