Handreichung vom Bildungsminsterium Corona: Empfehlungen für digitalen Unterricht sorgen an Schulen für Stirnrunzeln

Die Corona-Infektionszahlen steigen weiter. Das Land Sachsen-Anhalt bereitet die Schulen mit einer Handreichung auf eine zweite Homeschooling-Phase vor. Doch für die Umsetzung sind Schulen und Eltern gefragt.

Homeschooling
Eltern sind in der Aufgabe, dass ihre Kinder am digitalen Unterricht teilhaben können. (Symbolbild) Bildrechte: imago images / Ritzau Scanpix / Unger Anthon

Seit dieser Woche sind die Herbstferien in Sachsen-Anhalt Vergangenheit und Kinder und Jugendliche gehen wieder in die Schule. Doch das könnte sich angesichts steigender Corona-Infektionszahlen auch wieder ändern. Aktuell soll der Unterricht vor Ort möglichst weiterlaufen – das betonen Politikerinnen und Politiker seit Tagen. Doch für den Fall der Fälle, dass Schülerinnen und Schüler aufgrund der Corona-Lage wieder zu Hause unterrichtet werden müssen, hat das Bildungsministerium eine Handreichung für den Distanzunterricht an die Schulen geschickt. Sie ging bereits vorige Woche heraus.

Kritik: Empfehlung lässt Betroffene bei Umsetzung alleine

Diese Empfehlung sorgt bei Lehrkräften, Schulkindern und Eltern allerdings eher für Stirnrunzeln. Denn auf den zehn Seiten gibt die Landesregierung zwar vor, wie das Lernen zu Hause am Computer auszusehen habe. Es lässt die Betroffenen allerdings bei der Umsetzung im Großen und Ganzen alleine, kritisieren einige Empfänger des Schreibens.

So heißt es beispielsweise, dass Lehrer sehr viel und eng Kontakt zu den Schulkindern halten sollen. Verfügen Schüler aber nur über eine eingeschränkte technische Ausstattung – haben sie zu Hause etwa keinen Drucker, keine ausreichende Internetverbindung, keinen Laptop – "dann soll die Schule für die Kommunikation über digitale Medien geeignete Ersatzmaßnahmen sicherstellen." Wie diese genau aussehen sollen, bleibt offen.

Unterrichtsmaterial nach Hause gebracht

Die Schulleiterin der Grundschule in Dessau-Meinsdorf, Bettina Mattuschka, fürchtet, dass dabei einige Kinder schon wegen ihrer fehlenden technischen Grundvoraussetzung auf der Strecke bleiben könnten. Von ihren 131 Schülerinnen und Schülern seien nicht alle technisch in der Lage, sich Aufgaben aus dem Internet herunterzuladen oder gegebenenfalls auszudrucken, sagte Mattuschka.

Als die Schulen im Frühjahr Corona-bedingt geschlossen waren, sei sie selbst mit dem Auto zu den Kindern, die diese Möglichkeit nicht hatten, gefahren und habe sie mit den entsprechenden Aufgaben versorgt. Mattuschka sagt MDR SACHSEN-ANHALT: "Wenn ich es nicht für alle Schüler anbieten kann, fängt eigentlich beim Distanzunterricht schon ein bisschen die Zweiklassengesellschaft an." Ihr sei es wichtig, dass alle Kinder den gleichen Zugang zu Bildung haben. Und wenn nicht alle Kinder über die gleichen technischen Voraussetzungen verfügten, könne sie so einen Unterricht auch nur schwer gestalten.

Schulen sehen sich nicht genügend ausgestattet

Die Bedingungen für das Lernen zu Hause sollen laut Empfehlung des Ministeriums eigentlich von Eltern ermöglicht werden. Stoßen sie dabei auf Probleme, soll das der Schule mitgeteilt werden, damit diese die Eltern unterstützen kann. Wie, das wissen allerdings auch viele Schulen nicht, da sie selbst nicht unbedingt besser ausgestattet sind.

Das sieht auch Schulleiterin Mattuschka an ihrer Einrichtung. Im Lehrerzimmer gebe es einen Rechner. Für sieben Lehrkräfte sei es natürlich schwierig, dass alle an diesem einen Computer arbeiten. Deswegen müssten auch sie zu Hause an ihren privaten Computern arbeiten. "Wir haben auch in der ersten Phase im vorigen Schuljahr schon mit unseren Rechnern gearbeitet und über die emu-Cloud Materialien zusammengestellt. Es wäre schön, wenn man hier auch in einer Schule einen Arbeitsplatz hätte, wo man die entsprechenden Dinge nutzen kann."

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Ministerium: 9.500 Schüler-Laptops angeschafft

Um besser auf digitalen Unterricht vorbereitet zu sein, hatte das Land Laptops und Touchpads für Schülerinnen und Schüler bestellt. Aus dem Bildungsministerium hieß es auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT, diese sein fast vollständig ausgeliefert. Demnach wurden mehr als 9.500 digitale Endgeräte an die Träger von gut 260 Schulen übergeben. Allerdings haben nicht alle Schulträger zentral über das Land bestellt, sondern sich selbst darum gekümmert. Hier liegen aktuelle Zahlen nicht vor.

Leere Stühle in einem Klassenraum mit stilisierter Person an einem Schreibtisch und Corona-Virus. Dazu der Schriftzug "Schule im Stresstest" 13 min
Bildrechte: MDR/MEDIEN360G

Die Corona-Krise zeigt, dass es im digitalen Bildungsalltag noch nicht so läuft, wie sich Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Lehrende das wünschen. Woran liegt das und wie weit sind unsere Schulen?

Di 28.04.2020 10:35Uhr 13:21 min

https://www.mdr.de/medien360g/medienwissen/digitale-bildung-schule-corona-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Neben der technischen Ausstattung der Kinder und Jugendlichen werden auch die Lehrkräfte für den digitalen Unterricht weiter ausgebildet. Das Ministerium sieht hier bereits Verbesserungen im Vergleich zu vor einem halben Jahr. So hätten sich viele Lehrkräfte inzwischen bei Online-Plattformen wie Moodle registriert. Seit Ende März habe es dort einen Anstieg um 75 Prozent gegeben.

Der Landeselternrat hatte am Sonntag bei MDR SACHSEN-ANHALT bezweifelt, dass die Schulen für mögliche erneute Schließungen in der Corona-Pandemie gut aufgestellt sind.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. Oktober 2020 | 07:10 Uhr

2 Kommentare

cat13 vor 50 Wochen

Auf Kurz oder Lang wird Home Schooling normal. Wenn ich nicht gerade kleine Kinder (Grundschule) habe, warum muss ich als Elternteil dabei sein. Ich bin doch auch nicht in der Schule dabei.

1975Christian vor 50 Wochen

Die Eltern dürfen sich also wieder um die Bildung unserer Kinder kümmern. Was haben die Damen und Herren, die sich Bildungsminister usw nennen, eigentlich die ganze Zeit gemacht. Es war doch abzusehen, das eine so genannte 2. Welle kommt. Hätte man nicht Konzepte ausarbeiten können oder sogar müssen, um das Homeshooling zuvermeiden? Wir als Eltern, können und wollen nicht der Lehrerersatz sein... Die Lehrer wissen das und dürfen sich nicht ihrer Verantwortung gegen unserer Kinder und uns entziehen. Sie sollten Rückrad zeigen und auf die Barrikaden gehen. Schule und Kita's sind keine Hotspots der "Pandemie". Wir als Eltern möchte unseren Berufen nachgehen, müssen Geld verdienen, müssen für unsere Mitarbeiter, Kunden da sein. Ich bin GF einer Fa. und bekomme kein Kurzarbeitetgeld, keine Zuwendung von irgendwen und jetzt soll ich wieder Lehrer spielen? Das kann doch nicht war.... Wir müssen alles was die Damen und Herren beschließen, hinterfragen und notfalls auch uns dagegen wehren...

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