Gaskrise Steigende Preise für Gas: Landesregierung lädt zum Energiegipfel

Was kann gegen die aktuelle Energiekrise getan werden? Darüber will am Dienstag die Landesregierung beraten – zunächst intern und mit einem Blick auf das, was in Gebäuden des Landes eingespart werden kann. Später am Tag sollen auch Unternehmen und Handelskammern zu Wort kommen. Sorge macht der Regierung vor allem der nahende Winter.

Eine Gasflamme brennt auf einem Küchenherd.
Was tun gegen knappes Gas und steigende Preise? Darüber will die Landesregierung am Dienstag bei einem Energiegipfel beraten. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Angesichts möglicher Engpässe in der Versorgung mit Erdgas will Sachsen-Anhalts Landesregierung mit betroffenen Verbänden und Unternehmen beraten. Wie die Staatskanzlei mitteilte, soll am Dienstag in Magdeburg ein entsprechendes Gipfeltreffen unter Leitung von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) stattfinden.

Die Tagesordnung besteht dabei aus zwei wesentlichen Punkten: Zunächst will die Landesregierung am Vormittag über Wege beraten, wie in öffentlichen Gebäuden Energie gespart werden kann. Dazu war bereits vor einigen Wochen eine Arbeitsgruppe eingesetzt worden.

Nach Informationen der Mitteldeutschen Zeitung (MZ), sollen in Behörden etwa Flure und Kopierräume nicht mehr beheizt werden. In Arbeitsräumen soll die Temperatur abgesenkt werden. Es soll nur kaltes Wasser an Waschbecken sowie Einsparungen beim Licht geben. Die MZ teilte mit, dass ihr die Beschlussvorlage vorliege. Demnach sollen zudem Beschäftigte mit Dienstwagen freiwillig maximal 120 Kilometer pro Stunde fahren, Behördenstandorte sollen zeitweise geschlossen werden, zum Beispiel über Weihnachten. Über die Vorlage wird am Dienstag beraten.

Später sollen einer Ankündigung zufolge unter anderem Vertreter "energieintensiver Unternehmen" und Wirtschaftsverbänden zu Wort kommen.

Die Ergebnisse des Energiegipfels sollen am Dienstag ab etwa 15 Uhr bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden. Sie wird auf dem Youtube-Kanal des Landes gestreamt.

Gemeinsame Lösungen sollen besprochen werden

Wie die Staatskanzlei weiter mitteilte, sollen auch Vertreter der Industrie- und Handelskammern, der kommunalen Spitzeverbände sowie der Chemie- und Industrieparks zu Wort kommen. Auch seien die Bundesnetzagentur und das Bundeswirtschaftsministerium beteiligt, hieß es. Gemeinsames Ziel sei, ein Bild der Lage zu erhalten und mögliche Lösungen zu erörtern.

Ein Regierungssprecher hatte MDR SACHSEN-ANHALT bereits Anfang August gesagt, man erwarte für Herbst, spätestens aber den Winter, "sehr große Herausforderungen". Problematisch sei dabei weniger die Verfügbarkeit von Gas als dessen derzeitige Marktpreise. "Wir wollen Lösungsvorschläge anbieten und suchen", so der Sprecher weiter.

Gaskunden müssen ab Herbst deutlich mehr zahlen

Gaskunden in Deutschland müssen ab Herbst deutlich mehr zahlen als bislang. Wie am Montag bekannt wurde, soll die staatliche Gasumlage bei 2,419 Cent pro Kilowattstunde liegen. Für einen vierköpfigen Durchschnittshaushalt mit 20.000 Kilowattstunden Verbrauch ergibt sich, so eine Beispielrechnungs des Vergleichsportals Verivox, damit eine Zusatzbelastung von jährlich 576 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Energieintensive Unternehmen im Fokus

Besonders im Fokus stehen Unternehmen in der chemischen Industrie wie die SKW Stickstoffwerke Piesteritz oder die Glasindustrie. Ministerpräsident Haseloff hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, wie wichtig einzelne Unternehmen in diesen Branchen für Lieferketten in ganz Deutschland seien. Für ihre Produktion sind diese aber noch auf Erdgas angewiesen.

Am Industriestandort Leuna begrüßte man die Einladung. Man wolle das Land "im Rahmen unserer Möglichkeiten tatkräftig unterstützen", sagte der Prokurist von InfraLeuna, Detlev Brodkorb, Anfang August im MDR.

Was sich an Energie in der Produktion sparen lasse, werde von den Unternehmen bereits umgesetzt, erklärte dagegen Nora Schmidt-Kesseler vom Interessenverband Nordostchemie. Weitere Einsparungen ließen sich nur durch ein Zurückfahren des Betriebs erreichen. Auch deshalb brauch es jetzt ein "klares und übergreifendes Konzept", so Schmidt-Kesseler Anfang des Monats, die allerdings mehrere Bundesgesetze und -programme als entscheidende Stellschrauben nennt.

Diskussion um Schutzschirm für Kommunen

Ob die Landesregierung auch die Einrichtung eines landeseigenen Schutzschirms für überforderte Kommunen erwäge, wollte der Regierungssprecher Anfang des Monats nicht kommentieren. Laut Nachrichtenagentur dpa werden allerdings zumindest die rechtlichen Rahmenbedingungen geprüft.

Einen solchen Schutzschirm hatte der Städte- und Gemeindebund zuletzt in einem Brief an Ministerpräsident Haseloff gefordert. Auch die Linke im Landtag fordert Hilfen für kommunale Stadtwerke.

Hoffen auf weitere Unterstützung vom Bund

Zudem hofft man auf weitere Unterstützung vom Bund: Haseloff sei fortwährend mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) im direkten Kontakt, hieß es zuletzt aus der Staatskanzlei.

Auslöser der aktuellen Situation sind seit Monaten steigende Energiepreise, die sich im Zuge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine weiter verschärft haben. Russland hat zudem Gaslieferungen an Deutschland gedrosselt. Die deutschen Gasspeicher füllen sich derzeit dennoch wieder.

Mehr zum Thema: Energiekrise und hohe Inflation

dpa, MDR (Thomas Vorreyer, Mario Köhne, Luca Deutschländer) | Erstmals veröffentlicht am 03.08.2022

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16. August 2022 | 19:00 Uhr

8 Kommentare

ElBuffo vor 8 Wochen

Das wird in Kiew nicht viel anders als bei unseren AKW und Kohlekraftwerken sein. Die lassen sich gar nicht schnell genug an den Bedarf anpassen und so wird eben der überschüssige Strom nachts für taghelle Beleuchtung verplempert, anstatt die Stromproduktion entsprechend zu flexibilisieren oder den Überschuss wenigstens sinnvoll zu verwenden. Lichtverschmutzung gehört sicher nicht dazu.

ElBuffo vor 8 Wochen

Putin kann doch ganz einfach seine vorhandenen Leitungen auslasten. Solange da eine zu 20% läuft, kommt doch mit einer zusätzlichen nicht plötzlich mehr an?

hilflos vor 9 Wochen

Ja und zusätzlich bin ich dafür die Straßenbeleuchtung insgesamt abzuschalten. Nur so können wir Putin in die Knie zwingen. Kiew ist zwar hell erleuchtet, aber die müssen ja, dank AKWs und uns nicht sparen.
Im Winter, wenn wir frieren und alle (ausser die üblichen Verdächtigen) mit der Zähnen klappern, wird Putin bestimmt einmachen, weil er glaubt die deutschen "Tierpanzer" kommen

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