Steigende Energiekosten Wie Haushalte trotz steigender Preise sparen können

MDR Aktuell-Redakteur Marvin Kalies
Bildrechte: Marvin Kalies

Benzin und Diesel waren nie so teuer wie heute. Auch bei Strom und Gas steigen die Preise. Experten sehen an einigen Stellen dennoch Möglichkeiten, wie Haushalte sparen können. Vergleichen lohnt sich weiter, auch das sinnvolle Nutzen von Stromfressern zahlt sich am Jahresende aus.

Wer früher an der einen Tankstelle in Sachsen-Anhalt noch sparen konnte, sieht nun auch dort wegen des Ukraine-Kriegs Rekordpreise, der jährliche Anbieterwechsel bei Strom und Gas verspricht teilweise gar keine Ersparnisse mehr. Experten der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt, vom ADAC und den Vergleichsportalen Verivox und Check24 haben MDR SACHSEN-ANHALT verraten, wie Haushalte dennoch sparen können und auf welchen Kostenanstieg sich Menschen in Sachsen-Anhalt einstellen müssen.

Schwankungen der Spritpreise ausnutzen

Die Preise von Benzin und Diesel sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Allein von Mitte Februar bis Mitte März hat es in Sachsen-Anhalt einen Preissprung von 64 Cent pro Liter Diesel und 44 Cent pro Liter Benzin gegeben. Das geht aus einer Erhebung des ADAC hervor.

Der ADAC verweist jedoch darauf, dass die Preise innerhalb eines Monats enorm schwanken. Es lohne sich, die Preise zu beobachten:

Dies ist jedoch kein Dauerzustand, vielmehr ändern sich die Spritpreise mehrmals täglich und auch zwischen einzelnen Ländern, Regionen, ja auch innerhalb von Städten, gibt es verschiedene Preisniveaus. 

Andreas Hölzel – ADAC

Wer also ein paar Stunden später nochmal an einer Tankstelle vorbeischauen kann oder Vergleichs-Apps nutzt, könne immer noch eine Menge Geld beim Tanken für seine Pendlerstrecken sparen.

Was bedeutet das für Pendler? Bei einer Pendelstrecke von 30 Kilometern bis zum Arbeitsort und 21 Arbeitstagen im Monat fallen  derzeit Benzinkosten von 194,75 Euro (Diesel: 203,39 Euro) im Monat an. Das sind Mehrkosten von 44,37 Euro (bei Diesel: 64,12 Euro) pro Monat im Vergleich zu den Spritkosten im Oktober 2021.

Berechnungsgrundlage: Pendelstrecke 30 Kilometer (entspricht Durchschnittsarbeitsweg 2018), Arbeitsmonat mit 21 Tagen, ein Verbrauch von 7l/100km, Benzin 2,208€/Liter, Diesel 2,306€/Liter

Neukundenangebote gehören der Vergangenheit an

An den Börsen werden Strom und Gas zu Rekordwerten gehandelt. Das hat viele Stromanbieter bereits in den vergangenen Wochen und Monaten zu Preiserhöhungen gebracht. Laut Vergleichsportal Check24 sind rund 35 Prozent der deutschen Haushalte von Preiserhöhungen betroffen. Es wird erwartet, dass auch weiterhin Kundinnen und Kunden mit steigenden Preisen rechnen müssen.

Ein Sprecher des Vergleichsportals Verivox erklärte MDR SACHSEN-ANHALT, dass durch die steigenden Preise der Effekt entstanden sei, dass Neuverträge deutlich teurer geworden sind, als es bei den Bestandskunden der Fall ist. Wer früher noch durch Anbieterwechsel gute Angebote erzielen konnte, könne heute froh sein, wenn er einen guten Tarif oder sogar nur eine niedrige Erhöhung der Preise bekommen habe. Laut Verivox sind die Grundversorgungstarife in vielen Fällen heute deutlich günstiger als Neukundenangebote.

Entwicklung des Strompreises in Sachsen-Anhalt

Entwicklung des Gaspreises in Sachsen-Anhalt

Eine Verdopplung bis Vervierfachung der Gaspreise, wie sie die Stadtwerke Magdeburg erwarten, sind laut Lundquist Neubauer von Verivox tatsächlich realistisch, allerdings nur für Neukunden, die nicht die Grundversorgung wahrnehmen könnten.

Was bedeutet das für Haushalte? Ein Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh Strom muss nach dem aktuellen Durchschnittspreis in Sachsen-Anhalt im März 1.390 Euro im Jahr bezahlen. Das sind 60 Euro mehr im Jahr als im Grundversorgungstarif im August 2021.

Bei den Gaskosten ist der Sprung deutlich größer. Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh sind demnach mit dem aktuellen Durchschnittspreis im März in Sachsen-Anhalt 2.200 Euro im Jahr im Grundtarif fällig. Das sind 609 Euro mehr im Jahr als im entsprechenden Tarif im August 2021.

Einstieg in Grundversorgertarif prüfen

Um Strom- und Gaspreise zu vergleichen, braucht es auch das Wissen, wie viel der eigene Haushalt wirklich verbraucht, erklärt Diane Rocke von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Denn trotz schwieriger Angebotslage auf dem Markt, lohne es sich weiter, Angebote zu vergleichen. Unter Umständen könnten die regionalen Versorger noch gute Grundtarife anbieten. 

Unsere Recherche hat ergeben, dass die örtlichen Versorger (Grundversorger/Stadtwerke) in den Sondertarifen noch passable Preise anbieten.

Diane Rocke - Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt

Wer eine Erhöhung von seinem bisherigen Anbieter bekommen habe, solle nicht gleich von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Vorher gelte es zu prüfen, ob es wirklich ein besseres Angebot gibt – und das auch noch gilt. Denn unter Umständen nehmen Versorger derzeit keine Neukunden an.

Energiefresser kennen – aber nicht zwingend ersetzen

Die Preise für Strom und Gas werden auch in Zukunft hoch bleiben oder sogar weiter steigen, da ist sich die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt sicher. Auch das Vergleichsportal Check24 geht von einem weiteren Anstieg aus: 

Die hohen Energiepreise werden erst mit etwas Verzögerung vollumfänglich bei privaten Strom- und Gaskunden ankommen.

Steffen Suttner – Geschäftsführer Energie beim Vergleichsportal Check24

Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt empfiehlt deshalb, auch die Geräte im eigenen Haushalt zu kennen, die einen hohen Verbrauch verursachen. Eine alte Waschmaschine direkt auf den Wertstoffhof zu bringen, sei nicht zwingend notwendig. Aber eine effiziente Nutzung, das heißt, nur volle Maschinen waschen, bei 30 Grad, sei sinnvoll. Bei Trocknern sollten Verbraucherinnen und Verbraucher jedes Mal überlegen, ob das Einschalten wirklich sinnvoll sei oder die Wäsche auch auf der Leine getrocknet werden könne.

Neben den bekannten Tipps über das Ausschalten von Standby-Geräten und das Herausziehen von Ladegeräten von Smartphones, Rasierern und elektrischen Zahnbürsten lasse sich auch Geld durch richtiges Heizen sparen. Wer die Heizung nutzt, sollte die Thermostate vernünftig einstellen. Laut Verbraucherzentrale sollte immer auf einer geringen Grundtemperatur geheizt werden, die dann bei Bedarf erhöht werden kann. Wer seine Heizung nachts oder in Abwesenheit immer auf "0" stelle, verbrauche im Monat durch das Aufheizen des Wohnraums und der Wände mehr Energie, als wenn er dauerhaft eine Grundtemperatur gehalten hätte.

Bund beschließt Entlastungen

Die Bundesregierung will Haushalte mit niedrigem Einkommen und Unternehmen aufgrund gestiegener Energiekosten entlasten. Die Regierung hat dafür am Mittwoch mehrere Entlastungsmaßnahmen auf den Weg gebracht. Fernpendler sollen eine höhere Pendlerpauschale bekommen. Der Zuschuss zu Heizkosten soll verdoppelt werden.

MDR (Marvin Kalies)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 16. März 2022 | 16:00 Uhr

6 Kommentare

hansfriederleistner vor 21 Wochen

Laut der schweizer Zeitung Blick sind in der Schweiz die Spritpreise wieder von 2,20 Sfr. auf 2,00 Sfr. gefallen. Ebenso sind am Spotmarkt die Ölpreise wieder gesunken. Warum merkt man da in Deutschland nichts? Wir werden doch nicht nur aus Rußland beliefert.

Denkschnecke vor 21 Wochen

Also, das Eingreifen der NATO 1999 nach acht Jahren unvorstellbarer Massaker in Bosnien, Kosovo usw. als "erste(n) Angriffskrieg in Europa seit 1945" zu verkaufen, ist jetzt eine Geschichtsklitterung, die auch die aktuellen Ansichten von Putin übersteigt.
Ansonsten: Wenn man, wie Sie vorschlagen, den Energieeinkauf komplett von der Moral enkoppelt, dann sollten wir unbedingt unser Öl im Iran kaufen. Die könnten gerade bestimmt konkurrenzfähige Preise bieten.

Alexander S. vor 21 Wochen

Die Energiekosten lassen sich manchmal etwas verringern! So mussten die Mieter einer Liegenschaft (WBG) in Weißenfels-West für die Warmwassererwärmung 2020 einen Preis von 30,40€/m3 zahlen. Mit einen Warmwasserkocher oder Induktionskochfeld hätte man ca. 20% weniger gezahlt! Der Wirkungsgrad der Warmwassererwärmung im o. g. Ort ist teilweise sehr schlecht! Allerdings überprüfen die meisten Mieter ihre Betriebskostenabrechnungen nur oberflächlich, oftmals garnicht.

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