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Elektrolyseure für sogenannten grünen Wasserstoff werden derzeit in Handarbeit hergestellt (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Weniger Erdgas-AbhängigkeitMitteldeutsches Chemiedreieck setzt auf "grünen" Wasserstoff

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Stand: 25. März 2022, 06:53 Uhr

Bislang wird Wasserstoff vor allem aus Erdgas gewonnen. In Leuna entsteht eine Anlage, die sogenannten grünen Wasserstoff produziert. Das ist Wasserstoff, der per Elektrolyse aus Wasser mit Ökostrom erzeugt wird. Er kann unabhängiger von Gasimporten machen.

Andreas Dietrich will die Chemieindustrie grüner machen. Er baut in Leuna für den Gas-Konzern Linde den derzeit größten Elektrolyseur der Welt. Dieser soll mithilfe von Ökostrom Wasser aufspalten und grünen Wasserstoff erzeugen.

Grüner Wasserstoff ist derzeit kosten- und stromintensiv

Noch in diesem Jahr könnte die Anlage in Betrieb gehen und Leuna unabhängiger von Gasimporten machen. Denn bislang wird Wasserstoff vor allem aus Erdgas gewonnen. Das Projekt hat nur einen Haken: Es lohnt sich finanziell nicht, sondern ist "tiefrot", sagt Andreas Dietrich: "Deswegen bin ich unserem Vorstand zu tiefem Dank verpflichtet, dass er es trotzdem gemacht hat. Der Wasserstoff aus dem Elektrolyseur kostet derzeit circa das Vierfache wie der Wasserstoff aus Steam Reforming, sprich aus Erdgas."

Ein Grund für den Preisunterschied: Elektrolyseure sind teuer. Sie werden in Handarbeit gefertigt. Doch das könne sich ändern, wenn das Interesse an grünem Wasserstoff wachse, sagt Andreas Dietrich: "Sobald die Produktion automatisiert werden kann, und da sind wir jetzt auch gerade dabei, kriegen wir die Kapitalkosten auf circa 40 Prozent runter. Dann wären wir vom Kapital schon mal ähnlich wie die traditionelle Herstellung von Wasserstoff."

Das klingt gut, doch es bleibt ein anderes Problem. Die Elektrolyse braucht extrem viel Strom. Darin sieht Christof Günther, Manager des Chemieparks Leuna, derzeit die größte Herausforderung. Exemplarisch rechnet er vor: "Wenn die bisher hier in Leuna erzeugte Wasserstoffmenge durch Elektrolyse erzeugt werden müsste, dann benötigte man eine zusätzliche elektrische Leistung von 500 MW das ganze Jahr hindurch. Das entspricht ungefähr dem Bedarf von 3,4 Millionen Menschen."

Mehr Wind- und Solarkraft nötig

Will man dann auch noch Autos mit Wasserstoff fahren lassen und das ökologisch erzeugte Gas in Kraftwerken einsetzen, wird es richtig schwierig. Man müsste in Deutschland ein Vielfaches an Windrädern und Solaranlagen aufstellen, um mit deren Energie den grünen Wasserstoff selbst zu erzeugen. Trotzdem trifft man in Mitteldeutschland auf viel Wasserstoff-Enthusiasmus.

Stefan Bergander vom Branchen-Netzwerk Hypos sagt, es sei einiges möglich: "Es gab eine Hochrechnung beispielsweise für das mitteldeutsche Chemiedreieck, dass man ein Drittel der benötigten 3,6 Milliarden Kubikmeter Wasserstoff pro Jahr in Form von grünem Wasserstoff ersetzen kann durch eigene Kapazitäten aus Mitteldeutschland. Das heißt: Man nutzt insbesondere die Windkraft in Sachsen-Anhalt."

Wasserstoff-Produktion beginnt Ende des Jahres

Für Stefan Bergander eignet sich grüner Wasserstoff aus Deutschland zunächst als Premiumprodukt für die Chemieindustrie. Er könnte zum Beispiel die Stahlherstellung grüner machen. Ökologisch erzeugte Stähle ließen sich dann auch teurer verkaufen, sagt Bergander: "Wir gehen schon davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren ein größerer Markt entsteht, der dann auch die ganzen Fördermittel, die jetzt ausgezahlt werden, rechtfertigt." Man gehe also davon aus, dass sich Wertschöpfung entwickle und Arbeitsplätze entstünden.

Das Gas-Unternehmen Linde hat bereits erste Kaufinteressenten für grünen Wasserstoff. Trotzdem werden weitere Abnehmer gesucht, wenn Ende des Jahres der weltgrößte Elektrolyseur in Leuna in Betrieb geht. Projektleiter Andreas Dietrich ist optimistisch, dass er die Abnehmer findet. Man müsse das Projekt jetzt vorantreiben, auch weil man eine CO2-ärmere Chemieindustrie wolle.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 25. März 2022 | 06:00 Uhr

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