Keine Erholung für Pflegekräfte So angespannt ist die Lage auf den Intensivstationen durch Corona

In den Intensivbetten von Sachsen-Anhalt liegen wieder mehr Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind. Dabei konnte sich das Personal nach der zweiten Welle nicht erholen, klagt die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin.

Daniel Reuter und Nadja Heumann stehen in der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie der Universitätsmedizin Rostock an einem Intensivbett.
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In den Intensivbetten von Sachsen-Anhalt liegen aktuell 140 Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind. Vor einem Jahr, in der ersten Welle, waren es nicht einmal halb so viele. Zusätzlich ist die Arbeitsbelastung für das Pflegepersonal auf den Intensivstationen seit Monaten hoch und nicht mehr so, wie vor der Pandemie.

"Die Arbeit hat sich verändert", bestätigt Carla Stürmer aus dem Klinikalltag. Sie ist stellvertretende Pflegedienstleiterin der Intensivstation am Klinikum Magdeburg. Der Aufwand, die Patienten zu betreuen, sei höher. Meist brauche es pro Patienten eine Person für die Pflege. Die persönliche Schutzausrüstung anzuziehen, das benötige noch zusätzlich Zeit. Doch seit dem März im vergangenen Jahr hätte das Pflegepersonal viel gelernt, sagt Stürmer.

Die Entwicklung seit Beginn der Pandemie

Den ersten Patienten mit Covid-19 auf einer Intensivstation in Sachsen-Anhalt meldete die Landesregierung am 21. März 2020. Und innerhalb weniger Tage stieg die Anzahl in zweistellige Bereiche. Den höchsten Wert der ersten Welle erreichte Sachsen-Anhalt drei Wochen später: 48 Covid-19-Patienten.

Dann sanken die Zahlen wieder und blieben den Sommer über niedrig. In der ersten Septemberwoche meldete die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) keinen Covid-19 Fall auf einer Intensivstation in Sachsen-Anhalt. Doch mit der zweiten Welle brauchten wieder mehr Menschen ein Bett auf der Intensivstation.

Am 16. Dezember 2020 waren zum ersten Mal mehr als hundert Covid-19-Patienten auf den Intensivstation, drei Wochen später waren es mehr als 200. Rund die Hälfte davon wurde künstlich beatmet. Um die steigenden Zahlen auszugleichen, sagten die Krankenhäuser andere Operationen ab.

Überwiegend nur eingeschränkter Betrieb möglich

Seit Beginn der Pandemie berichten die Intensivstationen der DIVI, ob ein regulärer Betrieb, wie vor der Pandemie, möglich ist. Bis in den Dezember war das bei der Mehrheit so – doch dann gaben immer mehr an, dass sie ihre Patienten nur noch mit eingeschränkten Kapazitäten behandeln könnten.

Dabei handelt es sich zwar um die persönliche Einschätzung des meldenden Personals, aber die Angaben veränderten sich im Dezember sehr deutlich. Laut DIVI gibt aktuell rund die Hälfte der 42 Intensivstationen in Sachsen-Anhalt an, ihr Betrieb sei eingeschränkt. Woran die eingeschränkte Betriebssituation liegt? Die Meldenden geben am häufigsten die Personalsituation als Grund an, berichtet die DIVI dem MDR SACHSEN-ANHALT.

"Die Situation ist absolut kritisch!"

Die bisher meisten Menschen mit Covid-19 auf einer Intensivstation in Sachsen-Anhalt meldete die DIVI am 5. Januar. In ganz Deutschland waren in der Zeit mehr als 5.000 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt. Das war "die kritischste Situation, seit es Intensivbehandlung in Deutschland gibt", schätzt Gernot Marx, der Präsident der DIVI auf einer Pressekonferenz Ende Januar.

Im Februar sank die Anzahl derer, die mit Covid-19 auf der Intensivstation behandelt wurden. Bis zum 13. März hielt der Trend an. Doch seitdem sind es stetig mehr.

Seit ungefähr einem Monat liegen wieder mehr Covid-Patienten in Sachsen-Anhalts Intensivbetten. Seit dem 31. März sind es täglich mehr als hundert. Am vergangenen Freitag betonte Marx in einer Pressemitteilung: "Die Situation ist absolut kritisch!"

Dritte Welle in der kommenden Woche erwartet

Carla Stürmer von Klinikum Magdeburg sagt: "Bislang sind wir von extremen Zahlen, wie man sie aus Sachsen beispielsweise kennt, verschont geblieben." Aber in der kommenden Woche könne sich das ändern.

Im Klinikum Magdeburg erwarten sie dann die dritte Welle. Bereits jetzt habe man einen Patienten aus Gardelegen übernommen. "Wir rechnen mit weiteren Übernahmen von anderen Kliniken in der kommenden Woche", sagt Stürmer. Entsprechend wären die Dienstpläne angepasst: "Wir sind gut vorbereitet."

Quelle: MDR/David Muschenich

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. April 2021 | 12:30 Uhr

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