Klimaziele Wie gut ist Sachsen-Anhalt beim Ausbau erneuerbarer Energien?

Beim Ausbau der Windenergie braucht sich Sachsen-Anhalt im deutschlandweiten Vergleich nicht zu verstecken. Trotzdem sollen Anstrengungen unternommen werden, den Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien zu erhöhen.

Windräder in der Landschaft
Windräder auf einem Feld Bildrechte: MDR exakt

Schon mehr als die Hälfte des in Sachsen Anhalt erzeugten Stromes wird aus nachhaltigen Quellen erzeugt. 58 Prozent des 2019 produzierten Stromes in Sachsen-Anhalt wurde aus Fotovoltaik, Biomasse oder Windkraft produziert, heißt es auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT aus dem Umweltministerium in Magdeburg.

Von den im Jahr 2019 produzierten 26 Millionen Kilowattstunden entfielen neun Millionen Kilowattstunden auf Windenergie, gut drei Millionen Kilowattstunden kamen aus Biomasse und rund zweieinhalb Millionen Kilowattstunden entstanden durch Photovoltaik.

Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien soll verdoppelt werden

Damit ist die "grüne Stromproduktion" ein ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor. Insgesamt 20.000 Menschen arbeiten im Bereich erneuerbare Energien. Angesichts steigender Energiepreise muss Deutschland aus Sicht des Klimaschutzministers Robert Habeck (Grüne) unabhängiger von Rohstoffimporten werden. Dafür müssten die erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne deutlich schneller ausgebaut werden, machte Habeck am Donnerstag bei seiner ersten Rede im Bundestag klar. Bis 2030 solle ihr Anteil am Gesamtstrom von heute 40 auf 80 Prozent erhöht werden.

Sachsen-Anhalt steht im bundesweiten Vergleich gut da. Hinter Mecklenburg-Vorpommern, zusammen mit Schleswig Holstein gehört das Land zu den Vorreitern bei der Stromgewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen. Zum Vergleich: In Sachsen-Anhalt sei "rund ein Prozent der Landesfläche als hervorragend bzw. Eignungsgebiet für die Nutzung von Windenergie ausgewiesen", heißt es aus dem Umweltministerium. Bundesweit werden nur 0,5 Prozent der Landfläche für Windenergie genutzt. Heißt: Sachsen-Anhalt hat nach Schleswig Holstein den zweithöchsten flächenbezogenen Ausbaustand bei Windenergie an Land.

Bürokratieabbau soll Ausbau beschleunigen

Bundesminister Habeck kündigte deshalb erneut auch Anstrengungen zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren an. Es dauere im Schnitt sechs bis acht Jahre, um ein Windrad zu genehmigen. "Da muss man jetzt nicht besonders helle sein oder in Mathematik in der Schule aufgepasst haben, um zu merken, dass das nicht funktionieren kann."

Bei Sachsen-Anhalts Klimaminister Armin Willingmann (SPD) rennt Habeck damit offene Türen ein. Wichtig sei jetzt, "gute Rahmenbedingungen für den Ausbau der erneuerbaren Energien zu schaffen", so Willingmann im MDR-SACHSEN-ANHALT-Interview. Konkret müssten bürokratische Hürden abgebaut, die Genehmigungsverfahren beschleunigt und die Kriterien für die Ausweisung weiter Windkraft-Flächen gelockert werden.

Wirtschaftsminister Armin Willingmann
Wirtschaftsminister Armin Willingmann Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Landesregierung zu zögerlich

Dagegen finden die Grünen im Land die Klimapolitik der Landesregierung "viel zu ambitionslos". Es fehle ein Klimaschutzgesetz oder ein Gesetz das vorschreibe das zwei Prozent der Landesfläche für Windenergie genutzt werden soll.

MDR (Ronald Neuschulz, Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 13. Januar 2022 | 12:05 Uhr

37 Kommentare

O.B. vor 23 Wochen

Flächen die eh schon bebaut sind sollten doppelt genutzt werden. Da kommt dann halt nicht der Pool oder die Wiese aufs Dach sondern die Solaranlage. Vllt nicht so effektiv wie das Windrad aber umweltschonender sollte man schon vermuten.

O.B. vor 23 Wochen

Eulenspiegel, spontan fällt mir da die Lobby der Energieversorger ein. Die Ausgabe für Anschaffung und Wartung werden die Konzerne und Betriebe nicht so prickelnd finden. 🤷‍♂️

emlo vor 23 Wochen

Das sind keine Wünsche, sondern gesetzliche Vorschriften. Die von Ihnen erwähnten Beispiele kenne ich nicht. Daher kann ich zu deren Entstehung/ Genehmigung nichts sagen. Die mir bekannten Solaranlagen stehen alle auf ehemaligen Brachflächen bzw. entlang von Autobahnen, wo man wegen der Schadstoffbelastung eh keine Nahrungsmittel anbauen könnte.

Mehr aus Sachsen-Anhalt