Keine Mückenplage Experten rechnen mit weniger Mücken in Sachsen-Anhalt

Entspannte Abende im Sommer könnten so schön sein, wenn da nicht die Mücken wären. Sie fliegen summend am Ohr vorbei und stechen im schlimmsten Fall auch noch zu. Die Insekten können eine echte Plage sein. Dieses Jahr könnte es aber deutlich weniger von ihnen geben.

Angesichts des bislang recht trockenen Wetters rechnen Experten in Sachsen-Anhalt mit weniger Mücken als noch im Vorjahr. Die bisherige Witterung sei deutlich regenärmer als im gleichen Zeitraum 2021, sagte Daniel Rolke vom Landesamt für Umweltschutz in Sachsen-Anhalt. Das wirke sich bei anhaltender Trockenheit negativ auf die Population der Mücken aus.

Entsprechend sehe er zum jetzigen Zeitpunkt keine "Mückenplage" aufs Land zukommen.

Was "Plage" ist, ist subjektiv

Die Zahl der Mücken ließe sich aber schlecht feststellen, sagte Rolke. Daher sei es subjektiv, ob es eine Mückenplage gebe oder nicht. Tatsächlich sei die Witterung im vergangenen Jahr ähnlich wie in normalen Jahren gewesen. Dem Experten zufolge war die Zahl der Mücken kaum anders als in den Jahren vor den extrem heißen Sommertagen zwischen 2018 und 2020. Die Menschen hätten sich möglicherweise schlicht an weniger Mücken gewöhnt.

Im vergangenen Jahr klagten vor allem in Halle viele Einwohner über eine Mückenplage. Insektenforscher Andreas Stark von der Universität in Halle hielt die Mückenplage dort aber für ein hausgemachtes Problem. MDR SACHSEN-ANHALT sagte er damals, kleinste Mengen von stehendem Wasser reichten aus, um die Plage zu verstärken. Regional begrenzt können die stechenden Insekten also auch dieses Jahr durchaus wieder gehäuft auftreten.

Stehendes Wasser lockt Mücken an

Wenn man verhindern will, dass sich Mücken und ihre Nachkommen besonders wohlfühlen, sollte man vermeiden, mögliche Brutplätze anzubieten. Regentonnen ohne Deckel zum Beispiel sind nach Meinung des Forschers wahre Brutstätten für Mückenlarven.

Auch Vogeltränken, Blumenvasen und gefüllte Gießkannen sollten regelmäßig geleert werden. Denn länger stehendes Wasser zieht Mücken besonders an. Das ist allerdings nur ein Versuch, die Blutsauger fernzuhalten. Denn sind in der Nähe Nachbarn, die das Ganze nicht so genau nehmen, kann man auch den eigenen Garten nicht mehr mückenfrei halten.

West-Nil-Virus wird durch Mücken übertragen

Zwar sind die meisten Mückenstiche nur lästig, in seltenen Fällen können sie aber auch krank machen: Seit einigen Jahren ist bekannt, dass heimische Stechmücken den Erreger des West-Nil-Fiebers übertragen können. Ursprünglich kommt das Virus vor allem in wärmeren Regionen der Erde vor. Inzwischen ist Sachsen-Anhalt dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung zufolge aber neben Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Bayern ein Hot-Spot für die Verbreitung.

2018 wurde das Virus erstmals bei einem Tier in Sachsen-Anhalt entdeckt, auch in den Folgejahren konnte es nachgewiesen werden. Weil das Virus über mehrere Jahre in Sachsen-Anhalt festgestellt worden ist, wird es inzwischen auch vom Landesamt für Verbraucherschutz als endemisch – also aus Expertensicht als gehäuft auftretend – betrachtet.

Infektion potentiell tödlich

Meistens wird eine Infektion nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) gar nicht bemerkt, einige Infizierte litten an grippeähnlichen Symptomen. Schwere Verläufe des West-Nil-Fiebers sind demnach selten, können aber tödlich enden. In Deutschland werden Fälle beim Menschen nach RKI-Angaben seit 2019 registriert. Es sei damit zu rechnen, dass sich der Erreger in Deutschland weiter etabliert.

Der Schutz vor Mückenstichen bekommt damit eine neue Bedeutung, insbesondere für "ältere Menschen und/oder solche mit Vorerkrankungen", schreibt das RKI in seinem Epidemiologischen Bulletin zum Thema West-Nil-Virus.

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MDR (Thomas Tasler), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 29. Mai 2022 | 20:00 Uhr

5 Kommentare

geradeaus vor 4 Wochen

2 Dinge. 1 Mückennetz am Fenster und nachts niemals die Tür öffnen wenn Licht brennt, egal ob Zimmerlicht oder vom Handy etc. So kann man sie sich gut aus wenigstens 1 Zimmer fernhalten.

Anni22 vor 4 Wochen

Die Mücken sind Futter für Vögel. Da Insekten eh immer weniger werden, muss man eben nicht jede Mücke vermeiden. Wieder Mal typisch Mensch, ich ich ich!

Ilse vor 4 Wochen

Andere Experten erwarten mehr Affenpocken sogar ohne Affen.

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