20 Jahre Fahrlehrerin "Ich möchte jungen Leuten vermitteln, dass Autofahren kein Spiel ist"

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

In Sachsen-Anhalt gibt es knapp 400 Fahrlehrer, aber nur 40 Fahrlehrerinnen. Bea Kamieth arbeitet als Fahrlehrerin in Magdeburg – und das, obwohl mehrere ihrer Familienmitglieder bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. MDR SACHSEN-ANHALT hat sie getroffen – und mit ihr über schwierige Momente und Freudentränen gesprochen.

Ein Schild mit der Aufschrift "Fahrschule" auf einem dunklem Autodach in einem Wohngebiet.
Eine Männerdomäne: Nur zehn Prozent der Fahrlehrer in Sachsen-Anhalt sind weiblich. Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Spiegel und Sitz einstellen, anschnallen, dann kann der Motor an. So sieht für Fahrlehrerin Bea Kamieth seit 20 Jahren der Berufsalltag aus. Für sie ist es aber mehr als nur ein Job. "Man braucht Nerven wie Drahtseile und viel Geduld", sagte sie MDR SACHSEN-ANHALT. Genug Ruhe strahlt sie aus und es macht ihr sichtbar Spaß, etwas zu erklären und beizubringen. Dazu kommt: Sie weiß, wie wichtig es ist, sicher zu fahren. Und das will sie ihren Fahrschülern weitergeben.

Zwei Frauen sitzen mit Masken im Innenraum eines Fahrschulautos. Das Auto steht in einer Parklücke.
Bea Kamieth an ihrem Arbeitsplatz Bildrechte: MDR / Kevin Poweska

"In meiner Familie sind vier Menschen durch einen Autounfall um Lebens gekommen. Ich möchte den jungen Leuten vermitteln, dass Autofahren kein Spiel ist und sie da draußen eine hohe Verantwortung tragen", erklärt die 45-Jährige.

Bea Kamieth erinnert sich an eine Fahrschülerin, die viel zu ängstlich war. "Da haben wir dann gesagt, dass das keinen Sinn macht. Sie hat bei jeder Kleinigkeit die Hände vom Steuer genommen und vor das Gesicht gehalten – das war dann einfach nicht möglich." Ein anderer Schüler hatte erst bei der siebten Prüfung bestanden. Freude auf der einen, aber ein steiniger Weg bis dahin auf der anderen Seite, für Fahrlehrerin und Schüler.

Sie hat bei jeder Kleinigkeit die Hände vom Steuer genommen und vor das Gesicht gehalten.

Bea Kamieth über eine Fahrschülerin

Fahrlehrerin über Umwege

Der Beruf liegt bei Bea Kamieth in der Familie. Seit 1990 betreibt ihr Vater in Magdeburg eine eigene Fahrschule. Tochter Bea hatte erst eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht, sich dann aber umentschieden. "Als ich gemerkt habe, dass das nichts für mich ist, kam der Gedanke: Autofahren macht mir Spaß und den Beruf Fahrlehrer kannte ich ja schon von meinem Vater", sagt Bea Kamieth. Und so ist sie eine von 40 Frauen, die in der sonstigen Männerdomäne in Sachsen-Anhalt arbeiten.

Eine der wenigen Frauen im Job

Eine dunkelhaarige Dame steht hinter einem Auto mit einem Fahrschulschild auf dem Dach.
Bea Kamieth ist eine von 40 Fahrlehrerinnen im Land. Sie vermisst die Werbung für ihren Beruf. Bildrechte: MDR / Kevin Poweska

In Sachsen-Anhalt gibt es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit derzeit 432 Fahrlehrer. Davon sind fast 400 männlich und 40 weiblich. Für Bea Kamieth gibt es keinen wirklichen Grund dafür, dass so wenige Frauen diesen Job ausüben wollen. Sie glaubt, dass der Fahrlehrer-Beruf zu wenig im Fokus steht. Bislang sei der Beruf keine staatlich anerkannte Ausbildung. Oftmals ist es aus Sicht von Bea Kamieth so, dass vor allem Menschen Fahrlehrer werden, die jemanden aus dem Bereich im Bekanntenkreis haben. Genau wie sie.

Ich habe eigentlich noch nie gehört, dass jemand in jungen Jahren gesagt hat: Ich möchte Fahrlehrer werden. Und man kann eigentlich schon mit 22 Jahren Fahrlehrer werden.

Bea Kamieth Fahrlehrerin

Schlechte Erfahrungen, weil sie eine von wenigen Frauen ist, hat Bea Kamieth noch nicht gemacht. "Sicherlich wird vielleicht der ein oder andere im Stillen denken, dass er nicht bei einer Frau fahren möchte", meint sie. Ihr sei es zumindest egal, welches Geschlecht ihre Fahrschüler haben.

Besonders schöne Momente gebe es immer wieder, erzählt Bea Kamieth. Sie erinnert sich an eine Fahrschülerin, die älter als 50 Jahre war, als sie sich entschied, den Führerschein zu machen. Direkt beim ersten Mal bestand die Frau Theorie- und Praxisprüfung. "Wenn da dann vor Glück die Tränen fließen, dann weint man gerne auch mal mit", schmunzelt Kamieth.

Jung und alt unterscheiden sich

Eine Frau sitzt mit Maske in einem Auto auf dem Beifahrersitz.
Abwechslungsreich, aufregend und herzlich – so beschreibt Bea Kamieth ihren Arbeitsalltag. Bildrechte: MDR / Kevin Poweska

Aus Sicht von Bea Kamieth ist das Fahrverhalten von jüngeren und älteren Menschen dann aber doch grundsätzlich anders. "Ich glaube einfach, dass sich die jungen Leute weniger Gedanken machen. Die gehen da entspannter und lockerer ran", meint die Fahrlehrerin. Sie möchte jedoch nichts von einem besseren oder schlechteren Fahrverhalten wissen. "Je älter man wird, desto mehr macht man sich Gedanken, was alles passieren kann und hat Angst vor bestimmten Situationen", meint Kamieth.

Problematisch ist aus Sicht von Bea Kamieth, dass man einmal den Führerschein macht und diesen dann für immer behalten kann. Sie würde sich eine regelmäßige Auffrischung wünschen. "Ich habe eine ältere Dame und einen jungen Mann gesehen, die über eine 'Rechts-vor-Links'-Regel gestritten haben. Die ältere Dame hat den jungen Mann beschimpft, weil sie sich nach einer längst abgelaufenen DDR-Regel im Recht gesehen hat", erzählt Kamieth. Hätten beide die aktuellen Regelungen gekannt, da ist sich die Fahrlehrerin sicher, wäre diese Situation gar nicht erst zustande gekommen.

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Kevin Poweska arbeitet trimedial im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT. Aktuell ist er im sechsten Semester seines Bachelor-Studiengangs Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Während seines Studiums absolvierte er bereits ein Praktikum bei der Braunschweiger Zeitung. In seiner Freizeit ist Kevin gerne sportlich aktiv: Zudem ist er journalistisch sportlich voll dabei: Kevin führt einen Blog zu den Deutschen Tennisherren.

Quelle: MDR/Kevin Poweska, Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 23. September 2021 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

ole2001 vor 4 Wochen

Ich habe mich sehr über den Bericht von Bea gefreut. Ich selber habe bei Bea meinen Führerschein gemacht ,und beim ersten mal bestanden.
Habe bei einer anderen Fahrschule begonnen, und war dort schon am verzweifeln und wollte aufhören. Durch Zufall bin ich bei Bea gelandet. Das war das beste was mir passieren konnte. Mit ihrer immer ruhigen und verständnisvollen Art und Weise, hat Sie mir alles gezeigt und beigebracht.
Nochmals riesigen Dank an Dich Bea.
Weiss nicht ob du dich noch an mich erinnerst.
Viele Liebe Grüße. Joanna Voigt

jackblack vor 4 Wochen

Wird jemand, der erst beim 7. !!!!!!!!!! x die Prüfung besteht ein SICHERER Fahrer ?????? Ich glaube NICHT !!!!!!

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