Ab 12. Dezember Das bringt der neue Bahn-Fahrplan Sachsen-Anhalt

Ein Mann in blauem T-Shirt hält einen Stapel Papier im Arm
Bildrechte: MDR/Antonia Kaloff

Zum Sonntag wechseln europaweit die Fahrpläne – so auch im Bahn-Verkehr in Sachsen-Anhalt. Während die Preise für längere Fahrten im Regional- und Fernverkehr steigen, können sich Pendler und Reisende bei den Verbindungen auf einige Verbesserungen freuen: Im S-Bahn-Netz um Halle sind alle Stationen wieder am Netz, aber mit neuen Linienverläufen. Außerdem profitiert Sachsen-Anhalt von zusätzlichen ICE- und IC-Verbindungen – an die Ostsee und nach Bayern. Alle Neuerungen im Überblick.

Blick in einen Zug-Fahrplan, Abfahrstafel Dessau
Bildrechte: MDR/André Plaul

S-Bahn Halle ist wieder voll am Netz – mit neuen Linien

S-Bahnzug im Hauptbahnhof in Halle/Saale
Die S-Bahn Mitteldeutschland im Raum Halle-Leipzig ändert Mitte April ihr Liniennetz. Bildrechte: dpa

In und um Halle wird das S-Bahn-Netz mit Fahrplanwechsel neu sortiert. Wieder integriert sind, nach elf Monaten baustellenbedingter Unterbrechung, alle Stationen zwischen Nietleben, Neustadt und dem Halleschen Hauptbahnhof. Hier fährt nun die Linie 3, die alle halbe Stunde Direktverbindungen ins sächsische Leipzig, Wurzen beziehungsweise Oschatz ermöglicht. Die einst im Südwesten Halles fahrende Linie 7 bindet nun die Lutherstadt Eisleben neu ins S-Bahn-Netz ein. Von hier pendeln im Stundentakt S-Bahnen nach Halle, auch am Wochenende. Sie ersetzen die bisherigen Regionalbahnen auf der Strecke. Eine neue Linie gibt es auch in den Stadtteil Halle-Trotha. Statt der S3 ist hier die S47 im Stundentakt zwischen dem Hauptbahnhof und dem Norden der Stadt unterwegs. Auf der für Pendler wichtigen Strecke Halle-Leipzig bleibt es auch nach Fahrplanwechsel bei vier S-Bahnen pro Stunde und Richtung.

Kleine Anpassungen im Regionalverkehr

Im übrigen Nahverkehr bleibt das Angebot weitestgehend wie bisher. Haltepunkte oder Strecken werden nicht stillgelegt. Allerdings gibt es im Detail vereinzelt geänderte Fahrzeiten und Takte. Wie die Gesellschaft Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt (NASA), die im Landesauftrag den Regionalverkehr plant, MDR SACHSEN-ANHALT erklärte, sind diese auf Wünsche von Pendlern zurückzuführen. Ausgewählte Beispiele:

• Im Nachmittags-Berufsverkehr wird eine S-Bahn der Linie 7 bis nach Sangerhausen verlängert.
• Zwischen Querfurt und Halle gibt es Montag bis Freitag zwei Mal je Richtung Direktzüge. Der Umstieg in Merseburg entfällt.
Dessau-Süd erhält am Morgen einen Extra-Halt des Regional-Expresses von Magdeburg nach Leipzig.

Mehr ICE- und IC-Verbindungen für Sachsen-Anhalt

Ein Intercity fährt in den Bahnhof von Stendal ein.
Von Stendal an die Ostsee und zurück: Das geht ab dem Fahrplanwechsel täglich. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Mit dem Fahrplanwechsel passt die Deutsche Bahn ihr Fernverkehrsangebot in Sachsen-Anhalt nur minimal an. So ist Halle künftig täglich mit sechs statt fünf schnellen ICE-Sprinter-Zügen nach München und Berlin angebunden. Auch Bitterfeld profitiert von zusätzlichen Halten. Außerdem wird die Ostsee-Verbindung per IC-Zug zwischen Rostock-Stendal-Magdeburg und Halle auf ein tägliches Angebot ausgebaut. Bisher gibt es diesen Zug nur im Hochsommer beziehungsweise am Wochenende. Die Bauhausstadt Dessau erhält wieder Anschluss ans ICE-Netz, allerdings mit nur einem Zug pro Woche – zwischen Oldenburg und Leipzig. Diese Verbindung gab es bislang als IC-Zug.

Salzwedel verliert zum Fahrplanwechsel alle ICE-Halte. Die Kreisstadt lag auf der Umleitungsstrecke für die Trasse Hamburg-Berlin, auf der seit Mitte September 2021 gebaut worden war. Stendal bleiben auch nach Fahrplanwechsel einige ICE-Halte, vor allem in den Morgen- und Abendstunden.

Zahl der täglichen ICE-Halte in Sachsen-Anhalt im neuen Fahrplan
(Referenztag: 17.12.2021)  
Halle Hbf 45
Lutherstadt Wittenberg Hbf 35
Bitterfeld 20
Stendal Hbf 9
Magdeburg Hbf 3
Naumburg Hbf 3
Dessau Hbf 1

Flixtrain dünnt Angebot (vorerst) aus

Zum Fahrplanwechsel reduziert das private Bahn-Angebot unter dem Namen Flixtrain sein Angebot in Sachsen-Anhalt. Stendal wird auf der Verbindung Köln-Berlin nur noch bis zu zwei Mal pro Tag und Richtung angefahren, statt vorher bis zu drei Mal. Montag bis Freitag besteht dafür eine neue Verbindung nach beziehungsweise aus Leipzig über Berlin.

Flixtrain bietet ab Halle weiterhin täglich am Mittag eine Verbindung nach Berlin, am Wochenende auch abends. Nach Frankfurt geht es nachmittags täglich, am Wochenende auch morgens. Naumburg wird von Flixtrain auf der Verbindung zwischen München und Berlin nicht mehr angefahren. Das Unternehmen Flixmobility kündigte jedoch an, im Frühjahr 2022 knapp 20 neue Ziele in Deutschland anzufahren. Details wurden noch nicht genannt. 

Ein Stück Dessauer Eisenbahngeschichte geht in Rente

In der Produktionshalle der Fahrzeugtechnik Dessau GmbH stehen zwei der sogenannten Metropolitan-Züge
In den Dessauer Hallen wurden bis Mitte 1999 zwei Metropolitan-Züge gebaut – die einzigen ihrer Art. Bildrechte: dpa

Zum Fahrplanwechsel verschwindet ein Stück Sachsen-Anhalt aus dem Schienennetz Deutschlands. Ende der Neunzigerjahre wurden bei der Fahrzeugtechnik Dessau zwei spezielle Züge gebaut, die ursprünglich dem Flugverkehr zwischen Köln und Hamburg Konkurrenz machen sollten. Dabei handelt es sich in mehrerlei Hinsicht um Exoten: Optisch ähneln die MET-Züge – Abkürzung für Metropolitan Express Train oder kurz Metropolitan – dem ICE, werden jedoch von einer Lok gezogen beziehungsweise geschoben. Anders als IC-Züge, haben die MET-Züge eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h statt 200 km/h.

Ab Ende 2004 wurden die MET-Züge als normale IC-Züge, später auch als ICE-Züge eingesetzt – zeitweise auch zwischen Berlin und Magdeburg sowie Halle und Magdeburg. Bemerkenswert war die vergleichsweise luxuriöse Innenausstattung mit weitreichender Holzverkleidung und Ledersitzen, auch in der 2. Klasse. Nach einem Unfall mit einem Zug fuhr zuletzt nur noch ein Ex-MET als ICE im Pendelverkehr zwischen Berlin und Düsseldorf. Laut Deutscher Bahn werden die Züge nun zum Verkauf angeboten.

In den Trittstufen des Metropolitan-Zuges erinnert ein Schild an die Fahrzeugtechnik Dessau
Zeigt, wo er herkommt: In den Türen des Ex-MET-Zuges weisen Schilder auf die Fahrzeugtechnik Dessau hin. Bildrechte: MDR/André Plaul

Drei Großbaustellen warten 2022

Verglichen mit dem Vorjahr, als beispielsweise monatelange Vollsperrungen in den Knoten Magdeburg und Halle nötig waren, beeinflussen Baustellen im Bahn-Netz den Fahrplan 2022 deutlich weniger.

Die Elbbrücke in Wittenberge
Die Elbbrücke vor Wittenberge muss 2022 erneut zeitweise gesperrt werden. Bildrechte: imago/Mike Schmidt

Die Eisenbahnbrücke über die Elbe bei Wittenberge muss erneut vollgesperrt werden. Die S-Bahn zwischen Osterburg und Wittenberge muss vom 29. Januar bis zum 1. April aussetzen. Stattdessen fahren Ersatzbusse. Zusätzlich gibt es laut NASA zweistündlich Expressbusse zwischen Stendal und Wittenberge.

Mitte Dezember und ab Mitte Januar kommt es wegen Oberleitungsarbeiten zwischen Naumburg und Großheringen zu Ausfällen zwischen der Kreisstadt und Jena-Göschwitz. Gebaut wird außerdem in den Bahnhöfen von Großkorbetha und Bad Kösen. Vom 20. Februar bis zum 15. April fahren zwischen Naumburg und Weißenfels keine Regionalbahnen, dafür sollen die Regional-Express-Züge zusätzlich halten.

Im Herbst werden zwischen Magdeburg-Sudenburg und Eilsleben die Gleise erneuert. Gleichzeitig wird auf niedersächsischer Seite der Trasse der Abschnitt Braunschweig-Schandelah gesperrt. Grund ist der zweigleisige Ausbau der Schleife Braunschweig-Wolfsburg. Das hat von Mitte Oktober bis zum 10. Dezember 2022 Auswirkungen auf den Regional- und Fernverkehr auf dieser Achse:

  • Die Nahverkehrszüge fahren verkürzt nur zwischen Schandelah und Magdeburg, noch dazu mit geänderten Fahrzeiten.
  • Die IC-Verbindung zwischen Hannover und Magdeburg wird im stündlichen Wechsel über Stendal umgeleitet oder unterbrochen.
  • Für Stendal ergeben sich neue Direktverbindungen: nach sieben Jahren Pause in Richtung Cottbus, nach acht Jahren Pause in Richtung Dresden und erstmals auch nach Emden sowie Norddeich.

Die ursprünglich ab April angekündigten Bauarbeiten zwischen Halle und Leipzig, verbunden mit Sperrungen und Schienenersatzverkehr, wurden abgesagt und verschoben.

Höhere Preise im Nah- und Fernverkehr

Schon Anfang Oktober hatte die Deutsche Bahn angekündigt, die Fahrpreise im Fernverkehr zum Fahrplanwechsel anzuheben. Tickets zum Normalpreis sowie Dauerkarten sollen im Schnitt 2,9 Prozent teurer werden, ebenso die BahnCard. Super-Spar- und Sparpreis-Tickets bleiben laut Bahn von der Preiserhöhung ausgenommen.

Zudem werden auch im Nahverkehr die Preise steigen. Wie der Verbund der Regionalbahnen mitteilte, werden Tickets außerhalb von Verkehrsverbünden im Schnitt 1,7 Prozent teurer. Auch Pauschalpreis-Tickets sollen mehr kosten. Für das Sachsen-Anhalt-Ticket etwa erhöht sich der Preis ab Fahrplanwechsel um 50 Cent pro Person.

Von Preiserhöhungen zum Fahrplanwechsel ausgenommen bleiben Tickets innerhalb der großen Verkehrsverbünde. Der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV) hatte zuletzt Anfang August die Preise angehoben. Seitdem kostet eine Einzelfahrt in Halle beispielsweise 2,50 Euro statt 2,40 Euro. Der Marego-Verbund erhöht erst zum Jahreswechsel einen Teil seiner Ticketpreise. In Magdeburg wird eine Einzelfahrt ab Januar 2,40 Euro statt 2,30 Euro kosten. Tickets zum alten Preis werden laut Verbund noch bis Ende März anerkannt.

Ausblick: Weitere Station für Stendal, Hoffnung auf weitere IC-Verbindungen

  • Seit Juli 2021 wird in Stendal nahe der Fachhochschule ein eigener Haltepunkt gebaut. Er soll Mitte des Jahres 2022 in den Fahrplan der S-Bahn-Linie Schönebeck-Wittenberge aufgenommen werden.
  • Zwischen Magdeburg und Berlin sind die roten Regionalzüge bald Geschichte. Ende 2022 wechselt der Betrieb des RE1 von der DB Regio zur Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (ODEG). Seit November 2021 werden dafür unter anderem in Magdeburg neue Lokführer ausgebildet. Die neu beschafften Züge werden mit WLAN ausgestattet sein und wegen der unterschiedlichen Bahnsteighöhen entlang der Stecke verschieden Tiefe Einstiege besitzen.
  • Zwischen Börde, Harz und Salzland wird der private Bahnbetreiber Abellio nur noch bis Ende 2023 unterwegs sein. Wegen finanzieller Probleme wurde der Verkehrsvertrag um neun Jahre verkürzt. Er wird neu ausgeschrieben. Abellio beteiligt sich daran nicht wieder.
  • Unklar ist bislang, inwieweit die Deutsche Bahn an ihrer 2015 erklärten Fernverkehrsoffensive festhält. Angekündigt wurden seinerzeit beispielsweise ab Ende 2022 zweistündliche Verbindungen zwischen Schwerin und Magdeburg sowie Cottbus und Magdeburg. "Die Detailplanungen dazu laufen noch", erklärte die Bahn auf MDR-Anfrage.

Update: Halle-Nietleben und Neustadt wegen Vandalismusschäden erst Mittwoch am Netz

Die geplante Wiederanbindung des Südwestens von Halle an S-Bahn-Netz ist am Sonntag gescheitert. Wie die Deutsche Bahn MDR SACHSEN-ANHALT bestätigte, ist die Bahnstrecke zwischen Nietleben und Hauptbahnhof weiter vollgesperrt. Grund sind Vandalismusschäden, so ein Sprecher. Voraussichtlich erst ab Mittwochmorgen soll der Verkehr wieder aufgenommen werden können. Auch die Bundespolizei ermittele in dem Fall.

MDR (André Plaul)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 10. Dezember 2021 | 07:40 Uhr

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