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Militärischer FliegerhorstWie in der Annaburger Heide der deutsche Luftraum überwacht wird

von MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 11. März 2022, 18:46 Uhr

Vom Fliegerhorst Holzdorf-Schönewalde in der Annaburger Heide wird der gesamte deutsche Luftraum überwacht. Die Anlage im Dreiländereck zwischen Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg zählt zu den modernsten der Welt. Gerade während eines Krieges in Europa kommt dem Fliegerhorst eine ganz besondere Bedeutung zu, denn er sorgt militärisch für die Sicherheit im deutschen Luftraum.

Wenn Menschen aus Deutschland in den Urlaub fliegen, hat man hier ihren Flieger im Blick. Wenn ein russisches Fugzeug unerlaubterweise den deutschen Flugraum betritt, auch. Vom Fliegerhorst Holzdorf-Schönewalde aus wird der gesamte Luftraum über Deutschland überwacht.

Oberst Andreas Springer leitet den Einsatzbereich 3 der Bundeswehr, der für die Sicherheit im Luftraum mitverantwortlich ist. Bildrechte: Peter und Stefan Simank

Wir wissen, wer alles in der Luft ist und was alles in der Luft ist.

Oberst Andreas Springer, Kommandeur Einsatzführungsbereich 3

Der Fliegerhorst ist eine der größte Operationsbasen der Luftwaffe und laut Oberst Andreas Springer, der den Einsatzbereich leitet, eine der modernsten Anlagen weltweit. Er liegt in der Annaburger Heide, einem 11.000 Hektar großen Waldgebiet im Dreiländereck zwischen Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. 2.000 Soldatinnen und Soldaten arbeiten an dem Standort, die meisten von ihnen unsichtbar. Denn vieles spielt sich im unterirdischen Bunker hinter tonnenschweren Stahltüren ab.

Flugraum wird immer überwacht

10.000 Flugzeuge passieren jeden Tag den deutschen Flugraum. Im Fliegerhorst weiß man über jedes davon Bescheid.

Normalerweise nimmt man uns nicht wahr. Wir sind ruhig und still und arbeiten sehr professionell, 365 Tage im Jahr, 24 Stunden täglich. Hier ist immer jemand da und wir treten eigentlich nur dann in Erscheinung, wenn irgendetwas im Luftraum über Deutschland nicht planmäßig verläuft.

Oberst Andreas Springer, Kommandeur Einsatzführungsbereich 3

Wenn es Probleme im Luftraum über Deutschland gibt, setzen die Soldatinnen und Soldaten im Ernstfall auch Kampfjets ein, um die Sicherheit wiederherstellen zu können. Beispielsweise, wenn der deutsche Luftraum verletzt wird oder droht, verletzt zu werden. Aktuell müssen die Soldatinnen und Soldaten im Fliegerhorst deswegen auch kontrollieren, dass keine russischen Flugzeuge in den deutschen Luftraum eindringen.

Russische Flugzeuge nähern sich häufiger dem deutschen Luftraum

Wegen des Krieges in der Ukraine hat Deutschland den Luftraum für russische Flugzeuge gesperrt. Auch Flugzeuge aus Ländern, die der Nato nicht angehören, werden besonders beobachtet. In anderen Ländern ist es in den vergangenen Monaten immer wieder mal passiert, dass Lufräume verletzt wurden. Erst in der vergangenen Woche wurde der Luftraum Schwedens durch russische Flugzeuge verletzt.

In einem Interview im Januar erzählt Oberst Andreas Springer, dass die tägliche politische Stimmungslage im Bunker durchaus spürbar sei: "In den letzten Jahren ist es wieder ein bisschen häufiger geworden, dass russische Flugzeuge sich dem deutschen Luftraum annähern und dann wieder umkehren." Manchmal stiegen auch in solchen Fällen von der Nato geordert Kampfflugzeuge auf. Das sei "nicht bedrohlich" und "gehöre zum militärischen Spiel dazu", erklärt Springer.

Kampfjets sichern auch in anderen Fällen

Die Kampfjets kommen aber auch zu anderen Zwecken zum Einsatz. Zum Beispiel, wenn die Flugsicherung den Kontakt zu den Pilotinnen und Piloten eines zivilen Flugzeuges verliert. "Dann werden wir aktiv und schicken unsere Eurofighter los", sagt Hauptmann Birgit Kowolewski.

Für Flugsicherung und Luftraumverletzungen zuständig: Hauptmann Birgit Kowolewski (li.) Bildrechte: Peter und Stefan Simank

Die Flugsicherung müsse dann herausfinden, warum der Kontakt abgebrochen sei. Handelt es sich um einen Terroranschlag, haben die Pilotin oder der Pilot möglicherweise gesundheitliche Probleme oder ganz einfach vergessen, die Funk-Frequenz entsprechend umzustellen.

Um zu sehen, was im Cockpit des jeweiligen Flugzeuges vor sich geht, kann die Flugsicherung beispielsweise zwei Eurofighter nah an das Flugzeug heranführen. Oft hätten dann Pilotinnen und Piloten nur vergessen, die richtige Frequenz einzustellen. "In der Regel schauen die dann erstaunt, dass ein Kampfjet neben ihnen auftaucht, und merken recht schnell, woran der Fehler lag", erzählt Kowolewski.

Der Osten - Entdecke wo du lebst | MDR Fernsehen | 15.03.2022 | 21:00 Uhr Bilder zur Reportage

Eingang in das Control and Reporting Centre (CRC) "Sunrise" auf dem Fliegerhorst Holzdorf-Schönewalde Bildrechte: Johannes Heyn
In dem Bunker sitzt der Einsatzführungsbereich 3 der Luftwaffe der Bundeswehr. Bildrechte: Johannes Heyn
Kommandeur des Einsatzführungsbereiches 3, Oberst Andreas Springer: "Wir treten eigentlich nur dann in Erscheinung, wenn irgendetwas im Luftraum über Deutschland nicht planmäßig verläuft." Bildrechte: Peter und Stefan Simank
Hauptmann Birgit Kowolewski (li) arbeitet als Jägerleitoffizierin und überwacht Flugsicherung und Luftraumverletzungen. Zu den Aufgaben gehört es auch, Düsenjäger bei Übungen und scharfen Einsätzen zu führen. Bildrechte: Peter und Stefan Simank
In der Annaburger Heide ist die Lufttransportgruppe des Hubschraubergeschwaders 64 der Bundeswehr stationiert – hier bei einer Übung. Bildrechte: Peter und Stefan Simank
Der Fliegerhorst Holzdorf als Stützpunkt für Transporthubschrauber – hier der CH-53 Bildrechte: Peter und Stefan Simank
Flugzeug-Techniker Volker Rauch erinnert sich an große Waffenschauen und viele internationale Gäste. Bildrechte: Peter und Stefan Simank
Doch die Annaburger Heide hat auch eine andere Seite. Bildrechte: Peter und Stefan Simank
Die Landschaft im Dreiländereck zwischen Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen hat trotz jahrzehntelanger militärischer Nutzung auch ihr ursprüngliches Gesicht behalten. Bildrechte: Peter und Stefan Simank
Beobachtet werden können Seeadler – hier mit Fisch aus der Elbe direkt auf dem Weg zum Horst. Bildrechte: Peter und Stefan Simank
Auch Rotwild, wie dieser Hirsch während der Brunft, ist in der Annaburger Heide zu Hause. Bildrechte: Peter und Stefan Simank
Ursprünglich und wild: die Annaburger Heide Bildrechte: Peter und Stefan Simank

Einst der modernste Flugplatz der DDR

Der Standort in der Annaburger Heide ist schon seit 1982 in vollem Einsatz. Er war einst der modernste Flugplatz der DDR und eines der letzten großen Bauprojekte der DDR-Führungsriege. Um Unfälle zu vermeiden und die Bevölkerung weniger mit Lärm zu belasten, wurde der Standort tief in den Wald gebaut. Mit der deutschen Wiedervereinigung übernahm die Bundeswehr das Gelände. Aus dem Flugplatz für MIG-21-Kampfflugzeuge wurde ein Stützpunkt für schwere Transporthubschrauber.

Heute ist die Annaburger Heide die Heimat für die Lufttransportgruppe des Hubschraubergeschwaders 64 der Bundeswehr. Auf dem Platz stehen 20 schwere Transporthubschrauber des Typ CH-53 zur Verfügung. In die Maschinen passen 36 Soldatinnen und Soldaten oder fünf Tonnen Material. Eingesetzt werden sie für militärische Zwecke, auch Kampfeinsätze im Ausland, oder für zivile Zwecke zum Beispiel bei Naturkatastrophen. So haben die Hubschrauber nach der Flutkatastrophe im Ahrtal auch Hilfsgüter in die Region geflogen.

Inwieweit die Transporthubschrauber auch im Zusammenhang mit dem aktuellen Krieg in der Ukraine eingesetzt werden, ist unklar.

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Der Osten - Entdecke wo du lebst | 15. März 2022 | 21:00 Uhr