12 Euro Mindestlohn ab Oktober 2022 Mindestlohn-Erhöhung: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Ab Oktober erhalten Beschäftigte mindestens 12 Euro pro Stunde. Das hat die Bundesregierung beschlossen. Der höhere Mindestlohn steht dennoch weiterhin in der Diskussion. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu aus der Community von MDR SACHSEN-ANHALT.

Eine Person hält 12 Euro in der Hand.
Der Mindestlohn von 12 Euro ist beschlossen, wird aber weiterhin rege diskutiert. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die Bundesregierung hat am Mittwoch die Erhöhung des Mindestlohns beschlossen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden ab Oktober mindestens 12 Euro pro Stunde erhalten. In der Community von MDR SACHSEN-ANHALT in den sozialen Netzwerken gibt es rege Diskussionen um den Mindestlohn. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

Reichen 12 Euro Mindestlohn zum Leben?

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zufolge sollen Beschäftigte mindestens 60 Prozent des mittleren Bruttolohns erhalten. Das erfülle ein "armutsfester" Mindestlohn von 12 Euro pro Stunde.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kritisiert, dass eine Erhöhung des Mindestlohns keinen unmittelbaren Einfluss auf das Einkommen habe – unter anderem, weil vielen Beschäftigten infolge der Reform die Arbeitszeit gekürzt werde. Zielführender wäre laut DIW, mehr Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen umzuwandeln.

Barbara Odermath-Duesberg, die in der Altmark als Zustellerin arbeitet, sagte MDR SACHSEN-ANHALT:

Wir reden hier ja von 12 Euro brutto, netto sind das deutlich unter zehn Euro. Wie soll jemand von dem bisschen Geld bei den steigenden Spritpreisen zum Beispiel noch mit dem Auto zur Arbeit fahren?

Barbara Odermath-Duesberg, Zustellerin

Laut Gesetzentwurf zur Mindestlohn-Erhöhung ist die nächste Anpassung des Mindestlohns dann Anfang 2024 geplant. Die Mindestlohnkommission soll zum 30. Juni 2023 darüber entscheiden.

Was bleibt von der Erhöhung des Mindestlohns, wenn Steuern und Abgaben davon abgehen?

Der Deutsche Gewerkschaftsbund kommt in einer Beispiel-Rechnung zum Schluss, dass eine in Vollzeit beschäftigte, alleinstehende und kinderlose Person monatlich rund 220 Euro netto mehr zur Verfügung hätte als bisher. Bundesweit würden 6,2 Millionen Beschäftigte von der Erhöhung profitieren, davon laut Pestel Institut rund 215.000 in Sachsen-Anhalt.

Was wird durch die Mindestlohn-Erhöhung aus Minijobs?

Bislang können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bis zu 450 Euro im Monat verdienen, ohne dafür Steuern und Sozialabgaben zu zahlen. Durch die Erhöhung des Mindestlohns verringert sich für geringfügig Beschäftigte zunächst die Arbeitszeit. Ab Juli beträgt sie nicht mehr 45, sondern 43 Stunden monatlich.

Mit der Erhöhung des Mindestlohns im Oktober steigt dann auch die Lohn-Grenze für Minijobs. Sie liegt dann bei 520 Euro im Monat. Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte die Ausweitung der Minijob-Grenze. Dadurch seien weiterhin Millionen von Beschäftigten nicht sozialversichert.

Gefährdet der Mindestlohn Arbeitsplätze?

Für Unternehmen bedeutet der höhere Mindestlohn höhere Kosten. Der Präsident der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände in Sachsen-Anhalt, Marco Langhof, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Mindestlohn-Erhöhung könnte Arbeitsplätze gefährden.

Marco Langhof 1 min
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Eine Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass die Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro sich kaum auf die Gesamt-Beschäftigung auswirkt. Arbeitsplatzverluste seien erst zu befürchten, wenn der Mindestlohn schnell vom aktuellen Niveau auf deutlich mehr als 13 Euro steigen würde.

Im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT betonten Unternehmer, Stellenabbau sei für sie keine Option. Gerd Maserak, Inhaber einer Druckerei in Magdeburg, sagte, er könne sich die für ihn anfallenden zusätzlichen Kosten von 120 Euro pro Mitarbeiter und Monat nicht leisten und setze daher auf kürzere Arbeitszeiten.

Ist der Mindestlohn unfair gegenüber anderen Beschäftigten?

Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) profitieren insbesondere Beschäftigte in Branchen, die keinen Tarif-Schutz haben, vom höheren Mindestlohn. Das seien vor allem Handel, Gastgewerbe, Gesundheits- und Sozialwesen, Verkehrs- und Lager-Branche, Baugewerbe sowie Land- und Forstwirtschaft. Der DGB ruft die Arbeitgeber auf, mit Gewerkschaften in Tarifverhandlungen zu treten.

Wenn die Arbeit von ungelernten Beschäftigten genauso oder sogar höher entlohnt wird als die ihrer höher qualifizierten und länger angestellten Kolleginnen und Kollegen, wird das als ungerecht wahrgenommen. Das zeigt eine Untersuchung des Sozio-oekonomischen Panels des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin.

Das Pestel Institut weist darauf hin, dass Arbeitgeber weiterhin unterschiedlich hohe Löhne auszahlen müssten, um Anreize für Fortbildungen zu schaffen. Wer bislang 12 Euro erhalten habe, also mehr als den bisherigen Mindestlohn, müsste mit der Mindestlohn-Erhöhung mehr Geld bekommen.

Was haben Beschäftigte von der Mindestlohnerhöhung, wenn gleichzeitig die Preise steigen?

Zuletzt sind die Verbraucherpreise in Deutschland stark gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Inflationsrate im Januar bei 4,9 Prozent. Das sei wie bereits in den Monaten zuvor deutlich höher als im Vorjahreszeitraum.

Während die Tariflöhne in Deutschland zwischen 2010 und 2019 stärker gestiegen sind als die Preise, sind sie zuletzt nicht mehr hinterhergekommen.

Mit dieser Frage beschäftigt sich auch der folgende Artikel:

Haushalte mit geringem Einkommen sind nach Angaben des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung nicht stärker als andere von der Inflation betroffen. Das liege allerdings daran, dass sie sich viele der Waren und Dienstleistungen, die teurer geworden sind, nicht leisten könnten. Problematisch sei vor allem der Preisanstieg bei Energie und Lebensmitteln, deren Konsum kaum gesenkt werden könne.

Bundesweit profitieren dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zufolge 6,2 Millionen Beschäftigte von der Mindestlohn-Erhöhung, die derzeit weniger als 12 Euro pro Stunde erhalten. Das trage dazu bei, dass die gesamtwirtschaftliche Kaufkraft um rund 4,8 Milliarden Euro im Jahr gestärkt werden könne.

Bewirkt der höhere Mindestlohn eine Lohn-Preis-Spirale?

Steigende Löhne könnten dazu führen, dass Unternehmen die Preise anheben, woraufhin Arbeitnehmer und Gewerkschaften erneut höhere Löhne fordern. Vor einer solchen Lohn-Preis-Spirale warnte Sachsen-Anhalts Arbeitgeberpräsident Marco Langhof. Mehrere Wirtschaftszweige im Land standen der Mindestlohn-Erhöhung zuletzt skeptisch gegenüber, da auch sie eine Teuerungswelle befürchten.

Eine Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung prognostiziert jedoch nur eine kurzfristige Preiserhöhung um 0,25 Prozentpunkte. Der Effekt, den steigende Löhne infolge der Mindestlohn-Erhöhung auf die Preise haben, fällt demnach voraussichtlich nur gering aus.

MDR (Maren Wilczek)

6 Kommentare

Freies Moria vor 24 Wochen

@Wessi: Und bei Ihnen schön faktenfrei und polemisch, in der Sache haben Sie jedenfalls Null Kritik an meinen Ausführungen.
Sagen Sie mir also bitte wenigstens, was so verwerflich daran ist, auf die böse Falle des Pyramidensystems Mindestlohn hinzuweisen?
Und wie Neid eine Rolle spielt habe ich auch nicht verstanden, aber ich wette dafür haben Sie auch keine Erklärung.

Wessi vor 24 Wochen

Immer mies machen @ Freies Moria...wat schäbig...aber das können Rechte wie Sie wohl am Besten?Neidisch bis ins Letzte."Unfug" ist das, was Sie und Ihre allerwertesten Geisteskumpane hier posten!

part vor 24 Wochen

Wer auf volle Renteneingeldpunkte hofft, bei Vollbeschäftigung mit 12 Euro, darf gern weiter träumen auf ein Rentensystem, das solidarische und gerecht daherkommt.

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