#MDRklärt Was Sie zur Corona-Booster-Impfung wissen sollten

Wegen der steigenden Infektionszahlen rücken Auffrischungsimpfungen als Corona-Schutz im Herbst und Winter wieder in den Blick. Alle Menschen mit vollständigen Impfschutz gegen das Coronavirus können sich sechs Monate später eine sogenannte Booster-Impfung geben lassen. Darauf haben sich Bundesgesundheitsminister Spahn und die Ärzteverbände am Donnerstag geeinigt. Wie sinnvoll ist der Booster?

Neben drei Spritzen befinden sich Buchstabenwürfel mit dem Schriftzug Boosterimpfung.
Ab 70 Jahren kann laut Ständiger Impfkommission der Corona-Impfschutz aufgefrischt werden. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Steinach

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und die Ärzteverbände haben sich am Donnerstag auf ein Vorgehen bei sogenannten Booster-Impfungen gegen das Coronavirus geeinigt. Sie haben entschieden, allen Geimpften sechs Monate nach dem vollständigen Impfschutz eine Auffrischungsimpfung anzubieten. Das berichtet tagesschau.de. Vor allem Ältere, medizinisches Personal und Menschen mit Immunschwäche sollen demnach die sogenannte Booster-Impfung erhalten.

Das Gesundheitsministerium Sachsen-Anhalt warb zuvor für eine Corona-Auffrischungsimpfung für Menschen ab 70 Jahren. Das Land hielt sich bei der Altersvorgabe an die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Wie sinnvoll die sogenannte Booster-Impfung ist, zeigt #MDRklärt.

Impfung ab 60 Jahren sinnvoll

Klaus Stöhr Epidemiologe 10/20 her Klaus Stöhr am 29. Oktober 2020 in Markus Lanz
Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr war bei MDR um 4 im Interview. Bildrechte: imago images/teutopress

Der Nutzen einer Booster-Impfung für jüngere Menschen ist laut Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr gering. Für ältere Menschen sei der Booster jedoch empfehlenswert und notwendig.

Die Stiko empfiehlt daher Auffrischungen des Impfschutzes ab 70 Jahren. Im höheren Alter nimmt laut Stiko die Immunität nach der Impfung schneller ab und Impfdurchbrüche können häufiger auch zu einem schweren Krankheitsverlauf führen.

Stöhr hält es allerdings für sinnvoll, wenn sich bereits 60-Jährige impfen ließen. Die Diskussion, ob alle den Booster bekommen sollen, ging ihm am Thema vorbei. Ältere Menschen trügen die eigentliche Krankheitslast. Wenn diese Gruppe mit der Auffrischungsimpfung erreicht würde, wäre das seiner Meinung nach ein Riesenschritt.

Besserer Impfschutz durch Booster

Der Booster verbessert den Impfschutz. Nach Aussagen des Virologen geht der Impfschutz nach der dritten Impfung wieder nach oben. Belegen sollen das Daten von den Firmen, die die Impfstoffe entwickelt haben sowie Daten aus anderen Ländern, etwa aus Israel. Auf "zdf heute" heißt es hierzu:

Noch im September lag die Inzidenz [in Israel] bei fast 900, dann stürzte sie ab auf jetzt gut 50.

zdf heute zdf.de

Israel hat sich laut ZDF mit dem Booster aus der vierten Welle geimpft. Vier von neun Millionen Menschen seien dort mittlerweile dreimal geimpft.

Kreuzimpfungen wirken besser

Kreuzimpfungen, also die Kombination aus verschiedenen Impfstoffen, könnten noch stärker wirken, so Stöhr. Ihm zufolge werden aber auch die durch die dritte Impfung gebildeten Antikörper langsam wieder verschwinden.

Laut Stiko soll die Auffrischung mit einem mRNA-Impfstoff frühestens sechs Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung erfolgen, unabhängig vom vorherigen Impfstoff. Bei mRNA-Impfstoffen soll allerdings der bei der Grundimmunisierung verwendete Impfstoff als Booster angewandt werden.

Ärzte nicht verpflichtet, Impfungen anzubieten

Laut Kassenärztlicher Vereinigung Sachsen-Anhalt sind Hausärzte nicht verpflichtet, eine Booster-Impfung anzubieten. Jeder Arzt entscheide selbst, welche ärztlichen Leistungen – dazu zählen auch Impfungen – er in seiner Praxis anbietet. Ausreichend Impfstoff ist laut Kassenärztlicher Vereinigung vorhanden.

Wer sich in Sachsen-Anhalt nicht in ärztlicher Betreuung befindet oder die Impfung vom eigenen Arzt nicht angeboten bekommt, findet auf der Website der Kassenärztlichen Vereinigung eine landkreisbezogene Übersicht von Impfpraxen. Diese haben bereits erklärt, Personen, die nicht zum eigenen Patientenstamm gehören, gegen Covid zu impfen.

Virologe fordert Öffnung der Impfzentren

Der Virologe wünscht sich für die Booster-Impfung eine Öffnung der Impfzentren. Laut Stöhr konnten die Hausärzte die Impfungen derzeit noch stemmen. Wenn die Impfzentren dazu kämen, würden die Arztpraxen entlastet werden.

MDR/Maximilian Fürstenberg/Maria Hendrischke

Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 02. November 2021 | 17:00 Uhr

14 Kommentare

ElBuffo vor 11 Wochen

Auch die Geimpften sollte es spätestens Ende September alle hingerafft haben. Klar 2121 wird es soweit sein. Die Gesunden sind übrigens auch nicht das Problem.

ElBuffo vor 11 Wochen

Was wurde denn versprochen? Ich habe da nix von 100% für alle und auf ewig gehört/gelesen. Habe jetzt extra nochmal die diesbezüglichen Verlautbarungen von vor einem Jahr gelesen. Schlagzeilen auf Bild-Zeitung- oder Bankazubi-Niveau habe ich entsprechend gewichtet.

Selei vor 11 Wochen

Da die zwei Erstimpfungen schon nicht gehalten haben, was versprochen wurde, soll es jetzt die dritte mit dem gleichen Wirkstoff reißen.
Nächstes Jahr geht es dann fröhlich weiter. Genug Impfstoff ist ja eingekauft.

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