Corona-Impfkampagne Viele freie Impftermine und wie sie besetzt werden sollen

Fast überall im Land kann mich sich inzwischen auch ohne Termin gegen das Coronavirus impfen lassen. Genutzt wird die Möglichkeit kaum, dabei sind viele unter 60 noch nicht geimpft. Nun wird nach Wegen gesucht, noch mehr Menschen für die Impfung zu motivieren. Das Sozialministerium setzt dabei vor allem auf die Landkreise.

Menschen warten in einem Supermarkt auf ihre Impfung mit dem Impfstoff Astrazeneca
Impfaktionen in Supermärkten sind in Sachsen-Anhalt noch die Ausnahme. Bildrechte: dpa

Die Corona-Infektionszahlen in Sachsen-Anhalt sind seit Wochen sehr niedrig. Und gefühlt ist auch die Impfmotivation in der Bevölkerung spürbar zurückgegangen. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass pro Woche hunderte Menschen ihre vereinbarten Impftermine ausfallen lassen – vor allem die Zweitimpfungen. Vielerorts gibt es inzwischen auch die Möglichkeit, sich ohne Termin impfen zu lassen. Gebrauch davon machen nur wenige. Im Landkreis Mansfeld-Südharz etwa standen seit vergangener Woche täglich 200 freie Termine zur Verfügung. Genutzt wurden davon aber nur etwa 50 pro Tag.

Sozialministerium: "Impfbereitschaft ist weiter hoch"

Das Sozialministerium widerspricht dem Eindruck, dass die Motivation beim Impfen zurückgegangen sei. Dort schätzt man die Bereitschaft zur Impfung als hoch ein. Bisher sei mehr als jeder Zweite mindestens einmal, mehr als jeder Dritte bereits vollständig geimpft, heißt es aus dem Ministerium. Und weiter: „Nachdem über Wochen die Impfstoffmenge der limitierende Faktor der Impfkampagne war, sind jetzt im Buchungssystem eingestellte Termine nicht immer vollständig innerhalb weniger Minuten vergriffen.“ Allerdings würden viele Termine mit etwas Verzögerung dann doch noch gebucht, erklärte eine Ministeriumssprecherin.

Mit Blick auf die Delta-Variante hält das Robert-Koch-Institut eine hohe Impfquote für nötig. So könne eine ausgeprägte vierte Welle im kommenden Herbst und Winter abgemildert werden, heißt es in dem Papier, das in dieser Woche veröffentlicht wurde. Demnach müssten mindestens 85 Prozent der Zwölf- bis 59-Jährigen immunisiert sein, bei Älteren noch mehr.

Sachsen-Anhalt setzt auf niedrigschwellige Impfangebote

Doch wie kann das Impftempo weiter beschleunigt werden? In anderen Ländern gibt es gezielte Aktionen, bei den Impfwillige Freigetränke bekommen oder an einer Lotterie teilnehmen. Eine solche hat auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans ins Spiel gebracht, dafür aber wenig Zustimmung bekommen. Auch in Sachsen-Anhalt gibt es bislang keine derartigen Überlegungen, erfährt man aus dem Sozialministerium. „Sachsen-Anhalt bemüht sich, niedrigschwellige Impfangebote anzubieten und setzt auf Öffentlichkeitsarbeit“, heißt es dort.

Was das bedeuten könnte, sieht man in Sachsen. Bei einer Impfaktion in einem Chemnitzer Shoppingcenter gab es für Teilnehmenden Einkaufsgutscheine. Die Resonanz war gut. Man müsse die Impfmöglichkeiten dorthin bringen, wo Menschen sich wohlfühlen, lautete die Erkenntnis.

Aus Sicht des Sozialministeriums sind vor allem die Landkreise gefragt, passende Angebote zu schaffen, um noch mehr Impfwillige zu erreichen: „Die Landkreise reagieren und werben bereits mit unterschiedlichen Aktionen, vom Impfen im Einkaufszentrum bis zu verlängerten Öffnungszeiten der Impfzentren oder Impftagen, an denen kein gebuchter Termin notwendig ist.“ Weil zwei Drittel der Menschen über 60 bereits vollständig geimpft sind, sei es nun wichtig, vor allem Angebote für jüngere Menschen zu schaffen, so das Ministerium.

Bundeszentrale wehrt sich gegen Kritik

Gesundheitsexperte Janosch Dahmen (Grüne) nimmt vor allem die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in die Pflicht. Um die Impfbereitschaft wieder zu steigern, forderte er am Montag im Gespräch mit MDR AKTUELL mehr Werbekampagnen fürs Impfen und kritisierte die BZgA als "Totalausfall".

Martin Dietrich, Direktor der BZgA, sagt: Die Kampagne sei auf die Verfügbarkeiten der Impfstoffe angepasst und hätte früher keinen Sinn ergeben. Kritikerinnen und Kritiker bezeichnen die Werbung als zu plump. Ein weiterer Vorwurf: Die BZgA forsche nicht.

MDR/Oliver Leiste

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 09. Juli 2021 | 08:12 Uhr

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