Corona-Pandemie Wiedersehensfreude in der Friedensstraße – Wie hat sich das Leben verändert?

1.600 Friedensstraßen gibt es in ganz Deutschland – davon 200 allein in Sachsen-Anhalt. Vor drei Jahren haben Reporterteams für MDR SACHSEN-ANHALT die Menschen, die dort leben, besucht und ihre Geschichten erzählt. Jetzt kommen sie in fünf dieser Orte zurück und fragen: Wie geht es den Bewohnern der Friedensstraßen heute und wie hat Corona ihr Leben verändert?

Zurück in der Friedensstraße.
Friedensstraßen gibt es Sachsen-Anhalt fast wie Sand am Meer. MDR SACHSEN-ANHALT war diesmal in fünf davon unterwegs. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE

"Wie schnell die Zeit vergeht!" Werner Körner, der Vorsitzende des Heimatvereins in Westerhausen kann es selbst kaum glauben. Vor drei Jahren hat er MDR-Reporter schon einmal durch die "Straße des Friedens" geführt. Die Menschen hier in dem kleinen Ortsteil der Stadt Thale im nördlichen Harzvorland nennen sie einfach die Hauptstraße.

Dort trifft er diesmal Reporterin Christin Juchheim gemeinsam mit ihrer Kollegin Nicole Grziwa. Die beiden wollen von ihm und den Anwohnern erfahren, was aus den Geschichten und Menschen hier wurde – wie sich das Leben in der Straße seitdem verändert hat.

Zwei Personen im Gespräch
TV-Reporterin Christin Juchheim und Vereinsvorsitzender Werner Körner in der Westerhäuser Straße des Friedens Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was sie in Westerhausen zu sehen und zu hören bekommen, wird ihnen auch auf den anderen vier Stationen ihrer Reportage-Reise quer durch Sachsen-Anhalt immer wieder begegnen. Das Leben sei wie eingefroren, erzählt eine Anwohnerin. Und Werner Körner vermisst die Alltagsgespräche, die spontanen Begegnungen mitten im Dorf: "Hast du schon gehört? Und der soll mit dem? So das Tägliche, was so dazu gehört. Das ist weg, das fehlt und das ist schade."

Dass der MDR sich gerade jetzt für ihr Schicksal interessiert, wird auch an den anderen Stationen der Reporterreise in Aulosen, Genthin, Radis, Langeneichstädt aufmerksam registriert.

Hast du schon gehört? Und der soll mit dem? So das Tägliche, was so dazu gehört. Das ist weg, das fehlt und das ist schade.

Werner Körner, Vorsitzender des Heimatvereins

Der herzliche Empfang in Westerhausen und die Wiedersehensfreude dort seien kein Einzelfall gewesen, berichten die Reporterinnen, auch wenn einige Menschen wegen der Pandemie keine Zeit für einen erneuten Dreh hatten, viele kämpfen im Alltag um ihre wirtschaftliche Existenz oder sind durch die Sorgen sehr belastet. Was Christin Jucheim besonders beeindruckt hat: "Das waren die Menschen, die keine Zeit für uns hatten, uns doch aber immer wieder weitergeholfen und weitervermittelt haben."

Eltern mit Kinderwagen und Kind auf dem Arm. Hinter ihnen ist ein Spielplatz sehen.
Neue Begegnung in der Friedensstraße: Eltern mit ihren Kindern auf dem Spielplatz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Geholfen hat den beiden Journalistinnen, dass das Friedensstraße-Projekt des MDR in allen Orten sehr bekannt gewesen sei, so Nicole Grziwa: "Auch bei denen, die vor drei Jahren nicht dabei waren, wussten alle sofort Bescheid. Deshalb haben uns die Leute auch so viel Vertrauen geschenkt. Heutzutage ist es ja so, dass es, sobald eine Kamera da ist, immer kritischer gesehen wird. Überraschend aber war, wie einfach sie uns reingelassen haben in ihren Alltag."

Videos aus der Reihe

Neuer Alltag der Menschen in den Friedensstraßen: Nöte bei den Gastronomen

Es ist ein neuer Alltag, den vor drei Jahren niemand erwartet hätte. Die Pandemie treibt die Menschen auch auf den Friedensstraßen um, ist sie doch allgegenwärtig. Wie geht’s den Genthiner Gastronomen in dieser besonderen Zeit? Wie ist das Leben von jungen Familien in Langeneichstädt? Und was wurde eigentlich aus der vom Hochwasser beschädigten Kindertagesstätte dort, deren Baukosten jetzt zu explodieren drohen?

Es sind typische Geschichten für Sachsen-Anhalt und die neuen Bundesländer, genauso typisch, wie es die Friedensstraßen hier sind. Einige wenige Friedensstraßen haben Ihren Namen bekommen, weil sie zu den Friedhöfen in den jeweiligen Städten oder Dörfern führen. Doch die meisten "Straßen des Friedens" erhielten ihren Namen erst zu DDR-Zeiten, als viele Straßenzüge umbenannt wurden, die zuvor die Namen von Nationalsozialisten trugen.

Eine junge Frau sitzt mit einem Jungen zum Lernen am Tisch.
Homeschooling – auch in den Friedensstraßen Alltag. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In den fünf Reportagen, die ab dem 10.Mai 2021 jeweils um 19 Uhr bei MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE ausgestrahlt werden, kommen die Menschen vor Ort zu Wort und berichten ungeschminkt und kritisch über ihren Alltag. Das Vereinsleben stirbt aus. Homeoffice und Homeschooling belasten Eltern und Kinder. Pflegemitarbeiterinnen haben Angst vor der Coronaimpfung. Aber auch: Heimatverbundenheit und kreative Ideen, mit denen der Alltag gemeistert wird.

Ein Mann im Porträt. Er trägt eine FFP2-Maske.
Plant ein großes Picknick für Zeit danach: Pfarrer Christian Buro. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

So, wie in Aulosen, wo Alt und Jung gleichermaßen unter den fehlenden Kontakten und dem brachliegenden Vereinsleben leiden. "Jeder vermisst den Zusammenhalt – und das war auch schön zu sehen, wie stark das gebraucht wird", blickt Christin Juchheim zurück. Beeindruckt habe sie der Pfarrer dort, der schon eine Vorstellung von einem großen Picknick für die Zeit habe, wenn Treffen im Dorf wieder möglich seien. "Da wurde mir das Herz schon schwer, weil ich das so gut nachempfinden kann."

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 10. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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