Sieben statt 19 Prozent Gastronomen in Sachsen-Anhalt fordern weiter niedrige Mehrwertsteuer

Gastronomen in Sachsen-Anhalt sind dagegen, den Mehrwertsteuersatz in Gaststätten von sieben auf 19 Prozent zu erhöhen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband in Sachsen-Anhalt (Dehoga) befürchtet, dass dadurch nicht nur die Preise steigen – sondern auch die Branche weiter geschwächt wird.

Ein Kellner mit Maske trägt ein Tablett mit Getränke
Gaststätten, Kneipen und Bars haben sich nach der Corona-Pandemie noch nicht wieder erholt, sagt Dehoga-Landesvize Michael Pirl Bildrechte: imago images/Ralph Peters

Sachsen-Anhalts Gastronomen sprechen sich dagegen aus, den bundesweiten Mehrwertsteuersatz in Gaststätten wieder von sieben Prozent auf 19 Prozent zu erhöhen. Das sagte der Vizepräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands in Sachsen-Anhalt, Michael Pirl, MDR SACHSEN-ANHALT.

Infolge der Corona-Pandemie war die Mehrwertsteuer in der Gastronomie durch eine Sonderregelung gesenkt worden. Noch ist offen, ob diese Regel zum Jahresende ausläuft oder künftig unbefristet gilt.

Pirl: "Es kann passieren, dass Essen in der Gastronomie unbezahlbar wird"

Den Mehrwertsteuersatz zu erhöhen, würde bedeuten, dass die Preise in Restaurants erheblich steigen, sagte Pirl, der selbst ein Hotel in Wörlitz betreibt. Essen würde demnach um mindestens 12 Prozent teurer werden. Hinzu kämen außerdem höhere Preise durch steigende Kosten für Energie, Waren und durch höheren Mindestlohn.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband – kurz Dehoga – versteht sich als Interessenverband der Branche. Nach eigenen Angaben setzen sich der Bundesverband, die 17 Landesverbände und zwei Fachverbände für bessere politische Rahmenbedingungen und eine Wirtschaftspolitik ein, die unternehmerischen Erfolg sichern. Ziel sei es, Gegenwart und Zukunft des Gastgewerbes zu sichern, heißt es auf der Dehoga-Website.

Dehoga fürchtet weiteres Gaststättensterben

Laut Pirl befindet sich Sachsen-Anhalts Gastronomie weiterhin im Krisenmodus. In der Pandemie habe die Branche im Land mehr als ein Zehntel der Betriebe und ein Fünftel der Mitarbeitenden verloren. Dort, wo vor allem Getränke serviert werden, seien sogar doppelt so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abgesprungen.

Wer jetzt die Preise erhöht, befeuert das Gaststättensterben.

Michael Pirl Vizepräsident Dehoga Sachsen-Anhalt

Der Dehoga hat sich in der Pandemie, aber auch schon zuvor für eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen und Getränke in Gaststätten eingesetzt. Nach Angaben des Verbands gilt der reduzierte Steuersatz im Großteil der EU-Länder. Zudem hätten Gaststätten mit einem Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent einen Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel und Anbietern, die Essen zum Mitnehmen verkaufen, für die ohnehin sieben Prozent Mehrwertsteuer gelten.

MDR (André Damm, Maren Wilczek)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. Mai 2022 | 12:10 Uhr

2 Kommentare

Soldaten Norbert vor 6 Wochen

Ein Restaurantbesuch ist Luxus ! Es gehen eh überwiegend nur die Besserverdienenden essen. Da braucht es stattlicher Seite keine Unterstützung. Und wenn man ehrlich ist, so ein Restaurantbesuch für eine Familie oder auch nur zwei Personen kostet so viel, da kann man gemütlich hochwertige Lebensmittel für eine komplette Woche einkaufen kann. Also sollte der Gast eben seine Prioritäten setzten, was ihm wichtiger ist.

Thommi Tulpe vor 6 Wochen

Pirl: "Es kann passieren, dass Essen in der Gastronomie unbezahlbar wird"
Das wird für Sozialhilfe-Empfänger mit Sicherheit passieren. Sozialhilfeempfänger gehören mit Sicherheit nicht zu ihrem Klientel, ist aber eine große Bevölkerungsschicht.
Und schon hält sich mein Bedauern Ihres "Standes" gegenüber in überschaubaren Grenzen.

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