Gender-Index aller Städte und Landkreise Studie: Gleichstellung von Frauen und Männern in Magdeburg und Halle am wenigsten umgesetzt

Portait-Foto der studentischen Hilfskraft Joline Bark
Bildrechte: MDR/Joline Bark

Der Gender-Index soll deutschlandweit die Gleichstellung von Frauen und Männer sicht- und vergleichbar machen und Handlungsfelder aufzeigen – dabei schneiden Magdeburg und Halle am schlechtesten ab. Laut Magdeburgs Gleichstellungsbeauftragten Heike Ponitka sind diese Zahlen aber nicht repräsentativ für die Genderentwicklung in der Stadt.

Piktogramme eines Mannes und einer Frau.
Wie "gendergerecht" es in einer Region zugeht, soll der Gender-Index sicht- und vergleichbar machen. Bildrechte: MDR/Unsplash/Tim Mossholder

Die Städte Halle und Magdeburg schneiden beim deutschlandweiten Gender-Index am schlechtesten ab. Das geht aus der neuesten Veröffentlichung des Index mit den Zahlen für 2019 hervor.

Seit 2011 veröffentlicht das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in regelmäßigen Abständen den "Gender-Index". Dafür wird anhand einer Reihe von messbaren Kriterien für alle Regionen Deutschlands ein Prozentwert zwischen 1 (absolut fehlende Gleichstellung) und 100 (Gleichstellung absolut erreicht) ermittelt.

Halle und Magdeburg erreichen dabei einen Wert von jeweils 49,0. Am besten abgeschnitten hat übrigens die fränkische Stadt Schwabach mit einem Wert von 68,8.

Was ist der Gender-Index?

Mit dem Gender-Index versucht das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Gleichberechtigung mess- und vergleichbar zu machen. Dabei wird die gleiche Methode genutzt wie beim europäischen Gender Equality Index: In den Bereichen Arbeit, Wissen, Einkommen, Zeitverwendung, Einflussnahme und Gesundheit werden anhand von zwanzig Indikatoren für jeden Landkreis Prozentwerte errechnet.

Dabei wird nicht nur der Unterschied zwischen den Geschlechtern, sondern auch der Grad der Verwirklichung mit einbezogen. Die Werte für die einzelnen Kategorien werden gewichtet, bevor daraus der Gender-Index-Wert errechnet wird.

Stadt Magdeburg sieht sich besser aufgestellt

Heike Ponitka, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Magdeburg, kann die schlechten Ergebnisse der Stadt nicht nachvollziehen. "Durch verschiedene Gremien in Deutschland wie der Mitarbeit im Deutschen Städtetag/ Frauenkommission habe ich wirklich einen Vergleich zu anderen Kommunen – und Magdeburg schlägt sich nicht schlecht. Ich sehe uns auf alle Fälle auf einem Platz im guten Mittelfeld."

Besonders niedrig sind die Ergebnisse der beiden Städte in den Kategorien "Einflussnahme" und "Wissen". Dafür zieht der Gender-Index beispielsweise Indikatoren wie Stadtratsposten, Mitgliedschaft in Berufsorganisationen sowie Schulabgänger mit mindestens Hauptschulabschluss oder allgemeiner Hochschulreife heran.

Dabei hat sich in Magdeburg bereits einiges getan: Laut Kerstin Kinszorra, Pressesprecherin der Stadt, liegt seit 2019 der Frauenanteil im Stadtrat bei 25 Prozent und seit Mitte 2020 sind drei der sechs Beigeordneten der Stadt weiblich. Seit 2015 gibt es einen Maßnahmenplan, der die Ziele der europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf kommunaler und regionaler Ebene umsetzen soll. Deshalb meint Ponitka: "Die Zahlen sind aus meiner Sicht nicht mehr repräsentativ für die Genderentwicklung in der Stadt".

Gender-Index soll Handlungsbedarf aufzeigen

Der Gender Index kann jedoch auch nicht alles abbilden: "Wir wollen vor allem konkrete Zahlen sammeln, die vergleichbar sind. Wir können natürlich nur die Werte verwenden, die uns zur Verfügung stehen. Deshalb können wir damit keine allumfassende Aussage über die Gleichberechtigung in den Regionen treffen. Die Werte zeigen aber, in welchen Feldern Handlungsbedarf besteht", erklärt Antonia Milbert vom BBSR.

Dass es in den Kategorien Arbeit, Bildung, Einkommen, Partizipation und Gesundheit noch Verbesserungsbedarf gibt, bestätigt auch Ponitka, "aber eine Platzierung im hinteren Feld der Einstufung ist in keiner Weise nachvollziehbar".

Wie steht es in Ihrer Region um die Gleichstellung der Geschlechter? Auf der Karte finden Sie heraus, wie Ihr Landkreis bzw. Ihre kreisfreie Stadt sich im Deutschlandvergleich in den Bereichen Arbeit, Wissen, Einkommen, Zeitverwendung, Einflussnahme und Gesundheit schlägt.

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MDR/Joline Bark, Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | FAKT IST! | 19. Juli 2021 | 22:15 Uhr

3 Kommentare

Rotti vor 9 Wochen

Das Land hat andere Probleme, als zum "Umerziehungslager" zu mutieren. Auch schade um das ganze Geld, was da verpulvert wird. Könnte man den Rentnern geben oder in ordentliche Straßen stecken!

Frank2020 vor 9 Wochen

Sehr sympatische Städte, Danke.

Critica vor 9 Wochen

Gut, dass es in Magdeburg und Halle noch vernünftige Leute gibt - Osten eben :).

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