Digitale Vernetzung Gesundheitsämter nutzen Software zur Corona-Nachverfolgung meist nicht

Die Gesundheitsämter sollen bundesweit eine einheitliche Software nutzen, die bei der Nachverfolgung von Corona-Fällen helfen soll. Jetzt zeigt sich: Viele Ämter in Sachsen-Anhalt arbeiten gar nicht mit dem Programm.

Lukas Murajda, Amtsarzt Mitte, trägt einen Gesichtsschutzschirm als er im Lagezentrum des Gesundheitsamt Mitte ein neue Software erklärt.
Software zur Nachverfolgung von Corona-Fällen Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalts Gesundheitsämter nutzen kaum die neue Software SORMAS zur Rückverfolgung von Corona-Fällen. Das geht aus einer bislang unveröffentlichten Antwort des Sozialministeriums auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Christina Buchheim hervor, die MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt. Von den vierzehn Gesundheitsämtern im Land nutzen lediglich vier die Software - und zwar in Magdeburg, Stendal, dem Kreis Anhalt-Bitterfeld und dem Saalekreis. Nach den Plänen des Bundesgesundheitsministeriums hätten alle Ämter seit Ende Februar die Software nutzen sollen.

Anwendung zu kompliziert

Student Finn Härtel und ein Pionier der Bundeswehr unterstützen Mitarbeiter vom Gesundheitsamt des Landkreises Bitterfeld-Wolfen bei der Corona-Kontaktnachverfolgung.
Kontaktnachverfolgung im Gesundheitsamt Bildrechte: dpa

Nach Angaben von Sachsen-Anhalts Sozialministerium haben die Gesundheitsämter Schwierigkeiten, die Software SORMAS zu nutzen. Zum einen sei sie zu kompliziert im laufenden Betrieb, zum anderen seien die technischen Voraussetzungen noch nicht überall gegeben. Denn die Daten aus dem alten Programm, genannt DEMIS, müssten in das neue Programm SORMAS übertragen werden. Doch es fehle an Schnittstellen. Laut Sozialministerium kommt hinzu, dass die Arbeitsabläufe im laufenden Pandemiegeschehen geändert werden müssen. Weiter heißt es: "Die Eingabe in SORMAS ist sehr zeitaufwendig und anspruchsvoll und damit bei wechselndem Personal fehleranfällig".

Bundesweites Problem

Allen Gesundheitsämtern wurden den Angaben zufolge Schulungen zu SORMAS angeboten. Deutschlandweit haben laut Bundesgesundheitsministerium 290 von den 400 Gesundheitszentren die neue Software installiert. Nach Recherchen des ARD-Magazins "Kontraste" arbeiten aber nur 90 Gesundheitsämter tatsächlich mit dem Programm.

SORMAS ist eine Open-Source-Plattform, die sich in Afrika bei der Bekämpfung von Ebola bewährt hat. Auch die Schweiz und Frankreich nutzen die Software.

MDR/Susanne Lembke, Max Schörm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 20. März 2021 | 09:00 Uhr

3 Kommentare

Ritter Runkel vor 7 Wochen

Die örtlichen Gesundheitsämter schaffen es zumeist, Nichteinmal trotz SORMAS die entsprechenden Infizierten zahlen an die entsprechenden Landesbehörden weiterzugeben, ein Beispiel aus Thüringen:
Wie die falschen Zahlen bzw. die erhebliche Zahlendifferenz, die das Gesundheitsamt Jena dem Land Thüringen weitermeldet, beweist, in Jena haben sie die Software SORMAS zwar, aber arbeiten nicht damit.
Erschwerend kommt noch in Jena dazu, dass man nicht das Testdatum, sondern das Meldedatum als Berechnungsgrundlage nimmt.
Wie sollen da die Inzidenzahlen sinken?

Sonnenseite vor 7 Wochen

Vielleicht nutzen die das nicht, weil es keine Schnittstelle zum LKA gibt?

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/landespolitik/gastbeitrag-sachsen-anhalt-hat-quarantaene-daten-coronalisten-an-polizei-uebermittelt-100.html 🤔



DER Beobachter vor 7 Wochen

Hinweis zum erneuten Blödsinn des Kommentars von SoSe: Dieser Artikel war vom April (!) 2020...

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