Auch Mediziner fehlen Erhöhte Corona-Infektionszahlen – Gesundheitsämter in Sachsen-Anhalt überlastet

Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen fordern viele Gesundheitsämter in Sachsen-Anhalt mehr Personal. Vor allem die Kontaktverfolgung nach positiv getesteten Fällen sorgt für hohen Arbeitsaufwand. In Dessau etwa müssen aktuell 50 Menschen überprüft werden, nachdem in einem Fußballverein eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt wurde. In einigen Kreisen sind Stellen ausgeschrieben.

Ein Schild mit der Aufschrift "Gesundheitsamt".
In der Corona-Pandemie benötigen die Gesundheitsämter zunehmend mehr Personal. Bildrechte: imago images/Waldmüller

In Sachsen-Anhalt sind viele Gesundheitsämter überlastet. Das ergab eine Abfrage von MDR SACHSEN-ANHALT bei den Gesundheitsämtern im Land. Im Dessauer Gesundheitsamt sollen wegen des Personalmangels demnächst sogar zwei Bundeswehrsoldaten aushelfen. Denn das Aufkommen an zu überprüfenden Kontakten ist aktuell hoch: So muss das Amt aufgrund eines Corona-Falls in einem Fußballverein mindestens 50 Kontaktpersonen nachverfolgen. Das binde Personal, sagte Sozialdezernent Jens Krause MDR SACHSEN-ANHALT.

Gesundheitsämter suchen nach Personal in allen Bereichen

Im Corona-Dauerstress ist auch das Personal in der Kreisverwaltung Wittenberg. Der Stellenabbau über Jahre hinweg wirkt sich nun offenbar nachteilig aus. Landkreissprecher Ronald Gauert teilte mit, im Bereich Infektionsschutz seien drei neue Stellen ausgeschrieben.

In anderen Landkreisen läuft ebenfalls die Personalsuche: In Stendal wurden neue Stellen im Bereich Infektionsschutz ausgeschrieben. Gesucht würden für das Stendaler Gesundheitsamt etwa medizinische Mitarbeiter und auch Verwaltungsmitarbeiter. Dabei sei es allein schon immer ein enormer Aufwand, die jeweils neuen Corona-Verordnungen umzusetzen, heißt es. Es kämen manchmal täglich neue Verordnungen. Sie müssten jedes Mal neu dahingehend gelesen und geprüft werden, was genau für den Landkreis Stendal relevant sei.

Auch im Altmarkkreis Salzwedel sucht das Gesundheitsamt nach Personal.

Saalekreis: 3,5 Planstellen für Mediziner unbesetzt

Vielfach fehlen den Ämtern somit also die so wichtigen Mediziner: Auch im Saalekreis sind es überwiegend Ärztinnen und Ärzte, die fehlten. Derzeit sind den Angaben nach 3,5 Planstellen im Gesundheitsamt nicht besetzt. Auch in Mansfeld-Südharz bestehe Bedarf, aktuell und dauerhaft, bei Ärzten, aber auch bei Mitarbeitern der Gesundheitsaufsicht.

Besser sieht es im Burgenlandkreis aus, dort fehlt den Angaben nach nur einer von sieben Medizinern für die anfallende Arbeit in der Pandemie-Lage für das Gesundheitsamt. Allein vier weitere Stellen seien aber im Bereich "nicht-ärztliches Personal" befristet geschaffen worden.

Die Aufgaben der Gesundheitsämter Die Aufgabe der Gesundheitsämter ist es, die Bevölkerung zu schützen und eine weitere Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern. Zudem überwachen die Gesundheitsämter Hygienestandards, machen ärztliche Untersuchungen in Schulen und beraten und informieren zu Gesundheitsthemen. Die konkreten Aufgaben der Ämter werden von den Ländern geregelt.

Salzlandkreis: Reiserückkehrer sorgen für höheren Aufwand

Der Salzlandkreis teilt mit, dass sich der Ärztemangel im Gesundheitssektor ganz generell bemerkbar mache. So müsse der Kreis auch externe Ärzte mit bestimmten Dienstleistungen beauftragen, um die anfallenden Aufgaben zu erledigen, beispielsweise bei den Schuleingangsuntersuchungen. Wie der Kreis mitteilte, greife der Kreis auch wegen Corona darauf zurück: "Aktuell müssten wir davon Gebrauch machen, um eine größere Anzahl von Reiserückkehrern zu testen, die symptomlos sind."  Darüber hinaus seien drei Arztstellen ausgeschrieben.

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Anhalt-Bitterfeld: Zur Not Personal aus anderen Bereichen abziehen

Für den Fall einer zweiten Infektions-Welle mit dem neuartigen Coronavirus sucht der Kreis Anhalt-Bitterfeld, die Zahl der Mitarbeiter im Gesundheitsamt von derzeit 35 durch eigenes Personal aus anderen Bereichen zu verdoppeln. Es solle dann abgezogen werden, um es im Gesundheitsamt einzusetzen. Das teilte der verantwortliche Dezernent Bernhard Böddeker mit. Nötig wären drei bis vier zusätzliche Stellen, Mitarbeiter, die sich laut Böddeker dann ausschließlich um Pandemien und deren Auswirkungen kümmern würden.

Jerichower Land: Mitarbeiter müssen Hygienekonzepte bewerten

Auch im Jerichower Land arbeitet das Gesundheitsamt den Angaben nach so, dass bei Bedarf Mitarbeiter aus anderen Verwaltungsbereichen herangezogen würden. Sie würden etwa für die Telefonhotline eingesetzt oder erstellten Verwaltungsbescheide. Doch könnten die bedarfsweise herangezogenen Mitarbeiter nicht für alle notwendigen Aufgaben gleichermaßen eingesetzt werden, heißt es vom Kreis. "Sie sind allerdings nicht ausgebildet, um die Kontaktpersonen zu ermitteln, Isolationsmaßnahmen festzulegen und Abstrich-Entnahmen durchzuführen. In diesen Bereichen liegen allerdings gegenwärtig die Hauptaufgabenfelder der Mitarbeiter des Gesundheitsamtes."

Ebenfalls viel Aufwand bedeute es für die Ämter, vorgelegte Hygienekonzepte zu bewerten. Auch diese Aufgabe könne nicht durch andere Verwaltungsmitarbeiter erledigt werden.

Quelle: MDR/mg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 17. August 2020 | 14:30 Uhr

2 Kommentare

pkeszler vor 37 Wochen

Die Gesundheitsämter sind derzeit hauptsächlich mit den Reiserückkehrern beschäftigt und können deshalb den vorgeschriebenen Einschulungsuntersuchungen nicht ausreichend nachkommen.
Fazit: Die Gesundheitsämter sind nur mangelhaft ausgestattet für eine Pandemie.
So sollte es sein. Bei den Schuleingangsuntersuchungen beurteilen Ärztinnen und Ärzte der Gesundheitsämter, ob ein Kind die körperlichen und sozialen Voraussetzungen für den Schulalltag erfüllt.
Am Anfang der Corona-Pandemie waren mehr die alten Menschen von der Ansteckung betroffen, die hauptsächlich in unzureichenden Altersheimen lebten. Heute sind es mehr die jüngeren Menschen, die aus Preisgründen ihren Urlaub auch in Risikogebieten verbringen. Sie werden dort infiziert und werden bei ihrer
Ankunft in Deutschland nur unzureichend getestet bzw. wie in Bayern, nicht über das Ergebnis des Tests informiert. An vielen Teststationen herrscht noch die Zettelwirtschaft vor und nicht der PC.

Simone vor 37 Wochen

Tja so ist das halt, wenn sich die Bevölkerung nicht an vernünftige Regeln hält. Auch im März sind wir mit geringen Fallzahlen eingestiegen und die sind dann schnell explodiert. Die Kontaktnachverfolgung ist eine sehr wirksame Waffe gegen die Verbreitung von Corona. Neben venrünftigem Verhalten können wir Bürger u.a. durch Nutzung der Corona App dazu beitragen, dass man schnell informiert wird, wenn der VErdacht besteht, dass man Kontakt mit einem nun positiv getesteten hatte. Ohne unsere Mithilfe werden die Gesundheitsämter shcnell überfordert sein die Infektionsketten schnell genug aufzdecken und abzuschneiden.

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