Kritik von Elternvertretern GEW verteidigt Warnstreik an Schulen

Die Bildungsgewerkschaft GEW hat ihre Mitglieder im Süden Sachsen-Anhalts dazu aufgerufen, am Mittwoch zu streiken. Dazu gehören vor allem angestellte Lehrerinnen und Lehrer, weshalb an den Schulen der Unterricht ausfallen wird. Einige Eltern kritisieren den Zeitpunkt und sorgen sich um die Einhaltung der Corona-Regeln. Die GEW verteidigt den Warnstreik jedoch.

Wanrstreiks in Belrin
Die Gewerkschaften fordern unter anderem 5 Prozent mehr Lohn für die Lehrkräfte. Bildrechte: imago images/Seeliger

Doreen Fucke nimmt ihren Sohn am Mittwoch mit ins Büro. In die Schule schicken will sie ihn nicht. Denn sie fürchtet, dass die rund 250 Schülerinnen und Schüler an der Dessauer Grundschule ihres Sohns von nur zwei Lehrerinnen betreut werden – den einzigen beiden, die nicht streiken. So sei es jedenfalls beim letzten Streik gewesen.

Fucke fragt sich, wie die Schülerinnen und Schüler beaufsichtigt werden sollen und: "Angesichts der massiv ansteigenden Inzidenzzahlen haben dann jetzt viele Eltern auch wirklich Bedenken, so viele Kinder zusammen in ein oder zwei Räumen betreuen zu lassen."

Kritik am Zeitpunkt des Streiks

Doreen Fucke ist auch Vorsitzende des Elternrates der Grundschule. Sie sagt, sie wolle den angestellten Lehrerinnen und Lehrern ihr Streikrecht nicht absprechen. "Nichtsdestotrotz finden wir den jetzigen Zeitpunkt außerordentlich ungünstig gewählt, zumal zu dieser Corona-Situation in der Schule eben auch noch kommt, dass viele Eltern eben jetzt auch anderthalb Jahre sehr viel in den Unterricht ihrer Kinder investieren mussten und auch die Kinder müssen seit anderthalb Jahren wirklich massiv zurückstellen, um die Älteren und Kranken zu schützen", erklärt Fucke.

Kein Gesprächsangebot der Arbeitgeber

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eva Gerth, könne den Ärger der Eltern nachvollziehen, sagt sie. Doch die Frage, ob der Streik denn unbedingt jetzt sein müsse, beantwortet sie mit einem klaren Ja. Schließlich hätten die Länder trotz zweier Tarifrunden bislang überhaupt kein Angebot vorgelegt.

Die Gewerkschaften wollten unter anderem 5 Prozent mehr Lohn, sagt Gerth. "Und nochmal ganz deutlich: Die Arbeitgeber haben es sofort in der Hand, diesen Streik zu beenden und zu sagen, wir machen euch ein vernünftiges Gesprächsangebot. Aber wie gesagt, dieses Angebot liegt überhaupt nicht vor und im Moment ist es unsere einzige Chance, sich dagegen zu wehren", erklärt Gerth.

Dass am Ende wirklich Klassenräume mit Kindern vollgestopft seien, glaubt Gerth nicht: "Ich denke, dass die Schulen vernünftig und mit Augenmaß damit umgehen und soweit ich weiß, soll das Wetter auch nicht schlecht werden. Man kann lüften, man kann durchaus auch das ein oder andere auf dem Schulhof machen mit den Kindern, wenn sie beaufsichtigt werden."

Landesschulamt will mit zusätzlichem Personal unterstützen

Das Landesschulamt teilt auf Anfrage mit, wie viele Lehrkräfte an welcher Schule streiken, das könne man vorher nur schwer absehen. Man versuche daher spontan zu reagieren, indem man beispielsweise verbeamtete Lehrer an die Schulen schickt, an denen Personal fehlt. Auch Referendare oder Sozialarbeiterinnen und -arbeiter könnten Aufsichten übernehmen.

In der Vergangenheit habe das ganz gut geklappt, sagt Schulamtssprecher Tobias Kühne, doch derzeit sei der Krankenstand hoch und schwangere Lehrerinnen dürften wegen der Corona-Pandemie nicht arbeiten. Der Streik sei mit seinen Auswirkungen weniger gut kalkulierbar und stelle das Schulamt vor Herausforderungen. "Ein Arbeitskampf soll natürlich auch vonseiten der Gewerkschaften so geführt werden, dass er wehtut und bemerkt wird. Das ist ja Sinn und Zweck des Streikes. Aber ob das in der aktuellen Situation verantwortbar ist, muss die GEW entscheiden", findet Kühne.

Trotz Streik dürften Eltern ihre Kinder aber nicht einfach zu Hause lassen, betont Kühne. Doreen Fucke will das trotzdem tun. Sie sehe nicht ein, ihren Sohn in dieser Situation in die Schule zu schicken, sagt sie und glaubt, dass viele Eltern es ihr gleichtun werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. November 2021 | 06:00 Uhr

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