Polizeiliche Kriminalstatistik Rettungskräfte aus Sachsen-Anhalt werden vermehrt angegriffen

Nötigung, Bedrohung, Körperverletzung: Die Zahl der Angriffe auf Rettungskräfte ist in Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr gestiegen. Was passiert und wie die betroffenen Rettungdienste damit umgehen – ein Einblick.

Notarzt Rettungswagen des DRK Deutschen Rotes Kreuz
Sie kommen um zu helfen, werden dann aber selbst angegriffen: Rettungskräfte. In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Straftaten ihnen gegenüber gestiegen. Bildrechte: imago/Ralph Peters

136 Mal wurden Rettungskräfte in Sachsen-Anhalt im Jahr 2020 Opfer von Straftaten, wie ein Sprecher des Innenministeriums in Magdeburg auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Im Vorjahr habe es 113 Fälle gegeben. In der Statistik seien auch Angriffe auf Krankentransporte eingeschlossen, die abseits des Rettungsdienstes erfolgten.

Vor allem Angriffe mit Körperverletzungen

Am häufigsten kam es den Angaben zufolge zu Körperverletzungen – 51 Fälle sind in der polizeilichen Kriminalstatistik vermerkt. Dabei gab es insgesamt 42 leichte Verletzungen. Die anderen Opfer blieben unverletzt oder die Folgen sind unbekannt, so das Innenministerium. Auch die Zahl der Verletzten ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen: 2019 waren noch 26 Leichtverletzte registriert worden.

Die Respektlosigkeit gegenüber Rettungskräften ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Zum Beispiel führen Alkohol- und Drogenkonsum dazu, dass sich Patienten, die eigentlich Hilfe benötigen, aggressiv verhalten.

Carlhans Uhle, Landesgeschäftsführer vom Deutschen Roten Kreuz

Für den Johanniter-Landesverband sind Angriffe vor allem dann schwierig, wenn nicht sofort Hilfe geholt werden kann. "Unter Umständen kann es in Sachsen-Anhalt bis zu einer halben Stunde in städtischen oder stadtnahen Bereichen dauern, bis die Polizei eintrifft", teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Einsatzkräfte ziehen sich dann für gewöhnlich zurück, brechen den Einsatz ab oder bringen sich in Sicherheit. "Glücklicherweise stellen wir aber fest, dass unsere Mitarbeitenden auch in Situationen mit aggressiver Grundstimmung eher in einer Helferrolle wahrgenommen werden."

Herausfordernde Situationen: Thema in der Ausbildung

Beide Rettungsdienste bereiten ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits während der Ausbildung auf herausfordernde Situationen vor. Dabei gehe es vor allem um Deeskalation und Techniken zum Eigenschutz, so das DRK. "Bei besonderen Einsätzen gibt es darüber hinaus Polizeischutz für unsere Mitarbeitenden", sagte Landesgeschäftsführer Uhle. Bei den Johannitern werden die Einsatzkräfte dem Sprecher zufolge ermutigt, die eigene Sicherheit in den Vordergrund zu stellen, sollten präventive Schritte nicht erfolgreich sein.

Weniger Angriffe auf Feuerwehrleute

Etwas zurückgegangen ist im Gegensatz zur Entwicklung beim Rettungsdienst die Zahl der Angriffe auf Feuerwehrleute. 19 Opfer wurden Angaben des Innenministeriums zufolge 2019 vermerkt, 13 im Jahr 2020. Dabei wurden zwei Menschen leicht verletzt. Jeder Angriff auf Rettungskräfte, Feuerwehrangehörige und Polizeibeamtinnen und -beamte sei "ein Angriff auf den Rechtsstaat" und werde "konsequent strafrechtlich verfolgt", so der Sprecher des Ministeriums.

Quelle: dpa, MDR/Johanna Daher

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 31. Juli 2021 | 10:00 Uhr

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