Märkte abgesagt, Freizeiteinrichtungen schließen Unwetterwarnung: Schweres Gewitter erfasst Sachsen-Anhalt

In der Nacht ist es in Sachsen-Anhalt zu schweren Gewittern mit sturm- und orkanartigen Böen gekommen. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Blitzschlägen und rät dazu, Aufenthalte im Freien zu vermeiden.

Blitze eines Gewitters sind am späten Abend am Himmel
In Teilen Sachsen-Anhalts gab in der Nacht zum Donnerstag schwere Gewitter. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Marcel Lorenz

In der Nacht zu Donnerstag ist ein schweres Gewitter über Sachsen-Anhalt gezogen, begleitet von Sturm- und Orkanböen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor Lebensgefahr bei Blitzschlägen. Auch seien schwere Schäden an Gebäuden möglich. Bäume können entwurzelt werden und Dachziegel, Äste oder Gegenstände herabstürzen. Laut DWD sind auch Überflutungen von Kellern und Straßen sowie örtliche Überschwemmungen an Bächen und kleinen Flüssen möglich. Zudem könnten Erdrutsche auftreten.

Der DWD rät, alle Fenster und Türen geschlossen zu halten. Aufenthalte im Freien sollten vermieden werden, insbesondere in der Nähe von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen.

Es bleibt stürmisch

Sachsen-Anhalt stehen auch weiterhin stürmische Tage bevor. Sturmtief Xandra nähert sich aus südwestlicher Richtung. Der DWD erwartet bis zum Wochenende für das gesamte Bundesland eine Unwetter-Lage, vor allem im Harz.

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Der Deutsche Wetterdienst (DWD) informiert laufend über die Warnsituation in Deutschland. Regionale Warnungen werden sehr kurzfristig herausgegeben, um möglichst genau sein zu können. Wenn Sie einen Punkt auf der Karte auswählen, werden Ihnen die entsprechenden Warnungen angezeigt.

Für die Kreise Burgenlandkreis, Anhalt-Bitterfeld, Börde, Harz, Jerichower Land, Mansfeld-Südharz, Wittenberg, Saalekreis, Salzlandkreis und die Städte Dessau-Roßlau, Halle (Saale) und Magdeburg warnt der DWD für die Zeit zwischen Mittwochabend, 22:00 Uhr bis voraussichtlich Donnerstag, 18:00 Uhr vor orkanartigen Böen.

Für den Oberharz und Lagen über 1.000 Metern warnt der DWD zusätzlich vor extremen Orkanböen. Auf dem Brocken werden Böen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 180 km/h erwartet. Die Warnung gilt von Mittwochabend, 20:00 Uhr bis voraussichtlich Donnerstagvormittag.

Generell wird weiterhin empfohlen, Fenster und Türen zu schließen, den Aufenthalt außerhalb von Gebäuden zu meiden und Gegenstände im Freien zu sichern.  

Donnerstag landesweit orkanartige Böen erwartet

Laut DWD verschärft sich die Sturm-Situation ab der Nacht zum Donnerstag. Von rascher Wind-Zunahme ist die Rede. Sturmböen und orkanartige Böen aus westlicher Richtung werden erwartet. Hierbei handelt es sich zunächst um eine Vorab-Warnung, die jedoch ganz Sachsen-Anhalt betrifft. Einzig im Bergland muss demnach erneut mit Orkanböen gerechnet werden.

Kurz erklärt: Die Wetterdienst-Warnstufen bei Wind • Windböen: ab 50 km/h
• Sturmböen: ab 65 km/h
• Schwere Sturmböen: ab 90 km/h
• orkanartige Böen: ab 105 km/h
• Orkanböen: ab 120 km/h
• extreme Orkanböen: ab 140km/h

In der Nacht zum Freitag soll der Wind wieder abschwächen. Laut DWD geht es aber stürmisch weiter. Nach Stand vom Mittwoch wird für Freitagabend bis Sonnabend eine "neue Unwetter-Lage mit teils Orkanböen bis ins Flachland" erwartet.

Details seien noch unsicher. Die Meteorologen von Kachelmannwetter.com rechnen für das Wochenende vor allem im Norden mit einer "schweren Orkan-Lage"

Feuerwehren im Land bereiten sich auf Vielzahl von Sturm-Einsätzen vor

Sachsen-Anhalts Feuerwehren stellen sich angesichts angekündigter Sturmböen am Mittwoch und Donnerstag auf eine deutliche Mehrbelastung ein. "Fakt ist, dass wir unsere Einsatzbereitschaft noch mal überprüfen, die Gerätschaften werden noch mal gecheckt", sagte der Chef des Landesfeuerwehrverbandes, Kai-Uwe Lohse.

Eigenheimbesitzer sollten am Nachmittag einen Kontrollgang durch den Garten machen, riet Lohse. "Alles was an Grills, Gartenmöbeln oder an anderen Sachen abgestellt wurde, sollte man besser befestigen oder reinbringen." Gewerbetreibende sollten Werbetafeln entsprechend sichern oder abnehmen. "Wenn man es vorher in Ruhe abnehmen kann, hilft das in jedem Fall."

Halle und Weißenfels sagen Wochenmärkte ab

Aufgrund der aktuellen Wetterlage sagt die Stadt Halle alle Wochenmärkte am Donnerstag und Freitag ab. Das betrifft die Stände auf dem Marktplatz, in Halle-Neustadt und an der Vogelweide. Auch der Biomarkt ist durch den Veranstalter abgesagt worden. Auch die Stadt Weißenfels hat ihren Wochenmarkt abgesagt.

Außerdem warnt die Stadtverwaltung vor dem Betreten des Stadtwaldes. Das Risiko herabfallender Äste und umstürzender Bäume sei durch den Sturm deutlich höher als gewöhnlich.

Freizeiteinrichtungen schließen

Der Tiergarten Halberstadt hat ab Mittwochmittag seine Türen für Besucher geschlossen. Auch am Donnerstag bleibt der Tierpark geschlossen, hat die Stadtverwaltung mitgeteilt. Am Donnerstag bleibt auch das Schloss Wernigerode für Besucher gesperrt.

Logo Zoo Magdeburg
Der Magdeburger Zoo bleibt am Donnerstag vorsorglich geschlossen. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Angesichts der Sturmwarnung haben auch der Tiergarten Bernburg, Tierpark Dessau und die Zoos in Magdeburg und Halle angekündigt, am Donnerstag nicht zu öffnen. Die Sicherheit für Mensch und Tier sei das oberste Gebot, so der Zoo Magdeburg in einer Mitteilung. Bei angekündigten orkanartigen Böen seien alte Bäume und herabfallende Äste eine Gefahrenquelle. Auch viele Tiere sollen am Donnerstag in ihren Häusern bleiben, weil in den Außengehegen bei Sturm Gefahren drohen. Sollte es keine zu großen Schäden geben, will der Zoo voraussichtlich am Freitag wieder öffnen.

Nationalparkverwaltung warnt vorm Betreten der Wälder

Wegen erwarteter orkanartiger Böen auch in niederen Lagen empfiehlt der Nationalpark Harz, in den kommenden Tagen Wälder zu meiden. Gewarnt wird vor herabstürzenden Ästen.

Harzer Schmalspurbahnen stellen Betrieb ein

Wegen des heraufziehenden Sturms hat die Brockenbahn am Mittwoch ihren Betrieb eingestellt. "Stürme sind wir im Harz gewohnt", sagt Dirk Bahnsen von den Harzer Schmalspurbahnen, "doch die Häufigkeit ist neu." Die Fahrten von Schierke auf den Gipfel sind schon gestrichen worden. Am Donnerstag fährt dann überhaupt kein Zug mehr. Nur die Strecke zwischen Nordhausen und Ilfeld wird bedient.

Deutsche Bahn rechnet bundesweit mit Behinderungen

Auch die Deutsche Bahn stellt sich auf Behinderungen ein. Bundesweit könne es wegen des Sturmtiefs zu Verspätungen und Zug-Ausfällen kommen. Wie bei vergangenen Sturm-Lagen weitet die Bahn erneut die Gültigkeit ihrer Tickets aus. Laut Webseite können Reisende mit Fernverkehrs-Ticket für Donnerstag und Freitag bereits ab Mittwoch sowie bis sieben Tage nach Störungs-Ende ihr Ticket "entweder flexibel nutzen oder kostenfrei stornieren". Unabhängig davon verweist das Unternehmen auf die Fahrgast-Rechte im Bahnverkehr, für den Fall von Verspätungen und Ausfällen.

Ministerpräsident mahnt zur Vorsicht

Angesichts des Unwetters hat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff die Bürgerinnen und Bürger im Land zu besonderer Vorsicht aufgerufen.

Bitte vermeiden Sie unnötige Wege und bleiben Sie, wenn möglich zu Hause. Das gilt insbesondere für den Harz. Achten Sie auch auf Ihre Mitmenschen und informieren Sie sich über die aktuelle Lage.

Reiner Haseloff
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff ruft angesichts von Sturm Xandra zu besonderer Vorsicht auf. Bildrechte: dpa

Deutscher Wetterdienst, dpa, MDR (André Plaul, Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 16. Februar 2022 | 05:20 Uhr

5 Kommentare

knarf2 vor 41 Wochen

Steffen 1978:Die Irren werden eben nicht alle.Sollte es aber schief gehen darf man gespannt sein wem die Schuld zugeschoben wird!

knarf2 vor 41 Wochen

wer auch immer:Wer so penibel ist kann auch sein
Rollo fragen.Oder sollte der Beitrag zur Belustigung beitragen?

wer auch immer vor 42 Wochen

Im TV beim Wetter hieß es gestern: Wind bis 117 km/h.
Ich sagte noch: was wenn es nur 116,9 km/h werden?
Vorhersage, Frag das Pendel!

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