Sachsen-Anhalt 80 Schulleiterposten unbesetzt

In Sachsen-Anhalt hat jede zehnte Schule keinen hauptamtlichen Leiter. Nach Recherchen von MDR AKTUELL sind landesweit insgesamt etwas mehr als 80 Stellen unbesetzt. Betroffen sind vor allem Grundschulen. Nach Einschätzung der Bildungsgewerkschaft GEW sind die Probleme an den Grundschulen hausgemacht. Leiterposten an Grund- und Förderschulen seien mit sehr viel mehr Arbeit und recht wenig Anerkennung verbunden.

Kinder sitzen in einer ersten Klasse an einer Grundschule mit Wechselunterricht hinter einem offenen Fenster.
Vor allem Grundschulen sind vom Schulleitermangel betroffen. Bildrechte: dpa

Würde man der Bundesrepublik ein Zeugnis für die Besetzung von Schulleitungsposten ausstellen – Sachsen-Anhalt würde den Notenschnitt kräftig nach unten ziehen. Gut zehn Prozent der Schulen haben keine hauptamtliche Schulleitung. Anders gesagt: Jede zehnte Stelle kann das Land nicht besetzen.

Das bedeute aber nicht, dass in den betroffenen Schulen niemand Führungsaufgaben übernehme, sagt der Sprecher des Bildungsministeriums in Magdeburg, Stefan Thurmann. "Sondern wir haben natürlich mit den Schulleitungen, die ja immer aus mehr als einer Person bestehen, den Stellvertretern, den Koordinatoren, immer Personen vor Ort, die die Führung der Schule übernehmen."

Auch wenn also gerade etwas mehr als 80 Stellen bei den Schulleitern nicht besetzt seien, sei keine Schule in Sachsen-Anhalt führungslos.

Viel Arbeit und wenig Anerkennung für Grundschulleiter

Trotzdem sind die Stellen eben unbesetzt. Am stärksten betroffen in Sachsen-Anhalt sind die Grundschulen. Über die Hälfte der vakanten Leitungsjobs wurden hier gemeldet.

Ein Trend, der sich auch in Thüringen zeigt, wenngleich der Anteil der nicht besetzten Leitungsposten insgesamt hier mit rund sieben Prozent etwas geringer ist als in Sachsen-Anhalt.

Im Freistaat Sachsen sind nach Angaben des dortigen Bildungsministeriums 59 solcher Stellen unbesetzt. Welchen Anteil die offenen Stellen landesweit ausmachen, ließ das Ministerium offen. Aber auch hier sind die Grundschulen trauriger Spitzenreiter.

Was ist das Problem an den Grundschulen? Die Bildungsgewerkschaft GEW in Sachsen-Anhalt hat da eine klare Haltung.

Der Leitungsjob dort sei nicht attraktiv genug, sagt Gewerkschaftschefin Eva Gerth: "Ich denke, dass Schulleitungsposten vor allen Dingen im Grundschulbereich, aber auch im Förderschulbereich einfach deswegen nicht besetzt sind, weil man sehr, sehr viel mehr Arbeit hat, auch sehr umfangreiche und sehr vielfältige Arbeit, für doch recht wenig Anerkennung." Schulleiter seien sozusagen mehr oder weniger "Mädchen für alles" an der Schule.

In der Regel unterrichteten die Schulleiter und Schulleiterinnen weiter in den Klassen, nicht selten sogar als Klassenleitung, sagt Gerth. Dazu kämen die administrativen Aufgaben, die häufig erst nach Unterrichtsschluss erledigt werden könnten – und zuletzt habe Corona die Lage noch verschlimmert.

Trotz höherer Besoldungsstufe zu niedriges Gehalt

Gemessen daran würden Schulleitungen an Grundschulen zu schlecht bezahlt, sagt Gerth. Wie Sachsen und Thüringen hatte auch Sachsen-Anhalt zuletzt die Besoldungsstufe für solche Funktionsstellen angehoben.

Grundschulleiter in Sachsen-Anhalt werden in A13 eingruppiert. Das entspricht etwa 4300 Euro brutto. Zu wenig sagt Gewerkschafterin Gerth: "Da muss man sich dann fragen: Reicht eine A13 an dieser Stelle, um den ganzen Enthusiasmus, der dahintersteckt, wenn man das wirklich gut und ordentlich machen will, entsprechend zu bezahlen?"

Offensichtlich reicht das nicht, das weiß man auch im Bildungsministerium. Sachsen-Anhalt hat über das Lohnplus hinaus eine Reihe von Maßnahmen angestoßen, um die vakanten Stellen zu besetzen.

So können sich jetzt etwa auch Interessierte aus anderen Bundesländern bewerben. Außerdem können sich Lehrkräfte, die die Leitungsposten übernehmen, nachträglich verbeamten lassen. Und dann sollen künftig Verwaltungsassistenten eingestellt werden, um die Schulleitungen zu entlasten. Auch Sachsen will künftig mit solchen Hilfskräften arbeiten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Juni 2021 | 06:05 Uhr

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