Großteil der Pflegekräfte ungeimpft Nach Corona-Ausbruch im Pflegeheim Lützen: DRK will Impfbereitschaft erhöhen

In einem Pflegeheim in Lützen im Burgenlandkreis ist es zu einem Corona-Ausbruch gekommen. Auch Todesfälle hat es gegeben. Grund für den Ausbruch soll die mangelnde Impfbereitschaft der Pflegekräfte sein. Ein Großteil hatte das Impfangebot abgelehnt. Dem will das DRK als Träger des Heims nun entgegenwirken.

Pflegeheim
Trotz körpernaher Tätigkeit hat sich sich ein Großteil der Pflegekräfte im Lützener Seniorenheim gegen eine Impfung entschieden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach einem Ausbruch von Corona-Infektionen in einem Pflegeheim in Lützen im Burgenlandkreis will das DRK mit Aufklärungskampagnen und Gesprächen die Impfbereitschaft erhöhen. Hintergrund ist eine hohe Impfskepsis unter den dort tätigen Pflegekräften.

In der vergangenen Woche war die Zahl der Corona-Infektionen in dem Pflegeheim rasant gestiegen. 21 Heimbewohnerinnen und –bewohner sowie 14 Pflegekräfte hatten sich nach Angaben des Burgenlandkreises mit dem Virus infiziert.

Drei Viertel der Belegschaft nicht geimpft

Amtsärztin Dr. Ina Schmidt zufolge war das Virus von Pflegekräften in das Heim getragen worden. Demnach hatten rund 75 Prozent der dort arbeitenden Pflegekräfte eine Impfung abgelehnt. Lediglich sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren zum Zeitpunkt des Ausbruchs vollständig geimpft – darunter die Pflege- und Heimleitung. Sieben weitere Beschäftigte hatte die Erstimpfung erhalten. Mehr als 50 weitere Mitarbeiter hatten sich aber gegen eine Immunisierung entschieden.

Laut DRK hat ein Großteil vor allem Angst vor den Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der Corona-Impfungen. Dem wolle man mit Gesprächen entgegenwirken und dabei offene Fragen klären. Eine Impflicht besteht hierzulande nicht – unabhängig davon, in welchem Beruf man arbeitet.

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Drei Heimbewohner nach Ausbruch gestorben

Nach dem Ausbruch sind drei Heimbewohner an oder mit dem Virus gestorben. Davon waren zwei zwar bereits vollständig geimpft, ein weiterer hatte eine Impfung abgelehnt. Amtsärztin Schmidt wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass die Verstorbenen bereits in einem sehr hohen Alter waren und ein geschwächtes Immunsystem hatten. In solchen Fällen stelle nicht nur ein schwerer Verlauf eine Gefahr dar, sondern jede Art von Infektion.

Der Vorfall scheint aber auch am Personal des Pflegeheims nicht spurlos vorbeizugehen. So ist laut DRK die Impfbereitschaft bereits etwas gestiegen. Weitere Beschäftige hätten sich mittlerweile für eine Impfung gegen das Coronavirus entschieden.

Heim schirmt sich ab

Das Pflegeheim schottet sich unterdessen nun ab, um die Situation vor Ort in den Griff zu bekommen. Den Angaben zufolge werden derzeit keine neuen Bewohner aufgenommen und es herrscht ein Besucherstopp. Zudem sollen noch einmal deutlich mehr Tests durchgeführt werden.

MDR/Cornelia Winkler

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. Mai 2021 | 19:00 Uhr

9 Kommentare

ElBuffo vor 20 Wochen

Reichen Sie doch diese Frage mal an die mdr-Redaktion weiter. Vielleicht bekommen die heraus, wie genau es genau in diesem Heim zu dieser Impfquote kam.
Im Übrigen wären dann natürlich auch die Angehörigen der nichtgeimpften Bewohner gefragt, warum die denn nicht geimpft waren. Gut, eine Antwort könnte sein, dass das gar nicht die Angehörigen zu entscheiden haben, sondern der Bewohner selbst. Die sind ja nicht entmündigt. Aber trotzdem könnten die Angehörigen der Nichtgeimpften ja eine Meinung dazu haben.

Simone vor 20 Wochen

Der Gesetzgeber und die Berufsverbände sollten schleunigst darüber nachdenken, wie sie mit solchen Impfunwilligen an zentralen Stellen im Gesundheitssystem umgehen wollen. Es ist für mich nicht einzusehen, dass solche Menschen aus nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen eine Impfung ablehnen, die sie , ihre Patienten und Kollegen schützt.

Berufsgenossenschaften sollten darüber nachdenken, dass sie Leistungen für Menschen streichen, die sich bewusst nicht schützen und dann an Corona erkranken. Kein Bauarbeiter kriegt einen Cent von der BG, wenn er ohne Helm und Sicherheitsschuhe verunglückt. Warum also sollte die Allgemeinheit für diese Impfmuffel aufkommen.

Ich zweifle bei diesen Pfllegern daran, ob sie bei ihrer beruflichen Tätigkeit nicht auch ihre eigenen Vorstellungen über den medizinischen Standard stellen und ihr eigenes Ding machen.

Zum Risiko: Pro 100 tsd Einwohnern sind 100 in D an Corona gestorben.
Bei 28 Mio Impfungen gibt es wie viele Todesfälle?

Ines W. vor 20 Wochen

Für mich ist es unfassbar, dass sich 75% der Pflegekräfte in diesem Heim nicht haben impfen lassen. Da sollte man wirklich ein Warnschild aufstellen, damit Angehörige wissen, wo ihre geliebten Menschen da untergebracht sind und dass da unverantwortliche Menschen mit ihnen umgehen.

Man kann niemanden zu einer Impfung zwingen, aber man darf sicher fragen, welche Milchmädchenrechnungen solche Menschen da in ihrem Kopf haben. Täglich sterben hunderte Menschen an Corona und im Verlauf von knapp 30 Mio Impfungen sind wie viele Menschen durch eine Nebenwirkung dieses Impfstoffes ums Leben gekommen? Jeder darf sich gerne ausrechnen wo das größere Risiko verortet ist.

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