Kohlekraftwerk schließt im Dezember Warum das Bergbaumuseum in Deuben auch hoffnungsvoll in die Zukunft blickt

In Deuben wird das Kohlekraftwerk im Dezember stillgelegt. Obwohl auch Wehmut mitschwingt, blickt das Bergbaumuseum nebenan positiv in die Zukunft. Ein Besuch.

Kleine Nachbildungen des Kohlekraftwerks, Schwarz-Weiß-Bilder von früher und ein Deubener, der verständnisvoll, aber auch traurig inmitten seines Bergbaumuseums steht: "Ich finde es schade, dass es überhaupt passiert. Auf der anderen Seite kann ich nachvollziehen, dass finanzielle und wirtschaftliche Gründe eine Rolle spielen und die große Klimapolitik unserer Bundesregierung in Berlin", sagt Frank Puschendorf, Leiter des Museums.

Was passieren wird: Die Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft (MIBRAG) hat beschlossen, die Stromproduktion im Kohlekraftwerk in Deuben im Dezember einzustellen. Damit wird das bis dato älteste aktive Braunkohlekraftwerk in Deutschland – Teile der Technik seien seit 1936 in Betrieb – stillgelegt. All das ist Teil des Kohleausstiegs, den Deutschland bis spätestens 2038 vollzogen haben will.

Eine vom Bergbau geprägte Region

Frank Puschendorf ist der Leiter des Bergbaumuseums in Deuben
Frank Puschendorf ist Leiter des Bergbaumuseums in Deuben und gibt Interessierten hier gerade eine Führung. Bildrechte: MDR/Stefan Bernschein

Für Puschendorf gehört der Bergbau schon immer zu seiner Heimat dazu: "Bergbau ist die Ader des Lebens in diesem Ort. Man hat hier gelebt, man hat hier Geld verdient, man ist hier groß geworden und man hängt hier dran." Und genau das wolle er mit dem Museum in Deuben für die zukünftigen Generationen festhalten:

Unser Museum gibt es hier am Standort seit 2002. Wir wollen damit auch zeigen: Was gibt es? Was gab es? Und wie soll es weitergehen?

Frank Puschendorf, Leiter des Bergwerkmuseums in Deuben

Die Frage nach der Zukunft stellt sich auch Gudrun Jochmann, die ebenfalls Teil des Museumsvereins ist und früher in der MIBRAG-Buchhaltung gearbeitet hat. "Es ist ein bisschen Wehmut dabei", fängt sie an zu erzählen und ergänzt: "Wir wissen natürlich auch nicht, wie sich der Standort weiterentwickelt – das ist unsere Sorge. Wir hoffen einfach nur, dass wir hier nicht in Vergessenheit geraten."

Persönliche Geschichten

Bergfrau Silke Butzlaff, Protagonistin im Film "Deutschlandklang", in Arbeitskleidung mit Schutzhelm 4 min
Bildrechte: MDR KLASSIK/Aris Bibudis

Bergfrau Silke Butzlaff spricht im Film "Deutschlandklang" über den Stolz auf den Bergbau und das spezielle Geräusch des Eimerkettenbaggers.

Di 28.09.2021 14:31Uhr 03:42 min

https://www.mdr.de/klassik/video-silke-butzlaff-deutschlandklang-102.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Steffen Sasse steht vor dem Braunkohlekraftwerk "Schwarze Pumpe". Er trägt einen weißen Pullover und eine Brille. 1 min
Steffen Sasse hat selbst viele Jahre im Braunkohlekraftwerk "Schwarze Pumpe" gearbeitet. Bildrechte: MDR/Vivien Vieth

Für Steffen Sasse hat das Braunkohlekraftwerk in Schwarze Pumpe einen Großteil des Arbeitslebens ausgemacht. Er hofft, dass die Politik den Strukturwandel mit Bedacht umsetzt - in der und für die Region.

Mi 29.09.2021 09:48Uhr 01:15 min

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wahlen/bundestagswahl/steffen-sasse-maschinist-schwarze-pumpe-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Was passiert nach der Stilllegung?

Gudrun Jochmann ist Teil des Bergbaumuseums in Deuben und hat früher für die MIBRAG die Buchhaltung gemacht.
Gudrun Jochmann ist Teil des Bergbaumuseums in Deuben und hat früher für die MIBRAG die Buchhaltung gemacht. Bildrechte: MDR/Stefan Bernschein

Von der Stilllegung des Kraftwerks sind in Deuben etwa 200 Menschen betroffen. Manche, so habe Jochmann bereits gehört, würden von der MIBRAG in anderen Tätigkeiten beschäftigt oder hätten bereits neue Jobs. Sie selbst hoffe, dass die versprochenen Gelder für die Braunkohle-Reviere in die jeweilige Region investiert werden. So sehr sie Deuben liebe, aber sie findet, das noch mehr in ihrem Ort passieren könnte: "Es müsste auch Gaststätten geben, es gibt für die Rentner keine kulturelle Einrichtung. Es gibt nicht mal einen Jugendclub. Das ist schon alles ein bisschen traurig."

Deshalb erhofft sich auch Frank Puschendorf von der neuen Landesregierung, dass die Region finanziell unterstützt wird und mit den Geldern vor Ort auch kulturell und museumsmäßig etwas getan wird.

Ziel: Keine Abbrüche, wie nach der Wende

Sven Schulze
Sven Schulze (CDU) ist der neue Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt und hat die Kohle-Regionen bereits auf seiner Agenda. Bildrechte: Sven Schulze

Sven Schulze (CDU) habe als neuer Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt bereits genau das auf seiner Agenda und erklärt:

Ein erfolgreicher Strukturwandel kann nur gelingen, wenn er die Menschen in der Region in den Mittelpunkt rückt. Die Schaffung und der Erhalt von hochwertigen und zukunftssicheren Arbeitsplätzen sind mir dabei ein vordringliches Anliegen. Dramatische wirtschaftliche Abbrüche, wie nach der Wiedervereinigung, darf es nicht geben.

Sven Schulze (CDU), Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt

Diskussionsrunde bei FAKT IST! Über das Thema "Die Kohle geht – doch was kommt?" diskutiert die Talk-Runde von FAKT IST! am Montagabend, 4. Oktober, ab 20:30 Uhr im Livestream und ab 22:10 Uhr im MDR-Fernsehen. Neben Wirtschaftsminister Sven Schulze, sind unter anderem auch Hartmut Pleß (SPD), Gemeinderat Gemeinde Elsteraue, Thomas Brockmeier, Hauptgeschäftsführer der IHK Halle-Dessau und Joachim Ragnitz vom ifo Institut Dresden zu Gast.

Hoffnung für die Region

Gerade weil Frank Puschendorf seine Region so gut und lange kennt, ist er gleichzeitig hoffnungsvoll und knüpft an die Meinung von Schulze an: "Wir haben hier nach der Wende einen massiven Einbruch erlebt. Wir haben uns da als Region und Museum wieder raus gerappelt und versuchen nun, für die Zukunft etwas zu erhalten, soweit uns das möglich ist."

Und auch Gudrun Jochmann schließt sich positiv gestimmt an:

Die erneuerbaren Energien müssen kommen für unsere Nachfolger. Ich fühle mich hier wohl, ich schaue optimistisch in die Zukunft.

Gudrun Jochmann, ehemalige MIBRAG-Buchhalterin

Quelle: MDR/Heiko Kunzmann/Stefan Bernschein/Johanna Daher

Dieses Thema im Programm: MDR FAKT IST! | 04. Oktober 2021 | 22:10 Uhr

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