Entscheidung am Wochenende Die Bewerber für die Landratswahl im Burgenlandkreis

Im Burgenlandkreis wird am Sonntag ein neuer Landrat gewählt. Es gehen acht Kandidaten ins Rennen, darunter Amtsinhaber Götz Ulrich. Der MDR stellt die Bewerber vor.

Im Burgenlandkreis wird am kommenden Sonntag ein neuer Landrat oder eine neue Landrätin gewählt. Zugelassen sind eine Bewerberin und sieben Bewerber für das Amt. Wer die Wahl gewinnt, leitet die Geschicke des Landkreises für die nächsten sieben Jahre.

Acht Bildausschnitte mit Menschen
Für die Landratswahl am 11. April gibt es acht Bewerberinnen und Bewerber. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Die Bewerberin und Bewerber in alphabetischer Reihenfolge:

  • Jochen Dreetz (unterstützt durch Bündnis 90/Die Grünen)
  • André Hausschild (parteiloser Einzelbewerber)
  • Diethelm Kopecki (parteiloser Einzelbewerber)
  • Michael Kretschmer (parteiloser Einzelbewerber)
  • Andrea Sommer (parteilose Einzelbewerberin)
  • Götz Ulrich (Amtsinhaber/CDU)
  • Bodo Walther (AfD)
  • André Worms (parteiloser Einzelbewerber)

Besonderheiten bei dieser Wahl Durch die Corona-Pandemie gelten in den Wahllokalen besondere Schutzmaßnahmen. Die konkreten Hygienekonzepte werden vor Ort auf die entsprechende Räumlichkeit abgestimmt. In den Wahllokalen muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen und ein Mindestabstand von 1,5 Metern zu allen Anwesenden eingehalten werden. In den Wahllokalen steht Desinfektionsmittel bereit. Außerdem werden die Räumlichkeiten regelmäßig gelüftet. Die Wahlberechtigten müssen eigene Kugelschreiber zum Ankreuzen mitbringen.

Jochen Dreetz (Bündnis 90/die Grünen)

"In den letzten 200 Jahren haben die Menschen weltweit mehr zerstört als in Millionen Jahren zuvor. Das erfordert ein radikales Umdenken und Umlenken."

Ein Mann sitzt an einem Tisch, vor ihm ein Mikrofon und ein Namensschild
Jochen Dreetz ist Architekt und engagiert sich bei Amnesty International. Bildrechte: MDR/Marie Luise Luther

Jochen Dreetz ist 1956 in Westfalen geboren und lebt seit 2004 in Wendelstein in der Kaiserpfalz am westlichen Rand des Burgenlandkreises. Dringenden Handlungsbedarf für den Burgenlandkreis sieht der Architekt zum Beispiel beim Thema Braunkohle. Aus seiner Sicht hält der Landkreis an der Braunkohle schon viel zu lange fest. Wenn Dreetz gewählt wird, will er den Fokus für den Burgenlandkreis auf "nachhaltige Energieerzeugung und gesunde Landwirtschaft" setzen. Für ihn bedeutet das auch, gegen die Verstromung der Braunkohle und gegen Großschlachthöfe oder Massentierhaltung zu kämpfen. Dreetz möchte mehr Solartechnik, E-Mobilität und grünen Wasserstoff in den Burgenlandkreis bringen.

Dreetz will nach eigenen Angaben den Burgenlandkreis touristisch und wirtschaftlich voranbringen. Dafür müssten kommunale Dienstleistungsgesellschaften mehr Aufgaben im Infrastrukturbereich oder der medizinischen Versorgung erbringen. Andere wichtige Themen sind für den Kandidaten von Bündnis 90/Die Grünen der Erhalt von kleinen Dorfschulen, bezahlbare Verkehrssysteme oder ein funktionierender Hochwasserschutz. Seine Vision: "Es sollen keine großen Städte gefördert werden, sondern mehr Geld in den ländlichen Bereich fließen."

André Hauschild (parteiloser Einzelbewerber)

"Die Unternehmer haben ihre Hausaufgaben gemacht, die Politik leider nicht."

Ein Mann sitzt an einem Tisch, vor ihm ein Mikrofon und ein Namensschild
Dem Zeitzer André Hauschild liegt der Strukturwandel am Herzen. Bildrechte: MDR/Marie Luise Luther

André Hauschild ist 1980 in Hohenmölsen geboren und lebt nun in Zeitz. Er pendelt seit 12 Jahren von Zeitz nach Augsburg, wo er in einem Maschinenbauunternehmen arbeitet. Sein Schwerpunkt für die Landratswahl ist ebenfalls der Strukturwandel. Um die Arbeitsplätze in der Kohle zu transformieren, will Hauschuld mit den Unternehmen zusammenarbeiten. So sollen konkrete Ideen entstehen, damit die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch im Burgenlandkreis bleiben und nicht abwandern.

Eine Domsanierung oder die Gründung von Agenturen, sagt Hauschild, zählten in Sachen Strukturwandel nicht. Wenn er die Wahl gewinnt, möchte er mehr Industrie im Burgenlandkreis ansiedeln. Seine Idee ist eine Art Technologiecampus, der sich mit der Speicherung von erneuerbaren Energien beschäftigen soll. Dazu gehört seiner Ansicht nach auch die Ansiedlung oder Gründung einer Fachhochschule.

Diethelm Kopecki (parteiloser Einzelbewerber)

"Was hier erwirtschaftet wird, soll auch den Einwohnern zugutekommen."

Ein Mann sitzt an einem Tisch, vor ihm ein Namensschild und ein Mikrofon
Der parteilose Kandidat Diethelm Kopecki will dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT/Marie-Luise Luther

Diethelm Kopecki ist 1962 geboren, lebt in Oberwerschen (Hohenmölsen) und leitet seit 30 Jahren eine Fassadenbaufirma, für die er nach eigenen Angaben viel unterwegs ist. Kopecki will dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Seine Idee: Mehr praxisorientierter Unterricht an den Schulen, so dass Jugendliche schon früh für Berufe begeistert werden. Um Kleinunternehmer während der Pandemie zu unterstützen, will der Handwerksmeister erreichen, dass Hilfen schneller ankommen.

In Sachen Braunkohle will Kopecki einen sozialverträglichen Ausstieg. Seine Vision: "Das, was im Burgenlandkreis erwirtschaftet wird, soll auch den Einwohnern zugutekommen und nicht Anlegern oder Investoren.

Michael Kretschmer (parteiloser Einzelbewerber)

"Nur wenn es Perspektiven gibt, werden sich im Burgenlandkreis auch Unternehmen ansiedeln."

Ein Mann sitzt an einem Tisch, vor ihm ein Namensschild und ein Mikrofon
Der parteilose Kandidat Michael Kretschmer sieht sich selbst als unbequem. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT/Marie-Luise Luther

Michael Kretschmer ist 1967 geboren und Handelsfachwirt. Er wohnt in Ossig, einem Ortsteil von Gutenborn. Den Anlass für seine Kandidatur als Landrat, erzählt der 53-Jährige, gab es bereits bei einer Veranstaltung im September 2019, bei der es um darum ging, wie die Menschen 2040 leben wollen. Laut Kretschmer seien viele engagierte Menschen dabei gewesen, es wären Ideen gesammelt worden, passiert sei aber nichts. Für ihn ein Anlass, etwas zu ändern. Wenn er die Landratswahl gewinnt, möchte er deswegen dafür sorgen, dass die Bürgerinnen und Bürger sich selbst mehr einbringen können.

Kretschmer sagt außerdem: Im Hinblick auf den Strukturwandel hätte mehr investiert werden müssen. Denn, so meint er: "Nur, wenn es echte Perspektiven gibt, siedeln sich im Burgenlandkreis auch Unternehmen an, die für Arbeitsplätze und den Zuzug von Fachkräften sorgen." Kretschmer engagiert sich auch für die Bürgerinitiative "Kein Schuss im Zeitzer Forst", die sich gegen eine Schießanlage im Zeitzer Forst wehrt.

Andrea Sommer (parteilose Einzelbewerberin)

"Die Menschen im Burgenlandkreis sind nur auf sich bedacht."

Eine Frau sitzt an einem Tisch, davor ein Mikrofon und ein Namensschild
Die parteilose Bewerberin Andrea Sommer möchte Menschen für das Thema Umwelt sensibilisieren. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT/Marie-Luise Luther

Andrea Sommer geht als einzige Frau ins Rennen um den Posten im Landratsamt. Die 32-Jährige ist in Querfurt (Saalekreis) geboren und lebt nun in Freyburg. Die Verwaltungsfachwirtin arbeitet derzeit auf dem Bauamt im Burgenlandkreis und ist alleinerziehende Mutter. Sie möchte durch ihre Kandidatur Frauen stärken und vor allem dafür sorgen, dass die AfD nicht so viele Stimmen bekommt. Ihr Ziel als Landrätin ist es, Menschen für die Umwelt zu sensibilisieren.

Götz Ulrich (CDU)

"Nur gemeinsam können wir die gegenwärtige Krise bewältigen."

Ein Mann sitzt an einem Tisch, davor ein Namensschild und ein Mikrofon
Der CDU-Kandidat Götz Ulrich war in den letzten sieben Jahren Landrat im Burgenlandkreis. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT/Marie-Luise Luther

Götz Ulrich ist seit sieben Jahren Landrat. Er wird im Wahlkampf von sowohl von CDU als auch von SPD, Linke und FDP unterstützt. Der 51-Jährige wurde 1969 in Naumburg geboren und ist Jurist.

Auch bei dem 51-Jährigen ist das große Thema der Strukturwandel nach der Braunkohle. Wichtig sind ihm aber auch die Bildung, Digitalisierung und Sicherheit. Durch einen sogenannten Bildungscampus möchte er neue Schulformen schaffen. Schon in Kitas und Grundschulen soll die Naturwissenschaft gefördert werden.
Zum Thema Strukturwandel will Ulrich den Chemie- und Industriepark Zeitz flächenmässig erweitern und alte Industrieflächen wiederbeleben. Seine Vision: Die Mibrag soweit unterstützen, dass Geschäftsfelder so umgebaut werden, um zukunftsfähige Arbeitsplätze zu erhalten.

Bodo Walther (AfD)

"Nachhaltige und zukunftsorientierte Planung der Strukturwandelmittel"

Ein Mann steht an einem Tisch, vor ihm ein Mikrofon und ein Namensschild
Bodo Walther zieht es zurück in seine Heimat Weißenfels. Bildrechte: MDR/Marie Luise Luther

Bodo Walther ist 1960 in Weißenfels geboren, lebt in Markranstädt in Sachsen und arbeitet als Rechtsanwalt. Der 60-Jährige ist Fraktionsvorsitzender der AfD im Kreistag des Landkreises Leipzig. Nach seinen Angaben zieht es ihn nun aber wieder zurück in seine Heimat. Bereits 2016 trat er bei der Bürgermeisterwahl in der Verbandsgemeinde Droyßiger-Zeitzer Forst im Süden Sachsen-Anhalts an, scheiterte allerdings mit nur 15 Prozent im ersten Wahlgang.

In seinem Wahlprogramm konzentriert er sich vor allem auf den Braunkohleausstieg. Dieser müsse nachhaltig und zukunftsorientiert geplant werden. Einen weiteren Schwerpunkt sieht er in der Asylpolitik. Priorität habe aber auch, die seiner Ansicht nach, unsägliche Corona-Politik des derzeitigen Landrates.

André Worms (parteiloser Einzelbewerber)

"Den Burgenlandkreis übermannen aktuell massive Veränderungen – zum Nachteil der Zeitzer."

Ein Mann sitzt an einem Tisch, vor ihm ein Namensschild und ein Mikrofon
André Worms sieht beim Strukturwandel Nachteile für die Zeitzer. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT/Marie-Luise Luther

Andre Worms ist 1968 geboren, lebt in Zeitz und arbeitet als Justizbeamter in Weißenfels. Er ist der Sprecher der "Alternative für den Burgenlandkreis", geht für die Landratswahl aber als Einzelbewerber ins Rennen. Aus seiner Sicht übermannen den Burgenlandkreis momentan massive Veränderungen. Diese möchte er angehen und lösen.

Dabei beschäftigen Worms der Strukturwandel, aber auch die Frage des insolventen Burgenlandklinikums. Er befürchtet Nachteile für die Zeitzer und möchte, dass die Gelder für den Strukturwandel nach Zeitz, Hohenmölsen und Weißenfels fließen und nicht in die Naumburger Region. Worms fordert außerdem eine Untersuchung der aktuellen Corona-Maßnahmen.

MDR/Marie-Luise Luther, Alisa Sonntag

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 12. April 2021 | 09:00 Uhr

3 Kommentare

wanda vor 5 Tagen

Viele Blubberblasen! Der einzige sinnvolle Kandidat ist Bodo Walther. Sowohl seine Erfahrungen in der Verwaltung als auch als Anwalt können äußerst hilfreich sein. Götz hat in 7 Jahren bewiesen, dass er für diesen Posten nicht geeignet ist. Leider wird Herr Walther im besten Deutschland aller Zeiten keine Chance haben, weil selbsternannte Demokraten ein breites Bündnis schmieden würden, um diesen N*** zu verhindern. Also bekommen wir wieder den Götz. Was ist nur los in diesem Land, in dem immer mehr schaffende Menschen ans Auswandern denken? Ich auch!

Burgfalke vor 7 Tagen

Nur wenige Mitbürger haben die Hoffnung, daß noch ein Wunder geschieht und das Geld zweckgebunden in den Raum Zeitz - Weißenfels fließt, um dort den Strukturwandel gestalten zu können. Ein kleines Beispiel ist dabei der Mondsee mit der damit verbundenen Sicherung der notwendigen Strukturen. Mit dem Wegfall der Kohleförderung sind die dortigen aufgebauten Strukturen nur durch gezielte technische Maßnahmen zu sichern. Dafür bedarf es entsprechende Finanzmittel, die bereits an anderer Stelle zweckentfremdet bereits verwendet werden und eingeplant sind.
Diese Zweckentfremdungen müssen verhindert und entsprechende Personen zur Rechenschaft gezogen werden!
Einzelne OB- Kandidaten haben zwar angedeutet, daß sie daran etwas ändern wollen, aber viele Wähler interessieren derartige Dinge/ Zusammenhänge leider nicht!
Es wird wohl wieder auf ein Augen zu u. "weiterso" hinauslaufen u. ein "Aufbruch" mit neuen Zielen und Ideen wird wieder ausbleiben. Unkritische Medien begünstigen dies zusätzlich!

Burgfalke vor 7 Tagen

Keine der hier genannten Bewerber überzeugt. Nur in Ansätzen gibt es div. Hinweise, daß es so eigentlich nicht weitergehen darf. Der Ausstieg aus der Braunkohle bewirkt einen notwendigen Strukturwandel. Statt die ereitgestellten und noch fließenden Finanzmittel dort (Raum Zeitz) auch gezielt einzusetzen, werden diese zweckentfremdend für die Sanierungsarbeiten am Naumburger Dom (Abstrahlen f. 900 T€ ???) verwendet und weitere hohe Mio.- Beträge sollen in ein unnötiges Prestigeprojekt einer Umgehungsstraße Naumburg - Bad Kösen mit einer Gesamtbausumme von 157 Mio. fließen. Dies obwohl alle (!) ursprünglichen Sachargumente nicht mehr vorhanden sind. Unter Federführung von CDU und ihrem "Anhang" (die anderen Parteien) wurden die Bürger als auch die überregionalen Politiker wissentlich getäuscht. Voran der aktuelle LR, der sich nicht um die Gesamtinteressen der BLK kümmert (nördliche Streckenführung mit Einbindung von Freyburg und Raum Weißenfels). Ein anderer LR muß her, aber ...

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